Für die TGI AG und ihre Gründer Helmut und Katarina Kaltenegger spitzt sich die Lage weiter zu. Nach einer Hausdurchsuchung am Unternehmenssitz in Vaduz, behördlichen Maßnahmen in Deutschland und Liechtenstein sowie wachsender Kritik am Geschäftsmodell gerät nun auch die öffentliche Inszenierung der Unternehmerfamilie ins Wanken: Die Puls-4-Reality-Show „Die Kalteneggers – Eine Familie wie im Goldrausch“ wurde aus der Mediathek entfernt.
Hausdurchsuchung in Vaduz
Anfang Juni durchsuchte die Staatsanwaltschaft Liechtenstein die Geschäftsräume der TGI AG in Vaduz. Nach Angaben der Behörden stehen Vorwürfe des gewerbsmäßig schweren Betrugs, der Geldwäsche sowie mögliche Verstöße gegen das Bankengesetz im Raum. Gegen mehrere Personen aus dem Umfeld des Unternehmens wird ermittelt.
Die Staatsanwaltschaft spricht von umfangreichen laufenden Ermittlungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
TGI weist sämtliche Vorwürfe zurück. Das Unternehmen betont, jederzeit gesetzeskonform gehandelt zu haben und mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter.
Österreichische Behörden könnten eingebunden werden
Brisant ist zudem, dass die liechtensteinischen Ermittler bereits Rechtshilfeersuchen an österreichische Behörden gestellt haben. Weitere Anfragen sollen folgen.
Die Kalteneggers sind österreichische Staatsbürger und verfügen über verschiedene Unternehmensbeteiligungen in Österreich. Zudem soll ein Teil des Zahlungsverkehrs über österreichische Dienstleister abgewickelt worden sein.
Reality-Show verschwindet aus der Mediathek
Während die Ermittlungen an Fahrt aufnehmen, verschwand überraschend auch die Reality-Show „Die Kalteneggers“ aus der Streamingplattform Joyn.
Zuvor war in internen Kundenchats noch der Eindruck entstanden, dass an einer Fortsetzung gearbeitet werde. Tatsächlich stellte der Sender jedoch klar, dass keine weiteren Dreharbeiten beauftragt wurden.
Kurz nach entsprechenden Medienanfragen wurden die bisherigen Folgen aus der Mediathek entfernt.
Eine Negativserie für das Unternehmen
Die aktuellen Ermittlungen markieren den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die bereits Anfang des Jahres begonnen hatte.
Im März veröffentlichte die deutsche Finanzaufsicht BaFin eine Warnung zu TGI-Produkten. Wenige Wochen später untersagte die Behörde den Vertrieb bestimmter Angebote in Deutschland.
Anschließend griff auch die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) ein. Ende Mai untersagte die Behörde den Vertrieb mehrerer Produkte und ordnete an, dass bestimmte Kundengelder innerhalb eines festgelegten Zeitraums nicht weiter gehalten werden dürfen.
Die Maßnahmen sind zwar noch nicht rechtskräftig, jedoch bereits vollziehbar.
Millionen-Villa mitten in der Krise
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte ein Immobilienkauf von Katarina Kaltenegger. Nach vorliegenden Unterlagen wurde im Frühjahr eine repräsentative Villa in Baden bei Wien erworben.
Das Anwesen soll über rund 700 Quadratmeter Wohnfläche, Poolanlage, Nebengebäude und mehrere Stellplätze verfügen. Der Kaufpreis wird mit rund 4,5 Millionen Euro angegeben.
Der Erwerb erfolgte nur wenige Tage bevor die BaFin ihre Vertriebsverbote veröffentlichte.
Rückabwicklung oder neue Verträge?
Besonders kritisch wird derzeit die Frage behandelt, wie mit bestehenden Kundenverträgen umgegangen werden soll.
In einer Online-Veranstaltung empfahl TGI Kunden, bestehende Verträge durch sogenannte Vertragsnovationen zu ersetzen. Dabei würden bisherige Vereinbarungen durch neue Verträge abgelöst.
Eine klassische Rückabwicklung könne nach Aussagen von Unternehmensvertretern deutlich länger dauern und sich über Jahre erstrecken. Zudem wurden Modelle vorgestellt, bei denen mögliche Rückzahlungen in Raten erfolgen könnten.
Wie viele Kunden tatsächlich eine Rückabwicklung verlangen werden, ist derzeit offen.
Das Geschäftsmodell bleibt umstritten
Bekannt wurde TGI vor allem durch sogenannte Goldspar- und Goldrabattmodelle.
Kunden erwerben dabei Gold, erhalten dieses aber oftmals erst nach mehreren Jahren. Während der Wartezeit werden monatliche Zahlungen oder „Rabatte“ in Aussicht gestellt, die in einigen Fällen die ursprüngliche Investitionssumme deutlich übersteigen sollen.
Nach Angaben des Unternehmens sollen die Erträge aus Beteiligungen und Partnerunternehmen in verschiedenen Ländern Afrikas stammen.
Kritiker und Aufsichtsbehörden hinterfragen jedoch seit Längerem die Struktur und rechtliche Einordnung einzelner Produkte.
Viele Fragen bleiben offen
Mit den laufenden Ermittlungen in Liechtenstein, den Maßnahmen der Finanzaufsichtsbehörden und möglichen Verfahren in Österreich steht die TGI-Gruppe vor ihrer bislang größten Bewährungsprobe.
Für Anleger stellt sich inzwischen vor allem eine zentrale Frage:
Wie wirken sich die behördlichen Maßnahmen und die laufenden Ermittlungen auf bestehende Verträge und die Rückzahlung investierter Gelder aus?
Eine Antwort darauf dürften letztlich die Behörden, Gerichte und der weitere Verlauf der Ermittlungen liefern. Bis dahin gilt für alle Beteiligten weiterhin die Unschuldsvermutung.
Quelle:https://www.news.at/wirtschaft/tgi-betrug-geldwaesche-die-kalteneggers-puls-4
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