Younes Ebnoutalib im DFB-Kader: Junge, was für eine Geschichte!
Es gibt Fußballgeschichten, die kann man nicht erfinden.
Und dann gibt es Younes Ebnoutalib.
Lieber Younes, als Eintracht-Fan kann man da eigentlich nur sagen:
Herzlichen Glückwunsch! Du hast dir diesen Moment verdient!
Mit gerade einmal 23 Jahren erstmals für die deutsche Nationalmannschaft nominiert. Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp holt dich in seinen Kader für die ersten vier Nations-League-Spiele – und plötzlich steht da als mögliche nächste Station:
Deutschland. Nationalmannschaft. Oranje. 24. September.
Man muss sich das wirklich einmal auf der Zunge zergehen lassen.
Denn vor etwas mehr als zwei Jahren lautete die Karriereplanung noch nicht DFB, Bundesliga oder Eintracht Frankfurt.
Da lautete die Frage eher:
Wie geht es überhaupt weiter?
Vor zwei Jahren ohne Verein – heute Nationalspieler
Anfang 2024 war Ebnoutalib vereinslos.
Der Vertrag beim AC Perugia war beendet, gleichzeitig musste er eine Fußverletzung auskurieren.
800 Euro im Monat soll er damals zum Leben gehabt haben. 450 Euro davon gingen für die Miete drauf. Untergebracht war er mit rund zehn anderen jungen Leuten in einfachen Verhältnissen.
Kein Bundesliga-Gehalt.
Kein Adler auf der Brust.
Keine Nationalmannschaft.
Kein Jürgen Klopp, der beim Training vorbeischaut.
Stattdessen Ungewissheit.
Und genau deshalb ist diese Geschichte so großartig.
Denn Younes hat offenbar nicht gesagt:
„Das war’s.“
Er hat weitergemacht.
Gießen, Elversberg, Frankfurt – und jetzt Deutschland
Dann kam der FC Gießen.
Regionalliga.
Vierte Liga.
Für viele Profis wäre das nach Stationen im Ausland vielleicht als Rückschritt empfunden worden.
Für Ebnoutalib wurde es zum Neustart.
Nur ein halbes Jahr später ging es zur SV Elversberg. Ablöse laut Bericht: gerade einmal rund 10.000 Euro.
Was danach passierte, liest sich heute wie ein Lehrbuchkapitel mit der Überschrift:
„Manchmal sollte man einen Spieler nicht nach seinem Preisschild beurteilen.“
In Elversberg explodierte seine Entwicklung.
Tore, Tore, Tore.
Allein in der Hinrunde der vergangenen Saison: zwölf Treffer in 17 Spielen.
Ebnoutalib wurde zu einem wichtigen Faktor beim Aufstieg.
Und plötzlich klopfte die Bundesliga an.
Acht Millionen Euro – zurück nach Hause
Im Januar 2026 kam der nächste gewaltige Schritt.
Eintracht Frankfurt holte den gebürtigen Frankfurter zurück in seine Heimat.
Aus den rund 10.000 Euro Ablöse beim Wechsel nach Elversberg waren innerhalb erstaunlich kurzer Zeit rund acht Millionen Euro geworden.
Und natürlich lief auch danach nicht alles glatt.
Nach einem starken Start und einem Treffer gegen Dortmund kam die nächste bittere Unterbrechung: Innenbandanriss im Knie, lange Pause, fast die komplette Rückrunde verpasst.
Wieder hätte man zweifeln können.
Kann er nach der Verletzung sofort wieder mithalten?
Reicht es wirklich dauerhaft für die Bundesliga?
War der rasante Aufstieg vielleicht doch etwas zu schnell?
Die Antwort gab Ebnoutalib auf dem Platz.
Drei Tore zum Bundesliga-Auftakt
Erstes Ligaspiel der neuen Saison.
Union Berlin.
Und was macht Younes?
Dreierpack.
Natürlich.
Andere Spieler brauchen nach einer langen Verletzung erst einmal ein paar Wochen, um wieder ihren Rhythmus zu finden.
