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Kommentar: Volkswagen zahlt den Preis jahrelanger Fehlentwicklungen – und die IG Metall trägt Mitverantwortung

Leonhard_Niederwimmer (CC0), Pixabay
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Der mögliche Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen bei Volkswagen wäre ein Einschnitt historischen Ausmaßes. Werke stehen auf der Kippe, Modellreihen sollen gestrichen werden und der Konzern muss sich grundlegend neu aufstellen. Die Schuld allein dem Management zuzuschieben, greift jedoch zu kurz. Auch die Arbeitnehmerseite muss sich kritischen Fragen stellen.

Über viele Jahre galt Volkswagen als Musterbeispiel deutscher Industrie. Doch gleichzeitig entwickelte sich ein Kostenapparat, der im internationalen Wettbewerb immer schwerer tragbar wurde.

Dazu gehörten nicht nur strategische Fehlentscheidungen des Managements und eine aus heutiger Sicht oft zögerliche Reaktion auf den Wandel zur Elektromobilität. Auch die Tarifpolitik spielte aus Sicht vieler Beobachter eine wichtige Rolle.

Die IG Metall setzte über Jahrzehnte hohe Löhne, umfangreiche Zusatzleistungen und weitreichende Beschäftigungssicherungen durch. Für die Beschäftigten war dies zweifellos ein großer Erfolg. Gleichzeitig stiegen dadurch jedoch die Personalkosten kontinuierlich an.

Während Wettbewerber – insbesondere aus Asien – ihre Fahrzeuge deutlich günstiger produzieren konnten, blieb Volkswagen an einem Kostenmodell hängen, das zunehmend schwer mit der internationalen Konkurrenz vereinbar war.

Viele Beschäftigte bei Volkswagen verdienten über Jahre hinweg deutlich mehr als Arbeitnehmer in vergleichbaren Industriebetrieben. Hinzu kamen zahlreiche tarifliche Zusatzleistungen, Prämien, Sonderzahlungen und umfangreiche soziale Absicherungen. All dies war finanzierbar, solange Absatz und Gewinne stimmten.

Doch Märkte verändern sich.

Heute konkurriert Volkswagen nicht mehr nur mit europäischen Herstellern, sondern zunehmend mit chinesischen Unternehmen, die schneller entwickeln, günstiger produzieren und ihre Fahrzeuge oftmals zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten.

Nun wird sichtbar, was viele Ökonomen seit Jahren kritisieren: Ein dauerhaft hohes Kostenniveau lässt sich nicht unbegrenzt aufrechterhalten, wenn Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit nicht im gleichen Maße steigen.

Wenn die IG Metall die aktuellen Sparpläne nun als „Frontalangriff“ bezeichnet, blendet sie aus Sicht des Autors einen Teil der eigenen Verantwortung aus. Wer über Jahrzehnte immer höhere Löhne, zusätzliche Leistungen und Beschäftigungsgarantien durchsetzt, muss sich auch der Frage stellen, ob dieses Modell langfristig tragfähig war.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass allein die Gewerkschaft für die heutige Situation verantwortlich wäre. Ebenso tragen Management und Aufsichtsrat Verantwortung – etwa für strategische Fehlentscheidungen, verspätete Reaktionen auf technologische Veränderungen und teilweise kostspielige Konzernstrukturen.

Die aktuelle Krise ist daher das Ergebnis mehrerer Faktoren: einer schwierigen Marktentwicklung, zunehmender internationaler Konkurrenz, strategischer Fehler des Managements und eines über Jahre gewachsenen Kostenapparats.

Fest steht: Der angekündigte Stellenabbau wäre für tausende Beschäftigte ein schwerer Einschnitt. Für viele Familien steht die wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel.

Gerade deshalb sollte die Debatte ehrlich geführt werden. Wer jetzt ausschließlich das Management kritisiert, greift ebenso zu kurz wie jene, die nur die Gewerkschaften verantwortlich machen.

Volkswagen steht heute vor den Scherben eines Systems, das über Jahrzehnte erfolgreich war – dessen wirtschaftliche Grundlagen sich jedoch grundlegend verändert haben. Die eigentliche Herausforderung besteht nun darin, wieder wettbewerbsfähig zu werden, ohne dabei den industriellen Kern des Unternehmens vollständig zu zerstören.

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