Die Party an der Wall Street war offenbar so gut, dass einige Anleger erst jetzt bemerken, dass der Champagner vielleicht doch nur Mineralwasser war.
Zum Wochenausklang gerieten die großen US-Technologiewerte kräftig unter Druck. Der NASDAQ verlor rund ein Prozent – und plötzlich machte sich an den Börsen ein Gefühl breit, das viele Investoren schon fast vergessen hatten: Zweifel.
Ausgerechnet die Branche, die in den vergangenen Monaten nahezu täglich versprach, mit Künstlicher Intelligenz die Menschheit, die Wirtschaft und vermutlich irgendwann auch den Wetterbericht zu revolutionieren, musste einen kleinen Realitätstest über sich ergehen lassen.
Auslöser war ein Bericht, wonach OpenAI seinen mit Spannung erwarteten Börsengang möglicherweise auf das kommende Jahr verschieben könnte.
Und plötzlich wurde aus dem allgegenwärtigen KI-Hype eine ganz gewöhnliche Börsenfrage:
„Moment mal … was, wenn die Bewertungen vielleicht doch etwas optimistisch waren?“
Dabei galt OpenAI bislang als der nächste Superstar am Börsenhimmel. Viele Anleger hatten sich den Börsengang bereits als finanzielles Äquivalent zur Mondlandung vorgestellt.
Doch dann kam SpaceX.
Der Börsengang des Raumfahrtunternehmens sorgte zunächst für grenzenlose Euphorie – bis die Aktie anschließend ebenso schnell wieder Richtung Erdanziehungskraft zurückkehrte.
Die Moral der Geschichte:
Nicht alles, was raketenartig startet, bleibt auch dauerhaft im Orbit.
Anleger scheinen deshalb inzwischen vorsichtiger geworden zu sein. Statt blind jedem KI-Versprechen hinterherzulaufen, fragen einige plötzlich nach altmodischen Dingen wie Bewertungen, Gewinnen oder Geschäftsrisiken.
Eine geradezu revolutionäre Entwicklung an der Börse.
Marktbeobachter sehen deshalb in der möglichen Verschiebung des OpenAI-Börsengangs ein Signal, dass selbst die Verantwortlichen den Zeitpunkt sorgfältig abwägen.
Oder anders gesagt:
Wenn sogar die Verkäufer warten wollen, bis die Käufer wieder euphorischer sind, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass der KI-Zug kurzfristig vielleicht doch nicht mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist.
Ob tatsächlich eine KI-Blase entsteht oder lediglich etwas heiße Luft entweicht, wird sich zeigen.
Fest steht nur:
An der Börse gilt seit jeher eine eiserne Regel.
Erst wird jede neue Technologie als Revolution gefeiert.
Dann kommt die Ernüchterung.
Und irgendwann stellt man fest, dass Computer zwar vieles können – aber selbst Künstliche Intelligenz keine steigenden Aktienkurse programmieren kann.
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