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LBMA GOLD aus Ghana

Stevebidmead (CC0), Pixabay
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Rohgold aus einer Mine in Ghana wird in der Regel nicht zum vollen LBMA-Spotpreis gehandelt, sondern mit Abschlägen – je nach Reinheit, Analyse, Logistik, Finanzierung, Steuern, Raffinationskosten und Risiko.
Typisch ist: Rohgold/Doré wird häufig zu ca. 90–99,5 % des enthaltenen Feingoldwerts gekauft.
Bei legalem, gut dokumentiertem Doré aus industriellen Minen liegt der Handel oft bei LBMA-Spot minus Raffinations-/Behandlungskosten.
Bei kleinteiligem ASM-Gold (Artisanal & Small-Scale Mining) in Ghana können die Abschläge deutlich größer sein.


Wie wird Rohgold aus Ghana bepreist?

1) Was wird dort überhaupt verkauft?

Aus einer Mine in Ghana kommt meist nicht sofort „Investment-Gold“, sondern:

  • Golderz (noch im Gestein)
  • Goldkonzentrat
  • Doré-Barren (halbraffiniertes Gold-Silber-Gemisch)

Für den internationalen Handel ist Doré am wichtigsten.

Ein Doré-Barren aus Ghana kann z. B. enthalten:

  • 70–95 % Gold
  • 5–25 % Silber
  • Spuren anderer Metalle

Der entscheidende Punkt ist also:
Bezahlt wird nicht der Barren als Ganzes, sondern der enthaltene Feingoldanteil (und teils Silberanteil).


2) Preisformel im professionellen Handel

Der typische institutionelle Preis lautet vereinfacht:

**Kaufpreis = (Feingoldgehalt × LBMA Spot/Benchmark)

  • (ggf. Silberwert)
    – Raffinationskosten
    – Schmelz-/Behandlungskosten
    – Transport/Versicherung
    – Finanzierungskosten
    – Risikoabschlag
    – Steuern/Gebühren**

Beispiel (vereinfacht)

Ein Doré-Barren aus Ghana:

  • Gewicht: 25 kg
  • Analyse: 85 % Gold, 10 % Silber
  • Enthaltenes Gold: 21,25 kg
  • LBMA Goldpreis: z. B. 70.000 USD/kg
  • Theoretischer Goldwert: 1.487.500 USD

Dann werden abgezogen:

  • Raffination: z. B. 0,2–1,5 %
  • Behandlung/Assay
  • Logistik/Versicherung
  • Zahlungs-/Counterparty-Risiko
  • ggf. Compliance-Aufwand

Ergebnis: Auszahlung vielleicht z. B. 97–99 % des Goldwerts bei sauberer, großer Mine
oder nur 90–96 % bei kleinerem/risikoreicherem Material.


Typische Abschläge in Ghana

A) Industrielle Großminen (legal, exportfähig, dokumentiert)

Bei etablierten Produzenten (z. B. große Minengesellschaften) gilt meist:

  • Nahe am internationalen Marktpreis
  • Oft LBMA-Referenz minus Vertragskosten
  • Typisch: ~98–99,5 % des Feingoldwerts nach finaler Analyse

Warum so nah am Spot?

  • hohe Qualität
  • saubere Dokumentation
  • stabile Lieferketten
  • LBMA-/RMI-/OECD-konforme Due Diligence möglich
  • geringes Herkunftsrisiko

B) Kleinbergbau / ASM in Ghana

Bei handwerklichem Goldabbau (in Ghana sehr relevant) liegt der Preis oft niedriger:

  • lokaler Ankauf oft 90–98 % des Spotwerts
  • manchmal mehr Abschlag bei:
    • unklarer Reinheit
    • fehlender Exportlizenz
    • Cash-Handel
    • Schmuggel-/Rechtsrisiko
    • Vorfinanzierung durch Händler
    • hohe lokale Margen

In problematischen oder informellen Lieferketten kann der Abschlag noch stärker sein.


Was ist der „offizielle“ Referenzpreis?

