Manchmal fragt man sich wirklich, ob einige Strategen in der CDU heimlich alte Wahlkampfhandbücher der SPD aus dem Keller geholt haben.
Die SPD hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll vorgemacht, wie man Stammwähler verunsichert, die eigene Basis verärgert und anschließend überrascht auf fallende Umfragewerte blickt.
Offenbar hat man in Teilen der CDU diese Entwicklung aufmerksam studiert und sich gedacht:
„Das sieht interessant aus. Das probieren wir auch einmal.“
Während die Wirtschaft über Standortprobleme klagt, die Bürger über steigende Abgaben diskutieren und der Mittelstand immer lauter Alarm schlägt, gewinnt man zunehmend den Eindruck, dass die CDU krampfhaft versucht, es möglichst niemandem recht zu machen – außer vielleicht den politischen Beratern.
Die Folge ist bekannt: Wer alle ansprechen will, spricht am Ende niemanden mehr an.
Die SPD kann davon ganze Bücher schreiben.
Besonders bemerkenswert ist dabei die politische Kommunikation. Viele Wähler haben inzwischen Schwierigkeiten zu erkennen, wo eigentlich noch die großen Unterschiede zwischen CDU und SPD liegen sollen. Manchmal wirkt es, als würden beide Parteien denselben Text lesen – nur mit unterschiedlichen Parteilogos auf dem Briefpapier.
Natürlich steht die CDU in den Umfragen aktuell noch deutlich besser da als die Sozialdemokraten. Aber Politik ist ein Geduldsspiel.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob die CDU heute vor der SPD liegt.
Die entscheidende Frage lautet:
Wie lange dauert es noch, bis die CDU denselben Weg einschlägt?
Wenn man die Sorgen vieler Bürger weiter ignoriert, wirtschaftliche Probleme kleinredet und jede Kritik reflexartig wegmoderiert, könnte die Antwort schneller kommen, als manchen Parteistrategen lieb ist.
Die SPD hat vorgemacht, wie man Vertrauen verspielt.
Die CDU sollte sich gut überlegen, ob sie diese Erfolgsgeschichte wirklich kopieren möchte.
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