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Kleine Insel, große Gefahr: Perim wird zum neuen Brennpunkt im Nahen Osten

Julius_Silver (CC0), Pixabay
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Eine karge Insel aus Sand und Fels rückt plötzlich ins Zentrum der Weltpolitik. Perim, auch Mayyun genannt, liegt mitten in der Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden. Was auf den ersten Blick wie ein weitgehend bedeutungsloser Flecken Erde aussieht, könnte im eskalierenden Konflikt rund um Iran, Saudi-Arabien und die Huthi-Miliz zu einem strategischen Schlüsselpunkt werden.

Die Lage macht Perim so wertvoll. An der engsten Stelle des Bab al-Mandab liegen die arabische Halbinsel und das Horn von Afrika nur rund zwölf Meilen voneinander entfernt. Schon das britische Empire nutzte die Insel einst als Kohlenstation für Schiffe auf dem Weg nach Indien. Heute geht es nicht mehr um Kohle, sondern um Öl, Handelsschiffe, Drohnen und Raketen.

Die Bedeutung der Route ist zuletzt noch größer geworden. Nachdem die Straße von Hormus infolge des Krieges mit Iran weitgehend blockiert wurde, leitete Saudi-Arabien einen Teil seiner Ölexporte über das Rote Meer um. Damit wurde Bab al-Mandab zu einer noch wichtigeren Alternative für internationale Energielieferungen.

Genau dort erhöhen nun die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen den Druck. Nach Angaben regionaler Quellen versuchen sie, ihre Position entlang der jemenitischen Westküste auszubauen. Besonders umkämpft ist die Hafenstadt Mocha, rund 80 Kilometer nördlich von Perim. Sollte es den Huthis gelingen, auch die Insel unter ihre Kontrolle zu bringen, könnten sie den Schiffsverkehr durch die Meerenge noch unmittelbarer bedrohen.

Tarik Saleh, Vizepräsident der international anerkannten jemenitischen Regierung und militärischer Kommandeur, warnt vor den Folgen. Nach seiner Einschätzung würde eine Einnahme Perims durch die Huthis eine massive internationale Militärpräsenz erforderlich machen, um die Kontrolle über die Meerenge zurückzugewinnen. Saleh beklagt zugleich, dass seine Seite bislang kaum konkrete Unterstützung aus den USA erhalte.

Der seit 2014 andauernde Bürgerkrieg im Jemen bekommt damit eine zunehmend internationale Dimension. Die Huthis kontrollieren die Hauptstadt Sanaa, große Teile des Nordwestens und weite Abschnitte der Küste am Roten Meer. Die international anerkannte Regierung und verbündete Gruppen halten dagegen vor allem Gebiete im Süden und Osten. Rund 22 Millionen Menschen sind nach Angaben im Bericht auf humanitäre Hilfe angewiesen.

In den vergangenen Jahren haben die Huthis ihre militärischen Fähigkeiten stark ausgebaut. Sie griffen Schiffe im Roten Meer an, feuerten Raketen in Richtung Israel und attackierten zuletzt auch Ziele in Saudi-Arabien. Nach Angaben jemenitischer Regierungsvertreter verfügen sie über weitreichende Raketen, Drohnen und moderne Systeme zur Bekämpfung von Schiffen und Flugzeugen.

Die jemenitische Regierung wiederum wirft Iran vor, die Huthis weiterhin mit Waffen und militärischer Technologie zu versorgen. CNN wurde ein abgefangenes Waffenlager gezeigt, in dem sich nach Angaben der Regierung unter anderem große Raketen, Radarsysteme, Drohnenmotoren und optische Geräte befanden. Die Ausrüstung soll als zivile Ware getarnt gewesen sein. Unabhängig überprüfen lassen sich sämtliche Angaben zu Herkunft und Umfang dieser Lieferungen nicht.

Schon jetzt hat die Eskalation wirtschaftliche Folgen. Vor rund drei Jahren liefen nach Angaben des Berichts noch etwa zehn Prozent des weltweiten seegestützten Ölhandels durch Bab al-Mandab. Dieses Volumen soll sich inzwischen ungefähr halbiert haben. Eine länger andauernde Huthi-Offensive könnte den Schiffsverkehr weiter zurückdrängen und damit auch Energiepreise und internationale Lieferketten belasten.

Besonders hart trifft der Konflikt die Menschen vor Ort. Fischer berichten, dass immer weniger Schiffe unterwegs seien und ihr Geschäft zusammenbreche. Der Hafen von Mocha wurde bei einem Angriff im August schwer beschädigt. Nach Angaben des Hafendirektors kamen dabei 16 Menschen ums Leben, 22 wurden verletzt, mehrere Handelsschiffe sanken.

Damit wird aus einer kleinen, auf Landkarten leicht zu übersehenden Insel plötzlich ein geopolitischer Schlüsselpunkt.

Wer Perim kontrolliert, sitzt unmittelbar an einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Und sollte sich der Kampf um die Insel weiter zuspitzen, könnte aus dem jemenitischen Bürgerkrieg endgültig ein Konflikt werden, dessen wirtschaftliche und militärische Folgen weit über die Region hinausreichen.

Perim ist klein.

Seine strategische Bedeutung ist es längst nicht mehr.

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