Startseite Allgemeines Kurzfazit vorab: Für Privatanleger wirkt Zazoon aktuell hochriskant – eher Spekulation als solides Investment.
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Kurzfazit vorab: Für Privatanleger wirkt Zazoon aktuell hochriskant – eher Spekulation als solides Investment.

Pacholek-cz (CC0), Pixabay
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Die Zazoon AG präsentiert sich im aktuellen Prospekt als wachstumsorientiertes Software-Unternehmen mit Ambitionen im Bereich Governance, Risk & Compliance (GRC). Auf den ersten Blick klingt das modern, zukunftsgerichtet und technologisch interessant. Doch wer den Prospekt genauer liest, stößt auf eine Reihe gravierender Warnsignale, die für Anleger kaum zu übersehen sind.

Denn hinter der Fassade eines börsenfähigen SaaS-Anbieters steht ein Unternehmen, das wirtschaftlich angeschlagen ist, regulatorisch bereits in problematischen Konstellationen auftauchte und dessen Aktienangebot eher den Charakter einer hochspekulativen Wette als eines soliden Investments trägt.

BaFin-Themen gab es nicht erst jetzt

Besonders brisant ist: Die aktuellen Diskussionen sind keineswegs aus dem Nichts entstanden. Der Prospekt selbst zeigt, dass es bereits in der Vergangenheit mehrere Berührungspunkte mit der deutschen Finanzaufsicht BaFin gab.

So wird ausdrücklich erwähnt, dass die BaFin bereits am 22. Juli 2024 den Verdacht hatte, dass Zazoon-Aktien in Deutschland ohne den erforderlichen Prospekt öffentlich angeboten worden sein könnten – konkret über Meier & Partner Vermögensverwaltung AG sowie PBT Consulting GmbH. Nach Darstellung von Zazoon habe man die beteiligten Firmen kontaktiert und entsprechende Zusicherungen eingeholt, um solche Aktivitäten zu beenden.

Doch damit nicht genug: Der Prospekt nennt außerdem weitere BaFin-Veröffentlichungen. Darunter eine Warnung vom 8. Januar 2025 zu Robaca Assets, die laut Prospekt ebenfalls Zazoon-Aktien in Deutschland angeboten haben soll, ohne dass dies von Zazoon autorisiert gewesen sei. Besonders heikel ist aber der Vorgang vom 17. April 2025: Hier verweist der Prospekt auf eine BaFin-Warnung gegen 2020 Management AG – also genau jene Gesellschaft, die im aktuellen Prospekt als Großaktionär und Verkäufer der angebotenen Aktien auftritt. Laut Prospekt habe BaFin veröffentlicht, dass 2020 Management AG deutschen Anlegern den Erwerb von Zazoon-Aktien ermöglicht habe, ohne erforderliche Autorisierung oder ohne veröffentlichten Prospekt nach deutschem Recht.

Das ist kein Randdetail, sondern ein zentraler Punkt: Der aktuelle Prospekt bestätigt also selbst, dass es bereits zuvor regulatorische Probleme im Zusammenhang mit dem Vertrieb von Zazoon-Aktien gab.

Ein bemerkenswerter Widerspruch

Noch problematischer wird es, wenn man den Prospekt weiterliest. Denn das aktuelle öffentliche Angebot der Aktien wird ausgerechnet von 2020 Management AG durchgeführt – also von jener Gesellschaft, die im Prospekt im Zusammenhang mit einer BaFin-Warnung genannt wird.

Der Prospekt erklärt ausdrücklich, dass 2.000.000 bestehende Aktien von 2020 Management AG öffentlich angeboten werden sollen. Die Angebotsstaaten umfassen unter anderem Deutschland, also genau den Markt, auf dem es bereits zuvor regulatorische Beanstandungen gegeben haben soll.

