Nach 1.375 Tagen ohne Profitennis hat Serena Williams bei ihrem Comeback im Londoner Queen’s Club gleich gezeigt, dass manche Menschen selbst nach fast vier Jahren Pause besser Tennis spielen als andere nach einem ganzen Leben Training.
Die 44-jährige Amerikanerin gewann an der Seite der 19-jährigen Kanadierin Victoria Mboko ihr Doppel gegen die an Nummer drei gesetzten Erin Routliffe und Nicole Melichar-Martinez mit 7:6 (7:2), 6:2. Das Publikum feierte die Rückkehr einer der größten Spielerinnen aller Zeiten, während die Gegnerinnen vermutlich gehofft hatten, die lange Pause hätte zumindest ein paar Tennisschläge gelöscht. Fehlanzeige.
Warum sie zurückgekommen sei? Williams lieferte die vielleicht ehrlichste Comeback-Begründung der Sportgeschichte: „Ich hatte nichts Besseres zu tun. Mir wurde langweilig zu Hause.“ Andere Menschen beginnen in solchen Situationen mit Gartenarbeit oder puzzeln. Serena Williams meldet sich stattdessen für Profiturniere an.
Dabei sah der Start zunächst noch menschlich aus. Gleich den ersten Volley setzte sie ins Netz und gab damit allen Hobbyspielern kurz das Gefühl, vielleicht doch nicht so weit von einer Grand-Slam-Siegerin entfernt zu sein. Rund 90 Minuten später war diese Illusion wieder zerstört, als Williams mit Aufschlägen von bis zu 193 km/h und ihren gewohnt wuchtigen Grundschlägen den Sieg eintütete.
Besonders motiviert schien sie auch durch ihre Töchter Olympia und Adira, die das Match von der Tribüne verfolgten. Deren Analyse fiel allerdings deutlich nüchterner aus als jene der Tenniswelt. Laut Williams wollte die jüngere Tochter vor allem wissen, wann es endlich in den Spielzeugladen geht, während die ältere fragte, was es zum Abendessen gibt. Grand-Slam-Titel beeindrucken Kinder offenbar nur begrenzt.
Selbst ihre eigene Leistung bewertete Williams zurückhaltend. Auf die Frage nach einer Schulnote antwortete sie mit „Vielleicht eine Drei minus“. Für die meisten Profis wäre eine solche „Drei minus“ vermutlich immer noch Karrierehöhepunkt und Lebenswerk zugleich.
Wie es weitergeht, lässt die siebenfache Wimbledon-Siegerin offen. Ob sie auch in Wimbledon antritt oder sogar ins Einzel zurückkehrt, will sie später entscheiden. Bis dahin gilt: Serena Williams ist wieder da – und die Vorstellung, dass Sportlegenden irgendwann einfach verschwinden, wurde einmal mehr vertagt.
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