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Viel Wut, viel Applaus – und erstaunlich wenig Geschäftsmodell

jhenning (CC0), Pixabay
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In Döbeln traf sich die AfD mit Unternehmern, Handwerkern und Selbstständigen. Die Stimmung war ungefähr so, als hätte man sämtliche Beschwerden deutscher Betriebe aus den vergangenen zehn Jahren in einen Betonmischer gekippt und anschließend kräftig durchgerührt: Bürokratie, Energiekosten, Förderchaos, Fachkräftemangel, Steuern, Russland-Sanktionen, EU, Migration, Treuhand, Ukrainekrieg und natürlich die Bundesregierung. Es war die Fortsetzung eines Dialogs mit der Wirtschaft, den die AfD-Landtagsfraktion bereits vor wenigen Wochen begonnen hatte.

Die Diagnose stand schon vor Beginn des Abends fest: Deutschland ist krank. Sehr krank. Vielleicht sogar unheilbar krank. Zumindest klang es auf der Bühne zeitweise so.

Das Interessante daran: Je düsterer die Lage beschrieben wurde, desto begeisterter wurde applaudiert.

Ein Landwirt schilderte ein Problem, das viele Unternehmer nachvollziehen können: Förderanträge gestellt, Genehmigungen erhalten, zwei Jahre gewartet – und am Ende ist das Geld weg. Eine Geschichte, die vermutlich jeden Mittelständler sofort auf Betriebstemperatur bringt.

Die Frage wäre nun gewesen: Wie genau will die AfD solche Probleme lösen?

Doch statt über digitale Behörden, schnellere Genehmigungen oder konkrete Verwaltungsreformen zu sprechen, bog die Diskussion erstaunlich schnell Richtung Weltpolitik ab. Aus dem Förderantrag für einen Hofladen wurde plötzlich ein Streit über die EU. Aus Energiepreisen wurde die große geopolitische Auseinandersetzung. Aus Bürokratie wurde ein Kampf um nationale Souveränität.

Das hat den Charme eines Kfz-Mechanikers, der bei einem kaputten Blinker empfiehlt, zunächst die gesamte Straßenverkehrsordnung abzuschaffen.

Natürlich trifft die AfD einen Nerv. Viele Unternehmer fühlen sich von der Politik übersehen. Viele Handwerker haben genug von Formularen, Auflagen und ständig neuen Vorschriften. Die Wut ist real.

Nur ersetzt Wut noch kein Wirtschaftsprogramm.

Der Abend in Döbeln zeigte ein bemerkenswertes Muster: Die Partei ist inzwischen sehr gut darin geworden, die Frustration der Wirtschaft zu beschreiben. Bei der Frage, was danach konkret passieren soll, wird es deutlich dünner.

Ministerien abbauen. NGOs streichen. Asylbewerber zurückführen. Die Verwaltung verschlanken. Das klingt zunächst entschlossen. Doch selbst wenn all das umgesetzt würde, bleibt offen, wie dadurch plötzlich mehr Fachkräfte auf Baustellen erscheinen, Förderanträge schneller bearbeitet oder deutsche Produkte auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger werden.

Die eigentliche Pointe des Abends lieferte Björn Höcke selbst. Er versprach keine schnellen Lösungen. Statt Aufbruch gab es die Ankündigung eines „Tals der Tränen“.

Man muss sich das einmal vorstellen: Die Gäste kommen mit wirtschaftlichen Sorgen zu einer Veranstaltung, hören mehrere Stunden lang, dass alles furchtbar ist, und gehen mit der Aussicht nach Hause, dass es zunächst noch viel schlimmer werden wird.

Und dennoch gibt es Standing Ovations.

Vielleicht liegt genau darin das politische Erfolgsrezept. Die AfD verkauft derzeit weniger Lösungen als ein Gefühl: das Gefühl, dass endlich jemand den Frust ausspricht. Höcke, Jörg Urban und Ulrich Siegmund lieferten an diesem Abend vor allem Diagnosen, Warnungen und grundlegende Richtungswechsel. Konkrete Antworten auf viele der geschilderten Alltagsprobleme blieben dagegen eher skizzenhaft.

Bislang wirkt das Ganze ein wenig wie ein Handwerker, der zum Kunden kommt, den Schaden begutachtet, ausführlich erklärt, warum alles kaputt ist – und anschließend verkündet, dass die Reparatur später besprochen wird.

Der Applaus dafür ist jedenfalls schon da. Ob daraus am Ende auch ein belastbarer Sanierungsplan für den Wirtschaftsstandort Deutschland wird, bleibt die offene Frage.

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