Je mehr über die mögliche Trennung von Ole Werner bei RB Leipzig bekannt wird, desto mehr drängt sich ein unangenehmer Verdacht auf: Sucht man jetzt nach Gründen, um eine längst getroffene Entscheidung nachträglich zu rechtfertigen?
Werner übernimmt einen Klub im Umbruch, verliert mit Sesko, Xavi Simons und Openda die wichtigsten Offensivspieler, führt RB trotzdem zurück in die Champions League und stellt mit 20 Bundesliga-Siegen sogar einen Vereinsrekord auf. Eigentlich eine Bilanz, die für einen Trainer spricht.
Doch plötzlich werden Argumente präsentiert, die eher wie eine Sammlung von Rechtfertigungen wirken. Mal war es angeblich zu viel Glück. Dann sollen individuelle Leistungen von Diomande oder Baumgartner wichtiger gewesen sein als die Arbeit des Trainers. Nun wird die Bilanz gegen die Top-6 der Bundesliga angeführt. Und jetzt kommt auch noch der Vorwurf hinzu, Werner habe die von Jürgen Klopp favorisierten Neuzugänge Andrija Maksimovic und Johan Bakayoko nicht ausreichend berücksichtigt.
Spätestens an diesem Punkt wird es unerquicklich. Seit wann ist die Einsatzzeit einzelner Spieler wichtiger als sportlicher Erfolg? Ist ein Trainer dafür da, Wunschspieler aus der Konzernzentrale zufriedenzustellen oder die Mannschaft nach Leistungsprinzip aufzustellen?
Besonders bemerkenswert: Während aus dem Umfeld von Red Bull immer neue Kritikpunkte durchsickern, soll Sportchef Marcel Schäfer mit Werners Arbeit hochzufrieden gewesen sein und sogar eine Vertragsverlängerung angestrebt haben. Das lässt den Eindruck entstehen, dass hier weniger sportliche Fakten als interne Machtverhältnisse den Ausschlag geben.
Vor einem Jahr wurde Werner von Klopp noch als außergewöhnlicher Trainer gelobt. Heute soll das Verhältnis auf Sparflamme laufen. Und plötzlich werden ausgerechnet die Spieler zum Thema, die als „Klopp-Lieblinge“ gelten.
Natürlich kann RB Leipzig den Trainer wechseln. Das ist das gute Recht des Vereins. Aber je mehr Details an die Öffentlichkeit gelangen, desto stärker wirkt es, als wolle man nach außen beweisen, warum die Trennung angeblich alternativlos sei. Dabei entsteht vor allem ein anderer Eindruck: Dass man einen erfolgreichen Trainer loswerden möchte und nun fieberhaft nach Argumenten sucht, damit die Entscheidung nicht ganz so fragwürdig aussieht.
Ich höre hier nur Mutmaßungen und Blödsinn. Bevor sich Ole Werner, oder der Verein sich nicht selbst klar äußern, sind das für mich nur Verleumdungen und Dünnschiss.