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Kinderwunsch im Netz: Experten warnen vor fragwürdigen Fruchtbarkeits-Hacks für Männer

Dragon77 (CC0), Pixabay
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Eisbeutel auf den Hoden, tägliche Saunagänge, Rotlichttherapie oder sogar Blutspenden gegen Mikroplastik – auf Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube verbreiten sich immer mehr vermeintliche Methoden zur Steigerung der männlichen Fruchtbarkeit. Fachleute begrüßen zwar das wachsende Interesse an dem Thema, warnen jedoch eindringlich vor wissenschaftlich nicht belegten Empfehlungen und teilweise sogar gesundheitsgefährdenden Praktiken.

Der 28-jährige Simon aus Miami gehört zu den Männern, die ihre Fruchtbarkeit mit einem strengen Gesundheitsprogramm schützen wollen. Jeden Morgen beginnt er seinen Tag in der Sauna – mit einem Kühlpack auf den Hoden. Hinzu kommen regelmäßiger Sport, Sonnenlicht, ausschließlich gefiltertes Wasser und Baumwollunterwäsche. Den Anstoß für diese Routine erhielt er über soziale Medien.

Influencer schüren Sorgen

Unter Hashtags wie #malefertility, #sperm oder #semenanalysis erreichen Beiträge zur männlichen Fruchtbarkeit inzwischen Hunderte Millionen Aufrufe. Zahlreiche Influencer behaupten, die Spermienqualität nehme weltweit dramatisch ab, und bieten gleichzeitig Nahrungsergänzungsmittel, Online-Kurse oder individuelle Beratungen an.

Besonders große Reichweite erzielt der US-Unternehmer Bryan Johnson, der mit seinen Programmen zur Lebensverlängerung bekannt wurde. Er wirbt unter anderem für Saunagänge mit anschließender Kühlung der Hoden und verkauft über seine Plattform verschiedene Nahrungsergänzungsmittel. Wissenschaftliche Belege für einen deutlichen Nutzen dieser Maßnahmen gibt es bislang jedoch nicht.

Was tatsächlich hilft

Dass Hitze die Spermienqualität beeinträchtigen kann, ist medizinisch bekannt. Auch Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel gelten als Risikofaktoren für eine eingeschränkte Fruchtbarkeit. Viele der im Internet propagierten Maßnahmen gehen jedoch weit über den aktuellen Stand der Forschung hinaus.

Professor Channa Jayasena, Reproduktionsmediziner am Imperial College London, empfiehlt stattdessen bewährte Maßnahmen: ein gesundes Körpergewicht, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und den Verzicht auf Nikotin. Diese Veränderungen hätten den größten nachgewiesenen Einfluss auf die Fruchtbarkeit.

Gefährliche Selbstmedikation

Besonders kritisch sehen Experten den leichtfertigen Umgang mit Hormonpräparaten. In sozialen Netzwerken werden sogenannte „Fertility Stacks“ beworben – Kombinationen verschiedener Medikamente wie HCG oder HMG, die ursprünglich für medizinische Behandlungen entwickelt wurden.

Diese Präparate können ohne ärztliche Überwachung erhebliche Nebenwirkungen verursachen, darunter Blutgerinnsel, hormonelle Störungen oder dauerhaft eingeschränkte Fruchtbarkeit.

Ein Betroffener, der zuvor Testosteron und Anabolika zum Muskelaufbau verwendet hatte, berichtete, zunächst auf Empfehlungen aus Internetforen vertraut zu haben. Erst nach einer fachärztlichen Behandlung stellte sich heraus, dass einige der eingenommenen Medikamente seiner Gesundheit eher schadeten als nutzten.

Mehr Aufklärung statt Mythen

Zwar weisen wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass die Spermienqualität in vielen Regionen der Welt langfristig zurückgegangen sein könnte. Über Ursachen und Ausmaß herrscht jedoch weiterhin keine vollständige Einigkeit. Gleichzeitig spielen für sinkende Geburtenraten zahlreiche gesellschaftliche Faktoren wie hohe Lebenshaltungskosten oder wirtschaftliche Unsicherheit eine wichtige Rolle.

Experten sehen deshalb vor allem einen Mangel an fundierter Aufklärung. Das steigende Interesse an männlicher Fruchtbarkeit sei grundsätzlich positiv. Fehlen jedoch leicht zugängliche medizinische Informationen, entstehe ein Vakuum, das zunehmend von Influencern mit fragwürdigen Versprechen gefüllt werde. Statt auf vermeintliche Wundertricks zu setzen, raten Fachleute Männern mit Kinderwunsch deshalb zu einer ärztlichen Beratung und einem gesunden Lebensstil.

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