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Leipzig diskutiert wieder: Der Wald gegen den Ball

jorono (CC0), Pixabay
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Leipzig hat mal wieder ein Problem. Genauer gesagt: fünf Hektar Problem. Oder anders formuliert: ein Wald, der es gewagt hat, genau dort zu wachsen, wo irgendwann einmal jemand eine richtig gute Idee für einen Fußballplatz hatte.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Über zwanzig Jahre lässt man ein ehemaliges Kleingartengelände in Ruhe. Bäume wachsen, Tiere ziehen ein, ein Biotop entsteht. Die Natur macht ihren Job – völlig ungefragt. Und plötzlich stellt jemand fest: „Moment mal, da könnten wir doch Trainingsplätze bauen.“

Die Bäume dürften ziemlich überrascht sein. Jahrzehntelang Photosynthese betrieben, CO₂ gespeichert, Vögeln ein Zuhause gegeben – und jetzt erfahren sie, dass sie eigentlich nur auf ihre Auswechslung gewartet haben.

Natürlich ist die Diskussion kompliziert. Die Kleinmesse soll bleiben. RB Leipzig braucht mehr Platz. Der Parkplatz muss irgendwo hin. Die Stadt versucht es allen recht zu machen. Das gelingt ungefähr so gut wie einem Schiedsrichter im Derby.

Die Umweltverbände sprechen von einem wertvollen Biotopkorridor. Fußballfans sprechen von notwendigen Trainingsbedingungen. Und die Bäume? Die sagen gar nichts. Sie rauschen höchstens ein wenig im Wind – vermutlich aus Nervosität.

Besonders faszinierend ist die Logik der Ausgleichsmaßnahmen. Fünf Hektar gewachsener Wald verschwinden, dafür pflanzt man woanders neue Bäumchen. Das erinnert ein wenig an die Idee, den Kölner Dom abzureißen und als Ausgleich einen Bausatz aus dem Baumarkt hinzustellen. Ist schließlich auch Kirche.

Vielleicht könnte man den Kompromiss noch weiterdenken. Warum nicht einen Trainingsplatz mitten im Wald? Die Spieler müssten dann um Eichen dribbeln, Spechte als Schiedsrichter akzeptieren und bei jedem Eckball erst einmal ein Eichhörnchen passieren lassen. Das wäre nicht nur nachhaltig, sondern auch eine echte Herausforderung für das Passspiel.

Und überhaupt: Leipzig wirbt gern als grüne Stadt. Es wäre schade, wenn das künftig bedeutet, dass nur noch die Trikots grün sind.

Am Ende bleibt die Hoffnung, dass in den kommenden Monaten nicht nur über Quadratmeter und Bebauungspläne gesprochen wird, sondern auch darüber, welchen Wert ein gewachsener Wald tatsächlich hat. Denn Fußballplätze kann man planen. Einen funktionierenden Wald dagegen bestellt man nicht einfach im Online-Shop – auch wenn manche Stadtplaner das vielleicht gern hätten.

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