Zwar versucht Zazoon diesen Umstand zu entschärfen, indem argumentiert wird, das Risiko sei durch den nun vorliegenden Prospekt reduziert. Doch das ist letztlich eine Darstellung des Emittenten selbst – kein offizielles Entwarnungssignal einer Aufsichtsbehörde. Anleger sollten diesen Unterschied sehr genau verstehen.

Wirtschaftlich steht das Unternehmen auf wackeligen Beinen

Mindestens ebenso kritisch ist die wirtschaftliche Lage des Unternehmens.

Der Prospekt zeigt zwar ein wachsendes Umsatzniveau, aber auf sehr niedriger Basis. Laut den im Summary ausgewiesenen Zahlen erzielte Zazoon:

  • 2022: CHF 40.338 Umsatz
  • 2023: CHF 146.173 Umsatz
  • 2024: CHF 456.910 Umsatz
  • 1. Halbjahr 2025: CHF 227.164 Umsatz

Auf den ersten Blick mag das nach Wachstum aussehen. Doch das eigentliche Problem sind die Verluste – und die sind massiv.

Die Verluste betrugen laut Prospekt:

  • 2022: CHF 851.809
  • 2023: CHF 1.833.152
  • 2024: CHF 2.597.548
  • 30.06.2025: CHF 1.196.590 im Halbjahr

Das bedeutet: Das Unternehmen wächst zwar beim Umsatz, verbrennt aber gleichzeitig in erheblichem Umfang Geld. Die Verluste steigen schneller als die Erträge. Für ein junges Tech-Unternehmen ist das nicht ungewöhnlich – aber in Kombination mit den weiteren Risiken wird daraus ein ernstes Warnsignal.

Überschuldung und Zweifel an der Fortführung

Noch schwerer wiegt, dass der Prospekt offen von Überschuldung spricht.

Zazoon erklärt selbst, dass das Unternehmen sowohl zum 31. Dezember 2024 als auch zum 30. Juni 2025 überschuldet war. Nach Swiss Code of Obligations wird dies ausdrücklich als materielles Risiko beschrieben. Die im Prospekt genannten Werte sind deutlich:

  • Überschuldung per 31.12.2024: CHF 4.898.863
  • Überschuldung per 30.06.2025: CHF 1.886.942

Zwar hat sich die Lage durch Kapitalmaßnahmen rechnerisch verbessert, doch die Überschuldung war weiterhin vorhanden.

Zusätzlich heißt es im Prospekt, dass zum 31. Dezember 2024 die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte um CHF 4.446.186 überstiegen. Daraus resultiere eine „material uncertainty regarding the Issuer’s ability to continue as a going concern“ – also eine erhebliche Unsicherheit, ob das Unternehmen überhaupt in seiner jetzigen Form fortgeführt werden kann.

Das ist ein Satz, den Anleger niemals auf die leichte Schulter nehmen sollten.

Starke Abhängigkeit von einem dominierenden Machtzentrum

Auch die Governance-Struktur wirft Fragen auf.

Laut Prospekt ist 2020 Management AG nicht nur Großaktionär, sondern zugleich auch eine Art Schlüsselinfrastruktur des Unternehmens. Die Gesellschaft hält 69,80 Prozent der Aktien vor dem Angebot. Zudem wird Jerome Bischof als wirtschaftlich letztlich maßgeblicher Akteur beschrieben, der direkt und indirekt zusammen rund 78,44 Prozent kontrolliert.

Noch bemerkenswerter: Der Prospekt beschreibt, dass Zazoon keine eigenen Mitarbeiter hat und sich vollständig auf 2020 Management sowie externe Dienstleister für operative Funktionen stützt – einschließlich Management- und Finanzfunktionen.

Damit entsteht ein Machtgefüge, das für Minderheitsaktionäre problematisch sein kann:

  • Großaktionär
  • Verkäufer der Aktien
  • Kreditgeber
  • operativer Dienstleister
  • maßgeblicher Einfluss auf Management und Struktur

Der Prospekt nennt diese Konstellation selbst ein Konfliktpotenzial. Für Anleger ist das ein klassischer Governance-Risikofaktor.

