Kansas City hat einen Plan.
Einen sehr teuren Plan.
Für knapp 200 Millionen Dollar möchte die Stadt beweisen, dass man mit sechs WM-Spielen, ein paar Fanmeilen und ausreichend Grillsoße zur neuen Tourismus-Weltmacht aufsteigen kann.
Die Hoffnung lautet:
Wer einmal wegen eines Fußballspiels nach Kansas City kommt, bleibt für immer.
Die Realität lautet derzeit eher:
Wer einmal wegen eines Fußballspiels nach Kansas City kommt, bleibt etwa 36 Stunden.
Die große Weltkarte der Sehnsüchte
Wirtschaftsexperten stellen bereits die entscheidende Frage:
Wenn jemand aus Japan, Usbekistan oder Kap Verde seine Traumreise in die USA plant – denkt er dann wirklich als Erstes an Kansas City?
Oder vielleicht doch eher an New York, Los Angeles, Miami oder wenigstens den Grand Canyon?
Die Verantwortlichen in Kansas City antworten darauf mit bemerkenswertem Optimismus:
„Warum eigentlich nicht?“
650.000 Besucher für eine Stadt mit 520.000 Einwohnern
Die Organisatoren rechnen mit über 650.000 Besuchern.
Damit würden zeitweise mehr Menschen in der Stadt sein als normalerweise dort wohnen.
Für die Einwohner bedeutet das:
- mehr Verkehr
- längere Schlangen
- höhere Hotelpreise
- und plötzlich Menschen aus Ländern, die viele bislang nur aus WM-Stickeralben kannten.
Airbnb-Goldgräber erleben die Realität
Besonders spannend ist die Lage auf dem Airbnb-Markt.
Viele Hausbesitzer waren überzeugt:
„WM? Perfekt! Mein Gästezimmer wird mich reich machen!“
Eine Eigentümerin bot ihr Haus zunächst für 1.000 Dollar pro Nacht an.
Die Nachfrage hielt sich allerdings ungefähr auf dem Niveau eines Schneeschaufel-Verleihs in der Sahara.
Nach einer Preissenkung auf 500 Dollar pro Nacht fand sich schließlich ein Mieter.
Die Erkenntnis:
Zwischen „WM-Goldrausch“ und „normalem Marktpreis“ liegen manchmal mehrere hundert Dollar.
FIFA verdient. Alle anderen hoffen.
Wie immer bei großen Turnieren gilt:
Die Gastgeber zahlen für Straßen, Sicherheit, Verkehrskonzepte und Infrastruktur.
Die FIFA kassiert Fernsehrechte, Sponsorenverträge, Ticketverkäufe und Merchandising.
Oder wie ein böser Zungen sagen würden:
Die Städte kaufen die Party – die FIFA verkauft die Eintrittskarten.
Restaurants zwischen Trinkgeld und Weltkultur
Auch die Gastronomie bereitet sich auf den großen Ansturm vor.
Ein Restaurant wollte vorsorglich auf jede Rechnung automatisch 18 Prozent Trinkgeld aufschlagen.
Die Idee wurde wieder verworfen.
Grund:
Man sah bislang deutlich mehr Einheimische als internationale Fußballtouristen.
Und die eigenen Stammgäste zu verärgern erschien riskanter als die theoretische Ankunft von 20.000 Argentiniern.
Die WM der Erwartungen
Das eigentliche Problem scheint derzeit nicht die Besucherzahl zu sein.
Sondern die Erwartungen.
Viele hatten geglaubt, die Stadt sei Monate vor dem Turnier komplett ausgebucht.
Stattdessen zeigt sich:
Die Leute kommen durchaus.
Nur eben nicht alle gleichzeitig, nicht wochenlang und nicht für 1.500 Dollar pro Nacht.
Das Fazit
Kansas City hofft, dass die Weltmeisterschaft die Stadt dauerhaft auf die internationale Landkarte setzt.
Vielleicht klappt das.
Vielleicht erinnern sich die Besucher in zehn Jahren noch an die Stadt.
Vielleicht erinnern sie sich aber auch hauptsächlich an das BBQ, die Fanmeile und die Hotelpreise.
Und falls alles schiefgeht, bleibt immerhin die Gewissheit:
Für ein paar Wochen war Kansas City vermutlich die einzige Stadt der Welt, die ernsthaft glaubte, mit Fußballtouristen aus Kap Verde zur nächsten Weltmetropole aufzusteigen.
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