Für professionellen Handel wird meist auf Folgendes referenziert:

  • LBMA Gold Price AM/PM (Benchmark)
  • oder Spotpreis in London
  • teilweise COMEX-Futures als Hedge-Referenz, aber Settlement meist an LBMA orientiert

Wichtig:
LBMA selbst kauft kein Gold direkt aus der Mine.
LBMA ist in erster Linie:

  • Standardsetzer
  • Good-Delivery-Regelwerk
  • Benchmark-/Marktinfrastruktur für London Bullion Market

Wie wird aus Ghana-Gold „LBMA Gold“?

Hier muss man sauber unterscheiden:

1) „LBMA-gehandeltes Gold“

Das bedeutet meist:
Gold, das in einer Form und Herkunftskette vorliegt, die von LBMA-konformen Raffinerien verarbeitet wurde und im London-Markt akzeptiert ist.

2) „LBMA Good Delivery Gold“

Das ist der eigentliche Standard für den Londoner Großhandelsmarkt.

Ein LBMA Good Delivery Bar hat typischerweise:

  • ca. 400 Troy Ounces (meist 350–430 oz zulässig)
  • Feinheit von mindestens 995,0
  • hergestellt von einer LBMA Good Delivery List-Raffinerie
  • definierte Maße, Markierungen, Seriennummern

Der Weg von Ghana-Minen-Gold zum LBMA-Barren

Schritt 1: Abbau & erste Verarbeitung in Ghana

Das Erz wird verarbeitet zu:

  • Konzentrat oder
  • Doré-Barren

Der Doré-Barren ist bereits transportfähig, aber noch kein LBMA-Good-Delivery-Gold.


Schritt 2: Probenahme / Assay

Vor dem Verkauf wird der Doré-Barren analysiert:

  • Goldgehalt
  • Silbergehalt
  • Verunreinigungen

Das kann erfolgen durch:

  • Minenlabor
  • unabhängiges Labor
  • später finale Raffinerieanalyse

Wichtig: Oft gibt es eine vorläufige Zahlung und später ein Final Settlement nach Raffinerie-Assay.


Schritt 3: Export aus Ghana

Für legalen Export braucht man typischerweise:

  • Exportlizenz / staatliche Freigaben
  • Zoll- und Steuerdokumente
  • Herkunftsnachweise
  • AML/KYC-Unterlagen
  • ggf. Zentralbank-/Minerals Commission-/Revenue-Dokumente (je nach Struktur)

Ghana ist hier relativ streng, gerade wegen Schmuggel- und Compliance-Themen.


Schritt 4: Versand an eine Raffinerie

Das Doré geht an eine LBMA-zugelassene oder sonst international anerkannte Raffinerie (oft in:

  • Schweiz
  • UAE
  • Südafrika
  • Indien
  • Türkei
  • gelegentlich Europa allgemein)

Wenn das Gold später in London institutionell akzeptiert sein soll, ist eine LBMA Good Delivery Raffinerie besonders wichtig.


Schritt 5: Raffination

In der Raffinerie wird das Doré aufgetrennt und gereinigt:

  • Schmelzen
  • chemische oder elektrolytische Raffination
  • Trennung von Gold, Silber und Nebenmetallen

Ergebnis:

  • Gold mit 995+, häufig 999,9
  • Silber separat
  • Rückgewinnung anderer Metalle (falls relevant)

Schritt 6: Herstellung des LBMA Good Delivery Barren

Nur eine Raffinerie auf der LBMA Good Delivery List darf Barren herstellen, die als LBMA Good Delivery anerkannt sind.

Der Barren erhält:

  • Raffinerie-Stempel
  • Feinheit
  • Seriennummer
  • Jahr
  • Gewicht

Dann kann er in den Londoner OTC-Markt / Vault-Systeme eingespeist werden.


Wann ist Ghana-Gold nicht automatisch LBMA-fähig?

Ganz wichtig:
Nur weil Gold aus einer legalen Mine stammt, ist es noch nicht automatisch „LBMA Gold“.

