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Kasanka-Nationalpark: Das größte Säugetier-Spektakel der Erde, das kaum jemand kennt

Lk_Drak (CC0), Pixabay
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Wenn jedes Jahr Millionen Tiere gleichzeitig in Bewegung geraten, denken die meisten Menschen an die berühmte Gnu-Wanderung in der Serengeti. Doch das größte Säugetier-Migrationsereignis der Welt findet an einem weit weniger bekannten Ort statt – im Kasanka-Nationalpark in Sambia. Dort versammeln sich zwischen Oktober und Dezember schätzungsweise acht bis zehn Millionen strohfarbene Flughunde (Eidolon helvum) zu einem einzigartigen Naturschauspiel.

Mit Einbruch der Dämmerung erwacht der Wald zum Leben. Millionen Flughunde verlassen nahezu gleichzeitig ihre Schlafplätze und steigen in den Abendhimmel auf. Was zunächst mit wenigen Tieren beginnt, entwickelt sich innerhalb weniger Minuten zu einer gewaltigen Wolke aus Flügelschlägen, die den Himmel nahezu vollständig verdunkelt. Das Schauspiel gilt als größte bekannte Säugetierwanderung der Erde und übertrifft selbst die berühmte Serengeti-Migration um ein Vielfaches. Während jährlich Hunderttausende Besucher die Wanderung der Gnus in Ostafrika erleben, finden nur rund 800 Menschen pro Jahr den Weg nach Kasanka.

Der Nationalpark liegt rund 500 Kilometer nördlich der sambischen Hauptstadt Lusaka und gehört mit etwa 390 Quadratkilometern zu den kleineren Schutzgebieten des Landes. Gerade seine Abgeschiedenheit macht jedoch seinen besonderen Reiz aus.

Die riesigen Flughundkolonien werden von einem saisonalen Überangebot an Früchten angelockt. Jede Nacht legen die Tiere Strecken von bis zu 96 Kilometern zurück und fressen dabei etwa ihr eigenes Körpergewicht an Früchten. Insgesamt verzehren die Tiere während ihres Aufenthalts in Kasanka schätzungsweise 330.000 Tonnen Früchte.

Gleichzeitig übernehmen sie eine entscheidende ökologische Funktion: Sie verbreiten Samen über enorme Entfernungen und tragen so wesentlich zur Regeneration afrikanischer Wälder bei. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Flughunde Samen teilweise sogar weiter transportieren als Elefanten. Mit einer Flügelspannweite von bis zu einem Meter gehören die strohfarbenen Flughunde zu den größten Fledertierarten Afrikas. Satellitenuntersuchungen zeigten bereits, dass einzelne Tiere mehr als 2.400 Kilometer zurücklegen können.

Woher die Tiere genau kommen und welche Routen sie nach ihrer Abreise einschlagen, ist jedoch bis heute nicht vollständig erforscht. Nur wenige Besenderungsprojekte konnten bislang Einblicke in ihre Wanderbewegungen liefern. Kasanka selbst bietet weit mehr als das berühmte Fledermaus-Spektakel.

Das Schutzgebiet beherbergt Sümpfe, Lagunen und ausgedehnte Miombo-Wälder sowie mehr als 450 Vogelarten. Besonders bekannt ist der Park zudem für den seltenen Sitatunga, eine scheue Sumpfantilope, die hervorragend an das Leben im Wasser angepasst ist. Auch Elefanten, Flusspferde, Krokodile, Buschböcke und zahlreiche weitere Tierarten leben in dem Schutzgebiet, wenn auch in vergleichsweise geringer Zahl. In den 1980er-Jahren war der Nationalpark durch Wilderei stark bedroht.

Erst umfangreiche Schutzmaßnahmen und Investitionen führten dazu, dass sich viele Tierbestände wieder erholen konnten. Heute gilt Kasanka als eines der erfolgreichsten Naturschutzprojekte Sambias. Für Naturforscher bleiben viele Fragen rund um die gewaltige Fledermauswanderung weiterhin offen. Für Besucher hingegen ist das Erlebnis vor allem eines: ein beeindruckendes Schauspiel, bei dem Millionen Tiere den Himmel über Afrika in einen scheinbar endlosen Strom aus Flügelschlägen verwandeln – ein Naturereignis, das trotz seiner Größe bis heute zu den am wenigsten bekannten Wildtierwundern der Erde zählt.

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