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FBI nimmt deutschen Unternehmer Wanja Oberhof fest – das steckt hinter den schweren Vorwürfen

RichardBarboza (CC0), Pixabay
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Vom Berliner Startup-Gründer zum Angeklagten in New York: Wanja Sören Oberhof galt jahrelang als erfolgreicher Serienunternehmer und Investor. Nun beschuldigt ihn die US-Justiz, einen Geldgeber um mehr als zwei Millionen Dollar betrogen zu haben. Verurteilt ist der 40-Jährige bislang nicht.

Der deutsche Unternehmer Wanja Oberhof ist in den USA festgenommen und einem Bundesgericht in New York vorgeführt worden. Die Staatsanwaltschaft des Southern District of New York wirft ihm Überweisungsbetrug, in den USA „Wire Fraud“ genannt, vor. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm theoretisch bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Nach Angaben des US-Justizministeriums soll Oberhof einen Geschäftsmann dazu gebracht haben, 2,5 Millionen Dollar in ein Unternehmen aus dem Umfeld der Wellnessfirma The Healing Company zu investieren. Dabei soll er falsche Angaben über die geplante Verwendung des Geldes gemacht haben.

Wer ist Wanja Oberhof?

Oberhof stammt aus der deutschen Startup-Szene. Nach eigenen biografischen Angaben gründete er bereits mit 14 Jahren eine Veranstaltungsagentur. Größere Bekanntheit erlangte er später mit dem Projekt „Niiu“. Die Idee: Leser sollten sich eine individuelle Tageszeitung aus Beiträgen verschiedener Medien zusammenstellen können.

Es folgten zahlreiche weitere Beteiligungen und Gründungen. Oberhof war unter anderem Mitgründer des sogenannten Company Builders Bridgemaker und baute das Onlinehandelsunternehmen Lumaland auf. Dieses wurde 2019 mit der britischen Social-Media-Firma Social Chain zusammengeführt.

Oberhof übernahm anschließend gemeinsam mit dem britischen Unternehmer und späteren Podcast-Star Steven Bartlett eine führende Rolle bei der börsennotierten The Social Chain AG. Das Unternehmen vermarktete Produkte über soziale Netzwerke und wurde in Deutschland auch durch die Beteiligung der aus der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ bekannten Unternehmer Georg Kofler und Ralf Dümmel bekannt. Noch 2022 trat Oberhof als Vorstandschef öffentlich auf und erklärte in einem Interview mit ntv das Geschäftsmodell des Konzerns.

Ende 2022 kündigte er seinen Rückzug aus dem Vorstand an. Im darauffolgenden Jahr geriet Social Chain in eine schwere wirtschaftliche Krise und stellte einen Insolvenzantrag. Oberhof war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Vorstandsvorsitzender.

Millionen angeblich zweckentfremdet

Im aktuellen Strafverfahren geht es nicht um Social Chain, sondern um The Healing Company. Das US-Unternehmen sollte Beteiligungen an Firmen aus den Bereichen Gesundheit und Wellness erwerben. Oberhof war Mitgründer und zeitweise Geschäftsführer.

Laut der Strafanzeige versprach er einem bislang nicht namentlich genannten Investor, ein wesentlicher Teil von dessen 2,5 Millionen Dollar werde zur Ablösung von Schulden verwendet. Diese Schulden hätten einen wertvollen Vermögenswert der Unternehmensgruppe belastet.

Die Staatsanwaltschaft behauptet jedoch, Oberhof habe den größten Teil des Geldes für andere Zwecke abgezweigt. Rund 25.000 Dollar sollen in die Miete seines New Yorker Luxus-Penthouses geflossen sein. Die Wohnung soll fast 20.000 Dollar monatlich gekostet haben.

Weitere 57.000 Dollar seien nach Darstellung der Ermittler zur Rückzahlung eines privaten Darlehens verwendet worden. Mehr als 1,8 Millionen Dollar soll Oberhof schließlich auf ein von ihm kontrolliertes ausländisches Bankkonto überwiesen haben.

Manipulierte Unterlagen sollen den Geldfluss verschleiert haben

Besonders schwer wiegt der Vorwurf, Oberhof habe Unterlagen nachträglich verändert. Mit diesen Dokumenten soll gegenüber dem Investor und weiteren Personen der Eindruck erweckt worden sein, das Kapital sei wie vereinbart eingesetzt worden.

Die unveränderten Unterlagen hätten nach Auffassung der Ermittler dagegen erkennen lassen, wohin das Geld tatsächlich geflossen sei. US-Staatsanwalt Jamie McDonald wirft Oberhof deshalb vor, den Investor mit einem konkreten geschäftlichen Versprechen zur Zahlung bewegt und anschließend einen erheblichen Teil des Kapitals zum eigenen Vorteil verwendet zu haben.

Die Ermittlungen werden von der New Yorker FBI-Niederlassung geführt. Zuständig ist innerhalb der Staatsanwaltschaft die Abteilung für komplexe Betrugs- und Cyberkriminalität.

Zuletzt Chef eines Blockchain-Unternehmens

Auch nach seinem Ausscheiden bei Social Chain blieb Oberhof geschäftlich aktiv. Im Juni 2026 wurde er zum Geschäftsführer von Subsquid Labs beziehungsweise SQD berufen. Das Unternehmen entwickelt eine Dateninfrastruktur für Blockchain- und KI-Anwendungen und stellte Oberhof bei seiner Ernennung als erfahrenen Unternehmer mit Kapitalmarktexpertise vor.

Damit reicht seine Karriere von personalisierten Zeitungen über Onlinehandel und Social-Media-Marketing bis zu Wellnessbeteiligungen und Blockchain-Technologie. Genau diese Vorgeschichte erklärt, warum in deutschen Berichten von einem „Star-Unternehmer“ die Rede ist.

Ob sich die Vorwürfe bestätigen, muss nun ein Gericht entscheiden. Bislang handelt es sich ausschließlich um Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft. Für Wanja Oberhof gilt die Unschuldsvermutung.

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