Kein klassisches Börseninvestment

Wer bei einem öffentlichen Aktienangebot an eine normale, liquide Börsenaktie denkt, könnte sich täuschen.

Der Prospekt macht deutlich, dass eine Börsennotierung nicht garantiert ist. Es heißt lediglich, das Unternehmen könnte einen Antrag auf Zulassung zu einem regulierten Markt, MTF oder einer anderen Handelsplattform stellen. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist offen.

Hinzu kommen weitere Warnzeichen:

  • Kein Market Maker
  • Kein Lock-up
  • Verkauf bestehender Aktien statt frischer Kapitalaufnahme
  • Angebotspreis wird vom Board festgelegt und kann je nach Nachfrage angepasst werden

Das bedeutet praktisch:

  • Der Handel könnte illiquide sein
  • Ein späterer Ausstieg könnte schwierig werden
  • Der Preisbildungsmechanismus ist wenig transparent
  • Größere Altaktionäre könnten flexibler verkaufen

Für Privatanleger ist das eine ungünstige Mischung.

Die FMA-Genehmigung ist kein Gütesiegel

Oft wird bei solchen Angeboten mit der „Genehmigung des Prospekts“ geworben. Doch genau hier mahnt der Prospekt selbst zur Vorsicht.

Die FMA Liechtenstein hat den Prospekt zwar am 12. Februar 2026 gebilligt. Gleichzeitig wird aber ausdrücklich betont, dass diese Billigung kein Endorsement des Emittenten ist. Die Behörde prüft lediglich Vollständigkeit, Verständlichkeit und formale Konsistenz des Prospekts – nicht die wirtschaftliche Qualität des Geschäftsmodells oder die Solvenz des Unternehmens. Anleger sollen ausdrücklich selbst beurteilen, ob die Aktie für sie geeignet ist.

Mit anderen Worten:
Ein gebilligter Prospekt ist kein Qualitätssiegel.

Für wen ist dieses Investment überhaupt geeignet?

Die ehrliche Antwort lautet: Allenfalls für hochspekulative Anleger.

Wer in Zazoon investiert, setzt nicht auf ein etabliertes, profitables Unternehmen mit berechenbarem Chance-Risiko-Profil. Vielmehr investiert er in:

  • ein verlustreiches Unternehmen
  • mit dokumentierter Überschuldung
  • mit Going-Concern-Risiko
  • mit starker Abhängigkeit von einer dominierenden Gruppe
  • mit regulatorisch auffälliger Vertriebshistorie
  • und unklarer Marktliquidität

Das ist kein klassischer Vermögensaufbau. Das ist eine Sondersituation mit erheblichem Ausfallrisiko.

Für Anleger, die einen möglichen Totalverlust verkraften können und bewusst auf eine extrem riskante Turnaround- oder Venture-ähnliche Story setzen wollen, mag das theoretisch in Betracht kommen. Für den durchschnittlichen Privatanleger ist dieses Papier jedoch kaum geeignet.

Fazit

Der Zazoon-Prospekt liefert selbst die entscheidenden Warnhinweise: Frühere BaFin-Bezüge rund um den Vertrieb der Aktie, massive Verluste, dokumentierte Überschuldung, erhebliche Zweifel an der Unternehmensfortführung und eine Governance-Struktur mit klaren Interessenkonflikten.

Natürlich kann es theoretisch gelingen, dass Zazoon operativ wächst, neue Kunden gewinnt und sich stabilisiert. Doch Stand heute überwiegen aus Anlegersicht die Risiken deutlich. Wer dieses Angebot zeichnet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er nicht in eine gewöhnliche Aktie investiert, sondern in ein hochspekulatives Konstrukt mit erheblichen Unsicherheiten.

Für normale Privatanleger wirkt dieses Angebot daher weniger wie eine Chance – und deutlich mehr wie ein Warnsignal.

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