Younes Ebnoutalib offenbar:
„Drei Stück zum Einstand müssten reichen.“
Eine Woche später bereitete er gegen Augsburg den Treffer von Jonathan Burkardt vor.
Und irgendwo dürfte Jürgen Klopp inzwischen ziemlich genau hingeschaut haben.
Der Bundestrainer war zwischen diesen Partien beim Training der Eintracht, sprach persönlich mit Ebnoutalib – und nun folgt die Belohnung:
DFB-Kader!
Und dann verplappert er sich auch noch
Perfekt wäre die Geschichte allerdings nicht, wenn es nicht noch eine kleine Ebnoutalib-Pointe gäbe.
Die offizielle Bekanntgabe durch Klopp stand noch aus, da wurde Younes am Dienstagabend von Fans in einem Einkaufszentrum angesprochen.
Und offenbar war die Freude etwas größer als die Geheimhaltungspflicht.
Er bestätigte seine Berufung einfach selbst.
Hoppla.
Erste Nominierung für Deutschland – und schon vor dem Bundestrainer die Aufstellung verraten.
Nationalmannschaft kann man eben trainieren. Geheimdienst muss man lernen.
Aber ganz im Ernst:
Wer will es ihm verdenken?
Vor zwei Jahren sitzt du ohne Verein da und weißt nicht, wie deine Karriere weitergeht.
Zwei Jahre später fragt dich jemand im Einkaufszentrum:
„Stimmt das mit der Nationalmannschaft?“
Da soll ein 23-Jähriger ernsthaft antworten:
„Dazu äußere ich mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.“
Vergiss es.
Ich hätte vermutlich durchs Einkaufszentrum gebrüllt:
ICH FAHRE ZUM DFB!
Lieber Younes: Genieß diesen Moment!
Natürlich bedeutet eine Nominierung noch keine Stammplatzgarantie.
Bei Eintracht steht mit Jonathan Burkardt starke Konkurrenz bereit. Zuletzt saß Ebnoutalib beim 3:1 in Mainz zunächst draußen, nachdem Trainer Adi Hütter sein System umgestellt hatte.
Aber genau das gehört dazu.
Denn dieser Junge hat in den vergangenen Jahren bereits gezeigt, dass er mit Rückschlägen umgehen kann.
Vereinslosigkeit.
Verletzungen.
Regionalliga.
Zweite Liga.
Bundesliga.
Und jetzt:
Nationalmannschaft.
Als Eintracht-Fan muss man bei dieser Geschichte nicht lange überlegen.
Man kann einfach nur gratulieren.
Nicht weil dir jemand etwas geschenkt hätte.
Sondern weil du dir diese Chance auf einem bemerkenswerten Weg erarbeitet hast.
Von Frankfurt nach Deutschland
Und vielleicht ist das Schönste an der ganzen Geschichte:
Ebnoutalib musste weit gehen, um am Ende wieder dort anzukommen, wo alles begann.
Geboren in Frankfurt.
Über Italien, Gießen und Elversberg zurück zur Eintracht.
Und jetzt trägt der Frankfurter Junge vielleicht schon bald den Adler nicht nur auf dem Vereins-, sondern auch auf dem Nationaltrikot.
Lieber Younes:
Herzlichen Glückwunsch zur ersten Berufung in die deutsche Nationalmannschaft!
Bleib hungrig.
Bleib bodenständig.
Mach weiter deine Tore.
Und wenn Jürgen Klopp dir künftig etwas Vertrauliches erzählt:
Vielleicht nicht gleich im Einkaufszentrum weitererzählen.
Aber auch dafür lieben wir solche Geschichten.
Von 800 Euro im Monat zum DFB-Kader.
Von der Vereinslosigkeit zur Nationalmannschaft.
Vom Regionalligaspieler zum Eintracht-Star.
Was für ein Weg. Was für ein Märchen. Was für ein Grund zur Freude.
Und jetzt, Younes:
Hol dir dein erstes Länderspiel!
Ein Eintracht-Fan gratuliert von Herzen.
Forza SGE – und herzlichen Glückwunsch, Younes!
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