Kaum ist man als Sechzger der Meinung, man habe wirklich schon alles erlebt, kommt plötzlich der Sohn von Phil Collins nach Giesing. Mathew Collins trägt künftig das Löwen-Trikot – und damit ist bei uns endlich wieder Musik drin. Ob es gleich ein Welthit wird oder zunächst nur Regionalliga-Rock, werden wir sehen.
Bei 1860 passt der Transfer jedenfalls perfekt. Andere Vereine verpflichten Spieler nach Torquote, Laufleistung und Marktwert. Wir schauen offenbar inzwischen auch auf die Familien-Playlist. Aber ganz ehrlich: Nach Zwangsabstieg, Insolvenz und Neuanfang kann ein bisschen „Another Day in Paradise“ nicht schaden. Wobei bei uns vermutlich schon ein ganz normaler Samstag ohne Verwaltungschaos als Paradies durchgeht.
Mathew Collins bringt zwar erst 33 Zweitliga-Minuten aus Österreich mit. Aber Erfahrung wird bei Sechzig ohnehin überbewertet. Wir haben einen Torwart aus der Rente zurückgeholt, mehrere Heimkehrer eingepackt und eine Mannschaft zusammengestellt, die sich wahrscheinlich teilweise noch mit Namen vorstellt. Das ist kein Kader – das ist eine Klassenzusammenkunft mit Aufstiegsauftrag.
Nun also Collins. Vielleicht trommelt sein Vater vor dem Anpfiff den Rhythmus von „In the Air Tonight“, während 3000 Löwen nach Schweinfurt pilgern. Dort zeigt sich dann, ob wir tatsächlich gegen alle Widerstände zurückkommen oder ob es wieder heißt: neue Liga, alte Sorgen.
Die Gegner erklären uns vorsichtshalber schon zum Topfavoriten. Sehr freundlich. Vermutlich haben sie in den vergangenen Jahren nicht besonders aufmerksam verfolgt, was passiert, sobald beim TSV jemand das Wort „Favorit“ ausspricht. Beim Löwen reicht dafür normalerweise schon ein einziger verletzter Spieler, ein schiefer Rasen und eine außerordentliche Gesellschafterversammlung – und aus Aufstiegsmusik wird sofort wieder Blues.
Trotzdem: Der Neuanfang fühlt sich diesmal anders an. Ohne den alten Investoren-Zirkus, dafür mit Rückkehrern, Talenten, tausenden Fans und jetzt sogar einem echten Collins. Mehr Rock ’n’ Roll war seit Jahren nicht mehr an der Grünwalder Straße.
Also herzlich willkommen, Mathew! Spiel mutig, lauf viel und lass dich von unserem täglichen Wahnsinn nicht erschrecken. Und falls es mit dem direkten Wiederaufstieg klappt, darf dein Vater gern beim Marienplatz-Konzert das Schlagzeug übernehmen.
Bis dahin gilt: Auf geht’s, Löwen! Dieses Comeback wird vielleicht kein Welthit – aber hoffentlich wenigstens ein Aufstiegsschlager.
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