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Kann Technologie das Größenchaos in der Modebranche lösen?

PublicDomainPictures (CC0), Pixabay
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Fast jede Frau kennt das Frustgefühl beim Kleidungskauf: Größe 38 passt bei Marke A, aber nicht bei Marke B – und in Online-Shops wird das Problem noch schlimmer. Die Folge: massive Retouren, die die Modebranche jährlich geschätzte 190 Milliarden Pfund kosten.

„Ich kaufe nach Optik, nicht nach Größe“, sagt eine Passantin in London. Sie bestellt regelmäßig mehrere Größen desselben Teils – nur um alles außer einem wieder zurückzuschicken.

Technologie gegen das Größenwirrwarr

Immer mehr Start-ups und Tech-Unternehmen versuchen, das Problem mit digitaler Innovation zu lösen.

  • 3DLook, True Fit und EasySize verwenden Fotos oder Körperdaten, um die passende Größe beim Onlinekauf vorzuschlagen.

  • Virtuelle Ankleidekabinen wie bei Google, Alta, DRESSX oder WEARFITS simulieren Kleidungsstücke an digitalen Avataren.

  • KI-basierte Shopping-Assistenten wie Daydream, OneOff oder Phia helfen bei Stilberatung, Größenwahl oder Preisvergleich.

Doch ein britisches Start-up, Fit Collective, will das Problem vor der Produktion lösen – und nicht erst im Online-Shop.

Künstliche Intelligenz beim Schnittmuster

Gründerin Phoebe Gormley, eigentlich Maßschneiderin, setzt auf Maschinelles Lernen, um Produktionsdaten, Rücksendegründe, Verkaufszahlen und Kundenfeedback zu analysieren. Ziel: Fehlerquellen bei Passform und Schnitt frühzeitig erkennen und Herstellern konkrete Empfehlungen geben – z. B. „2 cm kürzer = 20 % weniger Rückläufer“.

„Die Modeindustrie steckt in einer Abwärtsspirale“, sagt Gormley. „Hohe Rücksendequoten führen zu billigeren Materialien, unzufriedenen Kunden und mehr Abfall.“

Mit diesem Konzept hat sie 3 Millionen Pfund Startkapital gesammelt – angeblich die höchste Summe, die je eine Einzelgründerin in Großbritannien in dieser Phase aufbringen konnte.

Individuelle Körper, individuelle Passform

Trotz der Begeisterung für neue Tools betonen Branchenexperten: Technologie allein wird nicht ausreichen.

„Körper sind keine Schaufensterpuppen“, warnt Paul Alger vom UK Fashion and Textile Association. „Passform ist subjektiv. Menschen haben unterschiedliche Proportionen, kulturelle Vorlieben und Erwartungen.“

Ein weiteres Problem: „Vanity Sizing“, also absichtlich großzügig geschnittene Größen, um Kund:innen zu schmeicheln. Viele Marken halten an solchen selbst geschaffenen Größensystemen fest, was Vergleichbarkeit unmöglich macht.

Nachhaltigkeit durch weniger Rücksendungen

Sophie De Salis vom British Retail Consortium betont: Technologie sei entscheidend, um Kosten zu senken und Nachhaltigkeit zu fördern. Schließlich verursachen Retouren enorme Umweltbelastungen durch Transport, Verpackung und Entsorgung.

„Unsere Mitglieder arbeiten mit innovativen Lösungen, um Kunden beim Finden der passenden Größe zu unterstützen und Rücksendungen zu minimieren.“

Fazit: Besser, aber nicht perfekt

Die Modeindustrie scheint endlich umzudenken: Datenbasierte Entwicklung, KI-gestützte Schnitte und virtuelle Anprobe gewinnen an Bedeutung. Doch eine vollständige Standardisierung bleibt unwahrscheinlich – zu unterschiedlich sind Körper, Vorlieben und Marktstrategien.

Technologie kann das Problem mildern – aber nicht allein lösen.

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