Es kann scheitern an:

  • fehlender Chain of Custody
  • unzureichender Due Diligence
  • Herkunftsrisiken (ASM, Konflikt-/Schmuggelverdacht)
  • nicht-LBMA-zugelassener Raffinerie
  • ESG-/OECD-Annex-II-Risiken
  • Sanktions-/AML-Problemen

LBMA verlangt von Raffinerien umfangreiche Herkunftsprüfungen nach dem Responsible Sourcing Programme.


Konkrete Preisrelation: Ghana-Mine vs. LBMA-Barren

Hier die Praxis in einem Satz:

  • Ein sauberer Doré-Barren aus einer großen Mine in Ghana wird oft zu
    LBMA-Preis für den enthaltenen Feingoldanteil minus 0,5–2,0 % Gesamtkosten/Abschläge gehandelt.
  • Kleinbergbau-/lokales Ankaufgold kann eher bei
    LBMA-Preis minus 2–10 % oder mehr liegen, je nach Risiko.

Beispielrechnung: Vom Ghana-Doré zum LBMA-Gold

Angenommen:

  • Doré-Gewicht: 20 kg
  • Goldgehalt: 90 %
  • Silber: 8 %
  • Enthaltenes Gold: 18 kg
  • LBMA-Preis: 70.000 USD/kg

Theoretischer Goldwert:

18 × 70.000 = 1.260.000 USD

Abzüge:

  • Raffination: 6.000 USD
  • Assay / Handling: 2.000 USD
  • Transport / Versicherung: 4.000 USD
  • Finanzierung / Hedging / Settlement: 5.000 USD
  • Risiko-/Handelsmarge: 8.000 USD

Auszahlung:

1.235.000 USD
→ Das entspricht etwa 98,0 % des theoretischen Goldwerts (ohne Silbergutschrift)

Wenn Silber vergütet wird, kommt ein Teil davon wieder hinzu.


Wer verdient an der Kette?

In der Wertschöpfungskette sitzen typischerweise:

  1. Mine / Produzent
  2. lokaler Aggregator oder Exporteur
  3. Trader / Bullion-Händler
  4. Raffinerie
  5. Bank / Bullion Bank / Großhandel
  6. Vault / institutioneller Käufer / ETF / Schmuckindustrie

Die größten Preisunterschiede entstehen meist nicht durch den Goldpreis selbst, sondern durch:

  • Reinheit
  • Dokumentation
  • Rechts- und Herkunftsrisiko
  • Refining Access
  • Finanzierung / Hedging
  • Marktzugang zu LBMA-konformen Abnehmern

Wichtig für Ghana speziell

Ghana ist einer der größten Goldproduzenten Afrikas. Deshalb gibt es dort zwei sehr unterschiedliche Welten:

1) Formeller Sektor

  • große internationale Minen
  • gut dokumentiert
  • Export über regulierte Kanäle
  • leichter Zugang zu LBMA-konformen Raffinerien

2) Informeller / „Galamsey“-Sektor

  • illegaler oder halbformeller Kleinbergbau
  • häufig Umwelt- und Governance-Probleme
  • hohe Schmuggelanfälligkeit
  • oft größere Abschläge
  • deutlich schwieriger, daraus später LBMA-acceptable metal zu machen

Fazit

Zu welchem Preis wird Rohgold aus Ghana gehandelt?
Nicht zum vollen Spotpreis des Barrens, sondern nach dem enthaltenen Feingoldwert, meist auf Basis des LBMA-Preises, abzüglich Raffinations-, Logistik-, Finanzierungs- und Risikoabschlägen.

Faustregel:

  • Großminen-Doré: oft 97–99,5 % des Feingoldwerts
  • ASM-/lokales Ankaufgold: oft 90–98 %, teils darunter

Wie wird daraus LBMA-Gold?

  1. Mine produziert Doré
  2. Assay / Probenahme
  3. legaler Export
  4. Versand an LBMA-zugelassene Raffinerie
  5. Raffination auf 995+ / 999,9
  6. Gießen als LBMA Good Delivery Bar
  7. Einbuchung in den Londoner Großhandelsmarkt

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