Es reicht langsam. Seit Jahren werden die Meister der Regionalliga Nordost vom Deutschen Fußball-Bund mit einem System abgespeist, das sportlich kaum noch zu rechtfertigen ist. Während in anderen Bereichen ständig über Chancengleichheit und Fairness gesprochen wird, müssen die Ostvereine immer wieder um ihren verdienten Lohn kämpfen.
Der aktuelle Fall von Lok Leipzig zeigt das Problem einmal mehr in aller Deutlichkeit.
Die Leipziger haben sich erneut durch eine lange und kräftezehrende Saison gekämpft, die Regionalliga Nordost gewonnen und stehen trotzdem nicht als Aufsteiger fest. Stattdessen müssen sie wieder den Umweg über die Relegation nehmen. Das ist ein Zustand, der seit Jahren für Frust sorgt und den der DFB längst hätte ändern können, wenn er es wirklich gewollt hätte.
Die Frage lautet doch: Warum steigt ein Meister nicht automatisch auf?
Wer eine Liga gewinnt, sollte aufsteigen. Punkt.
Doch für die Vereine aus dem Nordosten gelten offenbar andere Regeln. Immer wieder müssen sie in Entscheidungsspielen antreten, in denen eine komplette Saison auf 180 Minuten reduziert wird. Ein einziger schlechter Tag, ein unglücklicher Schiedsrichterpfiff oder eine Verletzung können reichen, um die Arbeit eines ganzen Jahres zunichtezumachen.
Lok Leipzig kann davon ein Lied singen. Die Sachsen sind mehrfach Meister geworden und dennoch immer wieder an der Aufstiegshürde gescheitert. Das hat mit sportlicher Gerechtigkeit nur noch wenig zu tun.
Natürlich wird oft argumentiert, dass es zu viele Regionalligen und zu wenige Aufstiegsplätze gibt. Das Problem ist bekannt. Doch genau deshalb stellt sich die Frage, warum der DFB seit Jahren keine tragfähige Lösung präsentiert. Zeit genug wäre vorhanden gewesen.
Stattdessen bleibt bei vielen Fans im Osten der Eindruck zurück, dass ihre Vereine nicht die gleiche Bedeutung besitzen wie Klubs aus anderen Regionen. Vielleicht ist das nicht die Absicht des DFB. Aber die Wirkung ist genau diese.
Hinzu kommt die finanzielle Schieflage. Viele Westvereine profitieren von größeren Einzugsgebieten, stärkeren Sponsorenstrukturen und attraktiven Derbys. Die Regionalliga Nordost hingegen ist sportlich enorm stark, wirtschaftlich aber oft benachteiligt. Umso wichtiger wäre ein fairer Aufstiegsweg.
Auch die aktuelle Relegation gegen die Würzburger Kickers sorgt für Diskussionen. Lok verlor das Hinspiel mit 0:1 und steht nun unter enormem Druck. Gleichzeitig hatten die Würzburger deutlich mehr Zeit, sich gezielt auf die Aufstiegsspiele vorzubereiten. Auch darüber kann man zumindest diskutieren.
Fest steht: Das derzeitige System produziert regelmäßig Verlierer, obwohl diese zuvor Meister geworden sind. Das ist ein Widerspruch in sich.
Wenn sich nichts ändert, wird die Frustration im Nordosten weiter wachsen. Der DFB sollte sich fragen, warum eine ganze Region Jahr für Jahr das Gefühl hat, benachteiligt zu werden. Drei Meisterschaften in wenigen Jahren und trotzdem kein Aufstieg – allein das zeigt, dass hier etwas grundlegend schiefläuft.
Vielleicht braucht es tatsächlich mehr Druck aus den ostdeutschen Landesverbänden und Vereinen. Denn solange niemand konsequent auf Veränderungen drängt, wird der Nordost-Meister wohl auch künftig um etwas kämpfen müssen, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: den direkten Aufstieg nach einer gewonnenen Saison.
Kommentar hinterlassen