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Keine gute Idee

mxrichter (CC0), Pixabay
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Die AfD hat mal wieder ein Problem mit Wahlen. Genauer gesagt: mit Wahlergebnissen, die nicht so aussehen, wie man sie gern gehabt hätte.

Nachdem AfD-Kandidat Sebastian Wippel die Oberbürgermeisterwahl in Görlitz verloren hat, wurde nicht etwa analysiert, warum viele Bürger lieber den anderen Kandidaten gewählt haben. Nein – stattdessen geriet plötzlich die Briefwahl unter Generalverdacht. Parteichef Tino Chrupalla möchte sie am liebsten gleich abschaffen. Weil Demokratie offenbar deutlich angenehmer ist, wenn nur die Leute abstimmen, die auch das „richtige“ Kreuz machen.

Das Problem aus AfD-Sicht:
Im Wahllokal lief es ordentlich.
Bei den Briefwählern dagegen eher so mittelprächtig.
Und plötzlich klingt es wieder verdächtig nach:
„Wenn wir gewinnen, war’s der Wille des Volkes. Wenn wir verlieren, war’s wahrscheinlich die Briefwahl.“

Ohne Briefwahl hätte Wippel laut Zahlen gewonnen. Ohne Fußballtore hätte Schalke übrigens auch regelmäßig Meister werden können. Hilft nur alles nichts.

Besonders unterhaltsam wird die Argumentation beim Thema Wahlgeheimnis. Die AfD sorgt sich plötzlich rührend darum, dass Menschen zuhause beeinflusst werden könnten. Als gäbe es in deutschen Wohnzimmern geheime Briefwahl-Erpressungskommandos:
„Du wählst jetzt CDU – sonst gibt’s keinen Kartoffelsalat!“

Natürlich gibt es theoretisch Missbrauchsmöglichkeiten. Die gibt es überall. Deshalb existieren Sicherheitsmechanismen, eidesstattliche Erklärungen und gesetzliche Regeln. Aber daraus gleich eine Systemkrise zu basteln, wirkt ungefähr so glaubwürdig wie ein Rauchmelder, der Alarm schlägt, weil jemand Toast gemacht hat.

Der eigentliche Punkt dürfte ein anderer sein:
AfD-Wähler nutzen Briefwahl statistisch seltener.
Das ist ungefähr so, als würde man feststellen:
„Unsere Fans kommen nicht ins Stadion – also schaffen wir besser Sitzplätze ab.“

Dabei ist die Briefwahl für Millionen Menschen schlicht praktisch:

  • ältere Menschen,
  • Kranke,
  • Berufstätige,
  • Reisende,
  • Eltern,
  • Menschen ohne Lust auf 40 Minuten Turnhallenromantik am Sonntagmorgen.

Aber ausgerechnet diese Möglichkeit jetzt infrage zu stellen, weil ein Wahlergebnis nicht gefällt? Schwierige Idee.

Denn Demokratie bedeutet eben auch:
Manchmal gewinnt der andere.
Und nein – das ist noch kein Staatsstreich.

Am Ende bleibt die Erkenntnis:
Wer ständig Zweifel an Wahlen streut, sobald es knapp wird, sägt langfristig an genau dem Vertrauen, das Demokratie überhaupt erst möglich macht.

Oder anders gesagt:
Vielleicht sollte man lieber mehr Menschen überzeugen —
statt weniger wählen zu lassen.

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