Vor seinem ersten DFB-Kader setzt Jürgen Klopp deutliche Zeichen – ein Treffen mit Deniz Undav sorgt für Aufsehen, Leroy Sané soll fehlen und Joshua Kimmich eine zentrale Rolle erhalten
Jürgen Klopp hat seinen ersten Kader als Bundestrainer noch nicht offiziell präsentiert – doch bereits vorher zeichnet sich ab, dass der 59-Jährige beim Neustart der deutschen Nationalmannschaft keine Rücksicht auf große Namen nehmen will.
Besonders überraschend: Deniz Undav soll bei den kommenden Nations-League-Spielen nicht zum deutschen Aufgebot gehören. Auch der 80-malige Nationalspieler Leroy Sané soll zunächst außen vor bleiben. Ganz anders sieht es bei Joshua Kimmich aus: Der Bayern-Profi soll unter Klopp zu einem zentralen Führungsspieler werden.
Damit sendet der neue Bundestrainer bereits vor seinem ersten Spiel eine klare Botschaft: Vergangene Verdienste garantieren offenbar keinen Platz.
Geheimtreffen zwischen Klopp und Undav
Besonders bemerkenswert ist die Personalie Deniz Undav.
Der 30 Jahre alte Stürmer des VfB Stuttgart gehört dort zu den Führungsspielern und hat auch im Nationaltrikot eine bemerkenswerte Bilanz vorzuweisen: neun Tore in 13 Länderspielen.
Trotzdem soll Klopp für die bevorstehenden Nations-League-Partien zunächst auf ihn verzichten.
Nach Medienberichten wurde Undav persönlich über die Entscheidung informiert. BILD berichtet darüber hinaus von einem Treffen zwischen Klopp und dem Stürmer in Stuttgart.
Dass der Bundestrainer offenbar das persönliche Gespräch gesucht hat, spricht zumindest dafür, dass Undav nicht einfach abgeschrieben werden soll.
Die Entscheidung dürfte vielmehr als sportliches Signal verstanden werden: Klopp beginnt seine Amtszeit mit einem offenen Konkurrenzkampf.
Undavs Zahlen machen die Entscheidung interessant
Gerade Undavs bisherige Bilanz für Deutschland macht seinen Verzicht auffällig.
13 Länderspiele, neun Tore – statistisch hat sich der VfB-Stürmer wenig zuschulden kommen lassen.
Auch bei der Weltmeisterschaft traf er dreimal als Einwechselspieler.
In der laufenden Vereinssaison sieht die Lage allerdings anders aus. Undav wartet bislang auf ein Tor, steuerte für Stuttgart aber bereits vier Vorlagen bei.
Klopp scheint deshalb nicht ausschließlich danach zu entscheiden, was ein Spieler in der Vergangenheit für die Nationalmannschaft geleistet hat.
Für den Angriff werden stattdessen andere Namen gehandelt. Besonders Younes Ebnoutalib von Eintracht Frankfurt könnte zu den Überraschungen des ersten Klopp-Kaders gehören.
Auch Leroy Sané soll fehlen
Noch deutlicher wäre das Signal bei Leroy Sané.
Der Flügelspieler hat bereits 80 Länderspiele absolviert und dabei 18 Tore erzielt. Trotzdem soll er nach Medienberichten bei Klopps erstem Aufgebot nicht berücksichtigt werden.
Sané spielt inzwischen für Galatasaray Istanbul. Sein Saisonstart verlief bislang durchwachsen.
Sollte Klopp tatsächlich auf ihn verzichten, wäre das mehr als eine gewöhnliche Kaderentscheidung.
Es wäre ein deutliches Zeichen dafür, dass der neue Bundestrainer nach dem enttäuschenden WM-Abschneiden personell neu beginnen möchte.
Der Name allein reicht dann nicht mehr.
