Die Reality-Show „Married at First Sight Australia“ (MAFS) sieht sich mit schweren Vorwürfen ehemaliger Teilnehmer konfrontiert. Mehrere Kandidatinnen erklären, sie seien nicht darüber informiert worden, dass ihre Fernsehpartner Vorstrafen oder problematische Hintergründe hatten. Einige sprechen sogar davon, sich während der Dreharbeiten unsicher gefühlt zu haben.
Teilnehmerinnen fordern mehr Transparenz
Im Mittelpunkt der Kritik steht die Frage, ob Kandidaten ausreichend über die Vergangenheit ihrer zugewiesenen Partner informiert werden.
Die ehemalige Teilnehmerin Sierah Swepstone erklärte, sie habe erst nach Ende der Sendung erfahren, dass ihr TV-Ehemann Billy Belcher Jahre zuvor wegen Drogendelikten verurteilt worden war. Sie fordert künftig eine informierte Zustimmung („informed consent“) der Teilnehmer.
„Man sollte nicht mit einem Fremden allein gelassen werden, der eine Vorstrafe hat, ohne darüber informiert zu sein“, sagte sie.
Weitere Vorwürfe gegen Kandidaten
Die BBC-Recherche verweist auf mehrere Teilnehmer vergangener Staffeln, die Vorstrafen oder frühere Ermittlungen hatten.
Dazu gehören unter anderem:
- Drogendelikte,
- Körperverletzungsdelikte,
- Verurteilungen wegen gewalttätigen Verhaltens,
- frühere Verfahren im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt.
Einige Kandidatinnen erklärten, sie seien über diese Hintergründe nicht informiert worden.
„Ich hatte die ganze Zeit Angst“
Eine weitere ehemalige Teilnehmerin, die anonym bleiben möchte, schilderte ihre Erfahrungen besonders drastisch.
Sie berichtet, ihr damaliger Partner habe während der Dreharbeiten Wutausbrüche gezeigt und Gegenstände geworfen. Sie habe sich während der gesamten Produktion unsicher gefühlt.
„Ich hatte die ganze Zeit Angst“, sagte sie.
Der betreffende Mann weist sämtliche Vorwürfe zurück und bezeichnet die Anschuldigungen als falsch und verleumderisch.
Kritik an den Hintergrundprüfungen
Mehrere ehemalige Teilnehmer werfen den Produzenten vor, die Sicherheitsüberprüfungen nicht gründlich genug durchzuführen.
Ein ehemaliger Kandidat berichtete, zwischen seiner Bewerbung und dem Drehbeginn hätten lediglich zwei Wochen gelegen. Als bestimmte Dokumente für die Überprüfung seiner Vergangenheit fehlten, habe man ihm laut seiner Aussage gesagt, sein Wort genüge zunächst.
Andere Teilnehmer sprechen davon, dass die Produktion bei den Hintergrundchecks „den Ball fallen gelassen“ habe.
Produzenten weisen Vorwürfe zurück
Der australische Sender Channel 9 sowie die Produktionsfirma Endemol Shine Australia betonen, dass umfassende Sicherheits- und Hintergrundprüfungen durchgeführt würden.
Nach Angaben der Unternehmen umfassen diese:
- Polizeiliche Führungszeugnisse,
- Überprüfungen der Strafregister,
- psychologische Gutachten,
- medizinische Untersuchungen,
- rechtliche und digitale Hintergrundrecherchen.
Gleichzeitig erklärten die Verantwortlichen, dass persönliche Hintergrundinformationen grundsätzlich nicht zwischen den Teilnehmern ausgetauscht würden.
Auch die britische Version in der Kritik
Die Debatte kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt für das Format. Bereits die britische Ausgabe „Married at First Sight UK“ war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, nachdem schwere Vorwürfe gegen einzelne Teilnehmer öffentlich wurden. Die betroffenen Männer bestreiten die Anschuldigungen.
Forderung nach strengeren Regeln
Organisationen zum Schutz von Frauen fordern inzwischen, dass Produktionsfirmen Vorstrafen oder relevante Vorwürfe als ernsthafte Sicherheitsfrage behandeln und Betroffene darüber informieren.
Für viele ehemalige Teilnehmerinnen geht es dabei nicht nur um Transparenz, sondern um Vertrauen und persönliche Sicherheit.
„Wenn man mit einer fremden Person zusammenleben und ein Zimmer teilen soll, hat man das Recht zu wissen, mit wem man es zu tun hat“, erklärte eine ehemalige Kandidatin.
Die Diskussion könnte nun weitreichende Folgen für Reality-Datingformate haben, bei denen Fremde vor laufenden Kameras intime Beziehungen eingehen.
Kommentar hinterlassen