Mehr als 6.000 europäische Anleger, rund 200 Millionen Schweizer Franken Investitionsvolumen und eine Gesellschaft, deren Konkursverfahren mangels Vermögens eingestellt wurde. Recherchen des Schweizer Fernsehens und von Correctiv und diebewertung.de werfen schwerwiegende Fragen zur Life Forestry Switzerland AG auf. Neue Kundenschreiben der LFS Bewirtschaftungs AG zeigen, dass der Streit um die Zukunft der Teakholz-Investments weiter eskaliert.
Millionen verschwunden – nur 805 Franken auf dem Konto?
Die Fernsehsendung „Rundschau“ berichtete am 14. Oktober 2026 über das Geschäftsmodell der Life Forestry Switzerland AG. Anleger kauften Teakbäume in Costa Rica und Ecuador, verbunden mit langfristigen Renditeerwartungen von bis zu zwölf Prozent jährlich.
Nach den Recherchen sollen rund 200 Millionen Franken eingesammelt worden sein. Bei Konkurseröffnung befanden sich demnach lediglich 805 Franken auf einem Firmenkonto.
Besonders brisant: Im Jahresabschluss 2023 sollen Darlehen von rund 25 Millionen Franken ausgewiesen sein, darunter 3,6 Millionen Franken an den damaligen Unternehmenschef Carl-Lambert Liesenberg persönlich.
Wo diese Gelder letztlich verblieben und in welchem Umfang sie zurückgeführt wurden, ist aufklärungsbedürftig.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Die Staatsanwaltschaft Nidwalden führt nach Angaben des Schweizer Fernsehens Ermittlungen gegen Liesenberg und eine weitere Person wegen des Verdachts auf Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung und Konkursdelikte. Fünf Hausdurchsuchungen wurden bestätigt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Deutsche Gerichte haben das Geschäftsmodell bereits kritisch beurteilt. Das Landgericht Frankfurt (Oder) stellte in einem Zivilverfahren erhebliche Täuschungsvorwürfe fest.
Neue Gesellschaft, alte Verbindungen?
Nach dem Konkurs bietet die LFS Bewirtschaftungs AG unter Patrick Huber ehemaligen Kunden neue Verträge zur Pflege, Ernte und Vermarktung ihrer Bäume an. Vorgesehen ist eine Provision von 15 Prozent.
Huber war zuvor in leitender Funktion bei der insolventen Gesellschaft tätig. Eine rechtliche Identität beider Unternehmen ist damit jedoch nicht belegt.
Ein der Redaktion vorliegendes Schreiben vom 17. September 2026 warnt eine Anlegerin vor einem möglichen Totalverlust, falls keine rechtzeitige Bewirtschaftung erfolgt.
Streit mit Anlegervertretern
In einer weiteren Stellungnahme vom 29. Oktober greift die LFS Bewirtschaftungs AG die Interessengemeinschaft Life Forestry und Rechtsanwalt Jens Reime an. Kritisiert werden insbesondere anwaltliche Kosten und öffentliche Warnungen.
Zugleich äußert das Unternehmen Vermutungen über einen Zusammenhang zwischen einer Reise von Anlegervertretern und Plantagenbesetzungen. Belastbare Belege für eine solche Verbindung liegen der Redaktion nicht vor.
Die zentrale Frage bleibt: Wem gehören die Bäume tatsächlich, wer kontrolliert die Plantagen und welche realistischen Verkaufserlöse können Anleger erwarten?
Die Existenz der Bäume allein garantiert noch keinen wirtschaftlichen Ertrag.
Fazit: Der Fall Life Forestry verlangt eine transparente Aufklärung der Geldflüsse, Eigentumsverhältnisse und wirtschaftlichen Perspektiven. Neue Bewirtschaftungsverträge können eine Lösung darstellen, ersetzen aber keine Prüfung möglicher Schadenersatzansprüche.
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