Kimmich dagegen wird noch wichtiger
Während Undav und Sané zunächst um ihren Platz kämpfen müssen, soll Joshua Kimmich eine Schlüsselrolle im neuen DFB-Team übernehmen.
Dabei geht es nicht nur um seine Bedeutung als Führungsspieler.
Klopp plant Medienberichten zufolge wieder stärker mit Kimmich im zentralen Mittelfeld.
Das wäre eine wichtige taktische Entscheidung.
Unter Julian Nagelsmann musste Kimmich immer wieder als Rechtsverteidiger aushelfen. Klopp scheint ihn dagegen dort einsetzen zu wollen, wo er das Spiel stärker organisieren und beeinflussen kann.
Kimmich könnte damit zum verlängerten Arm des neuen Bundestrainers auf dem Platz werden.
Auch die Kapitänsfrage spricht für seine herausgehobene Stellung. Kimmich führte Deutschland bereits bei der WM als Kapitän aufs Feld und soll nach den bislang vorliegenden Berichten weiterhin zum Führungskern gehören.
Klopp sucht seine eigene Nationalmannschaft
Die ersten Personalentscheidungen zeigen vor allem eines:
Klopp übernimmt nicht einfach die Mannschaft seines Vorgängers und verändert ein paar Positionen.
Er beginnt offenbar damit, seine eigene Hierarchie aufzubauen.
Das passt zu dem Fußball, für den Klopp während seiner Vereinskarriere bekannt wurde: hohe Intensität, Tempo, aggressives Pressing und eine Mannschaft, bei der die Rollen klar verteilt sind.
Dafür benötigt er möglicherweise andere Spielertypen als sein Vorgänger.
Deshalb könnten neben bekannten Nationalspielern auch mehrere neue Gesichter eine Chance erhalten.
Bis zu vier Spiele in elf Tagen
Viel Zeit für Experimente bleibt Klopp allerdings nicht.
Am 24. September wartet in Amsterdam gegen die Niederlande bereits sein erstes Länderspiel als Bundestrainer.
Drei Tage später folgt in Augsburg das Heimspiel gegen Griechenland.
Am 1. Oktober spielt Deutschland in München gegen Serbien, bevor am 4. Oktober das Rückspiel gegen Griechenland in Thessaloniki ansteht.
Vier Länderspiele innerhalb weniger Tage – und das mit einer Mannschaft, die unter einem neuen Trainer auch taktisch neu beginnen soll.
Klopp muss deshalb einen ungewöhnlich großen Kader zusammenstellen und gleichzeitig möglichst schnell eine Stammformation finden.
Die erste Klopp-Botschaft ist bereits angekommen
Noch bevor der endgültige Kader veröffentlicht ist, lässt sich deshalb eine erste Linie erkennen.
Kimmich soll Verantwortung übernehmen. Sané muss offenbar neu um seinen Platz kämpfen. Und selbst ein Stürmer mit neun Toren in 13 Länderspielen wie Undav besitzt keine automatische Stammkarte.
Gerade das persönliche Gespräch zwischen Klopp und Undav ist dabei interessant.
Es wäre falsch, die Nicht-Nominierung automatisch als endgültiges Aus des Stuttgarters zu interpretieren. Vielmehr könnte Klopp ihm sehr konkret erklärt haben, was er künftig von ihm erwartet.
Genau darin könnte die eigentliche Bedeutung dieser Personalentscheidung liegen.
Klopp verteilt beim DFB offenbar keine lebenslangen Eintrittskarten.
Wer dabei sein will, muss sich neu empfehlen.
Am Donnerstag um 10 Uhr wird der Bundestrainer seinen ersten Kader offiziell vorstellen. Dann wird sich zeigen, wie groß der personelle Umbruch tatsächlich ausfällt.
Doch schon jetzt steht fest: Die Komfortzone in der deutschen Nationalmannschaft dürfte unter Jürgen Klopp ziemlich klein werden.
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