Im US-College-Football bahnt sich die nächste gigantische Ausweitung der Playoffs an – und viele Fans reagieren zunehmend genervt. Immer mehr Trainer und Funktionäre sprechen sich inzwischen offen für ein 24-Team-Format im College Football Playoff (CFP) aus.
Kritiker sprechen längst von einer Verwässerung des Sports.
Früher Elite-Wettbewerb – heute Teilnahmeurkunde?
Die American Football Coaches Association (AFCA) erklärte diese Woche, zukünftige Playoff-Modelle sollten die „maximale Anzahl an Teilnehmern“ ermöglichen. Hinter dieser Formulierung steckt faktisch die Forderung nach einem Mega-Playoff mit bis zu 24 Teams.
Das Problem:
Dann könnten künftig sogar Mannschaften mit vier Niederlagen realistische Chancen auf die Endrunde haben.
Oder anders formuliert:
Ein durchschnittliches 8:4-Team könnte plötzlich „Titelkandidat“ sein.
Viele Fans sehen darin einen massiven Qualitätsverlust. Jahrzehntelang lebte College Football gerade davon, dass jedes Spiel zählte und eine Niederlage dramatische Folgen haben konnte. Genau diese Härte würde ein XXL-Playoff weitgehend zerstören.
Die Regular Season verliert an Bedeutung
Kritiker warnen:
Wenn mehr als ein Drittel der großen College-Programme ohnehin in die Playoffs kommt, verliert die reguläre Saison ihren besonderen Reiz.
Bisher galt:
- Niederlagen gegen Topteams konnten eine Saison ruinieren.
- Rivalitätsspiele hatten enormen Druck.
- Conference-Duelle waren oft entscheidend.
Mit einem 24er-Playoff würde vieles davon entwertet.
Der USA-Today-Kommentator Blake Toppmeyer bringt es spöttisch auf den Punkt:
„Platz acht in der SEC, Teilnahmeurkunde abholen und dann in Runde eins ausscheiden.“
Trainer denken offenbar vor allem an ihre Jobs
Besonders brisant:
Mehrere Beobachter glauben, dass es den Trainern weniger um Fairness als um Selbstschutz geht.
Denn:
Wer die Playoffs erreicht, gilt automatisch als erfolgreich – selbst mit mittelmäßiger Bilanz.
Texas-A&M-Coach Mike Elko sprach das ungewöhnlich offen aus:
„Der Trainer, der seinen Job behalten will, möchte wahrscheinlich 45 Teams im Playoff.“
Eine ehrliche Aussage, die viele Fans wohl längst vermutet hatten.
Fans lehnen XXL-Playoff mehrheitlich ab
Laut einer Umfrage unter Big-Ten-Fans unterstützen nur neun Prozent ein 24-Team-Format. Die überwältigende Mehrheit bevorzugt weiterhin ein 12- oder maximal 16-Team-System.
Denn viele sehen die Gefahr, dass College Football immer stärker dem College Basketball ähnelt:
riesige Turniere, immer mehr Spiele – aber immer weniger Bedeutung einzelner Begegnungen.
Milliardenmarkt statt Tradition
Hinter der Debatte stehen natürlich enorme wirtschaftliche Interessen:
Mehr Playoff-Spiele bedeuten:
- mehr TV-Gelder,
- mehr Werbung,
- mehr Sponsoren,
- mehr Tickets,
- mehr Streaming-Einnahmen.
Für Fernsehsender und Verbände wäre ein XXL-Turnier ein Milliardenprojekt.
Für viele traditionelle Fans hingegen wäre es ein weiterer Schritt weg vom eigentlichen Charakter des College Footballs – hin zu einem komplett durchkommerzialisierten Dauer-Entertainment-Produkt.
Kommentar hinterlassen