In der Kleinstadt Southport an der Küste North Carolinas hat ein ehemaliger US-Marine am Samstagabend drei Menschen erschossen und mindestens acht weitere verletzt. Der Täter, Nigel Edge (40), legte mit einem Boot an einem beliebten Ausflugslokal an und eröffnete das Feuer auf Gäste der Bar „American Fish Company“, wie die Polizei mitteilte.
Laut Ermittlern handelt es sich um einen gezielten und vorab geplanten Angriff. Edge, ein hochdekorierter Veteran des Irak-Kriegs, wurde am Sonntagmorgen festgenommen. Ihm werden unter anderem dreifacher Mord ersten Grades, fünffacher versuchter Mord und fünffacher schwerer Angriff mit Tötungsabsicht vorgeworfen.
„Das war eine kaltblütige Tat“, sagte Bezirksstaatsanwalt Jon David auf einer Pressekonferenz. Mindestens ein Opfer schwebe noch in Lebensgefahr.
Tat in malerischer Touristenstadt erschüttert die USA
Southport, ein bei Urlaubern beliebter Küstenort am Cape Fear River, ist für seine Ruhe und Sicherheit bekannt. Am Samstagabend hatten zahlreiche Gäste das milde Wetter und Livemusik auf dem Außendeck der Bar genossen, als gegen 21:30 Uhr plötzlich Schüsse fielen. Laut Polizei näherte sich Edge mit einem Boot und eröffnete direkt das Feuer.
Viele der Opfer seien Touristen gewesen, so David: „Sie wollten einfach nur einen schönen Abend unter freiem Himmel verbringen.“
Festnahme auf See durch US-Küstenwache
Nach der Tat floh der Täter mit seinem Boot über die nahegelegene Intracoastal Waterway in Richtung der Nachbargemeinde Oak Island. Die US-Küstenwache entdeckte das Boot wenig später und nahm Edge fest. Die Polizei geht davon aus, dass er allein gehandelt hat. Weitere Anklagen seien möglich.
Täter war der Polizei bekannt – Hinweise auf psychische Belastung
Nigel Edge, der früher unter dem Namen Sean DeBevoise bekannt war, hatte in den letzten Jahren mehrere Zivilklagen gegen örtliche Behörden eingereicht – viele davon mit verschwörungstheoretischem Inhalt. Erst am 24. September, also nur wenige Tage vor dem Anschlag, reichte er eine neue Klage gegen das Department of Veteran Affairs ein.
Laut Angaben des US Marine Corps diente Edge von 2003 bis 2009 im Irak und erhielt unter anderem das Purple Heart (für im Kampf verwundete Soldaten) sowie eine Humanitarian Service Medal. Zuletzt war er Teil des Wounded Warrior Battalion East, einer militärischen Einrichtung für psychisch und physisch verletzte Soldaten.
Parallelen zum Anschlag in Michigan
Nur rund 12 Stunden nach der Tat in Southport kam es zu einem weiteren Amoklauf durch einen ehemaligen Marine. In Grand Blanc, Michigan, fuhr der 43-jährige Thomas Jacob Sanford sein Fahrzeug in eine Kirche der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und eröffnete das Feuer – zwei Menschen starben, acht wurden verletzt. Sanford wurde später von der Polizei erschossen.
Die zeitliche Nähe beider Taten durch Veteranen gibt Anlass zu Diskussionen über mentale Gesundheit, gesellschaftlichen Rückhalt für Kriegsveteranen und den Zugang zu Waffen.
Reaktionen aus Politik und Gemeinde
North Carolinas Gouverneur Josh Stein äußerte sich tief betroffen:
„Ich bin erschüttert über die schreckliche Tat, die unser kleines, starkes Southport so hart getroffen hat. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.“
Der mutmaßliche Täter befindet sich derzeit ohne Kaution in Untersuchungshaft. Sein erster Gerichtstermin ist für Montag angesetzt. Die Ermittlungen dauern an, ein konkretes Tatmotiv ist bislang nicht bekannt.
Hintergrund:
Nach Angaben des Gun Violence Archive gab es im Jahr 2025 bereits über 324 Massenschießereien in den USA – darunter fallen alle Vorfälle, bei denen mindestens vier Menschen durch Schusswaffen verletzt oder getötet wurden, ohne den Täter mitzurechnen.
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