Kaum beginnt das Trainingslager in Rottach-Egern, geht das große Jammern schon wieder los. Neun Ausfälle! Ein Brett! Fast eine Katastrophe! Man könnte meinen, Borussia Mönchengladbach müsse mit elf Platzwarten gegen Bayern antreten.
Ja, Chiarodia, Konoplia und Cvancara fehlen verletzt. Uno und Herold sind angeschlagen, Castrop und Leopold fühlten sich zuletzt unwohl. Ngoumou und Reyna sind für Vereinswechsel freigestellt. Das ist nicht ideal. Aber ganz ehrlich: Genau dafür hat man doch einen großen Kader.
Manager Rouven Schröder sagt immerhin das Richtige: nicht jammern, sondern die Chance für andere nutzen. Genau so sollte es sein. Wer immer nur von Startelf-Potenzial redet, kann jetzt zeigen, ob dieses Potenzial auch auf dem Platz existiert.
Bei Ngoumou und Reyna geht es ohnehin weniger um Verletzungspech als um Kaderplanung. Reyna soll für drei Millionen Euro nach Straßburg wechseln, Ngoumou könnte beim RSC Anderlecht landen. Beide verdienen ordentlich, spielten dafür aber zuletzt eher überschaubare Rollen. Dass der Verein Gehalt sparen und den Kader verkleinern will, ist deshalb nachvollziehbar.
Und dann wäre da noch Tomas Cvancara. Vor drei Jahren für 10,5 Millionen Euro verpflichtet, inzwischen mit einem stattlichen Gehalt ausgestattet und sportlich bislang weit hinter den Erwartungen geblieben. Durch seine Verletzung dürfte ein Wechsel derzeit allerdings kaum realistisch sein. Das ist ärgerlich, aber auch kein Grund, schon im August die weiße Fahne zu hissen.
Als Gladbach-Fan hat man in den vergangenen Jahren wirklich genug Erklärungen gehört: Verletzungen, fehlende Automatismen, schwierige Vorbereitung, Pech, Umbruch, neuer Trainer, neuer Kader. Irgendwann möchte man einfach sehen, dass die Spieler auf dem Platz Verantwortung übernehmen.
Neun Ausfälle sind unbequem. Aber sie sind auch neun Chancen für andere. Wer jetzt im Trainingslager dabei ist, soll laufen, kämpfen, sich zeigen und dem Trainer die Entscheidung schwer machen.
Borussia braucht keine Dauerklage. Borussia braucht Energie, Mut und Spieler, die ihre Gelegenheit nutzen.
Also bitte: weniger Jammern, mehr Fußball.
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