Wenn selbst Putins treuester Nachbar kurz den Stecker zieht
Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Alexander Lukaschenko, sonst zuverlässigster Nebenjob-Kremlbewohner Europas, soll plötzlich Relaisstationen abgeschaltet haben, die russischen Drohnen den Weg Richtung Ukraine erleichtert haben könnten. Ausgerechnet Lukaschenko. Der Mann, der bislang kaum eine Gelegenheit ausließ, Moskau seine Nachbarschaft zur Verfügung zu stellen.
Offenbar hat ein ukrainisches Ultimatum eine Wirkung erzielt, die selbst jahrelange diplomatische Appelle nie hatten. Frei nach dem Motto: „Mach die Dinger aus – oder wir erledigen das für dich.“
Und siehe da: Plötzlich ist in Belarus der Finger am Ausschalter schneller als sonst am Wahlzettel.
Ob die Anlagen tatsächlich dauerhaft außer Betrieb sind oder nur vorsichtshalber eine kleine „Kaffeepause“ einlegen, weiß derzeit niemand. Auch Russland schweigt. Vermutlich wird in Moskau gerade hektisch geprüft, ob irgendwo versehentlich der WLAN-Router neu gestartet wurde.
Lukaschenko steckt ohnehin in einer beneidenswert komplizierten Lage. Einerseits möchte er seinem großen Freund Wladimir Putin möglichst treu zur Seite stehen. Andererseits wäre es unerquicklich, wenn ukrainische Raketen plötzlich auf belarussischem Boden nach technischen Einrichtungen suchen würden. Loyalität ist eben schön – solange sie nicht explodiert.
Sollte Minsk die Relaisstationen tatsächlich aus Angst vor ukrainischen Angriffen abgeschaltet haben, wäre das fast schon eine außenpolitische Sensation. Es wäre der seltene Moment, in dem der belarussische Präsident nicht zuerst nach Moskau, sondern auf die eigene Landkarte geschaut hat.
Für Putin ist das keine gute Nachricht. Denn wer im Krieg auf technische Infrastruktur angewiesen ist, stellt ungern fest, dass der Nachbar plötzlich den Stecker zieht. Vielleicht lernt der Kreml nun eine alte Weisheit kennen: Selbst der loyalste Verbündete entwickelt einen Selbsterhaltungstrieb, sobald es vor der eigenen Haustür unangenehm laut wird.
Ob daraus eine nachhaltige Kursänderung wird oder nur ein kurzer Stromausfall der Freundschaft, wird sich zeigen. Aber allein die Vorstellung, dass Lukaschenko einmal „Nein“ sagt – oder zumindest „Heute lieber nicht“ –, dürfte in Moskau für mehr Nervosität sorgen als so manche Drohne.
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