Die Debatte um die Sterbehilfe in Kanada bleibt eines der emotionalsten und umstrittensten Themen des Landes. Nun hat ein gemeinsamer Ausschuss von Unterhaus und Senat empfohlen, Menschen mit ausschließlich psychischen Erkrankungen dauerhaft von der medizinisch assistierten Sterbehilfe (MAID) auszuschließen.
In seinem 98 Seiten starken Bericht spricht der Ausschuss nur eine einzige Empfehlung aus: Personen, deren einzige Grunderkrankung eine psychische Erkrankung ist, sollen auf unbestimmte Zeit keinen Zugang zu MAID erhalten.
Zur Begründung verweist das Gremium auf die tiefen Meinungsverschiedenheiten unter Experten sowie auf erhebliche Defizite in der psychiatrischen Versorgung. Wiederholt sei während der Anhörungen betont worden, dass viele Betroffene keinen ausreichenden Zugang zu angemessener psychischer Behandlung hätten.
Nicht alle Ausschussmitglieder tragen die Empfehlung mit. Mehrere Senatoren veröffentlichten ein Minderheitenvotum und werfen dem Verfahren Einseitigkeit vor.
Der Senator Kristopher Wells sprach von einem „grundlegend fehlerhaften“ Prozess. Die Anhörungen hätten überproportional Stimmen berücksichtigt, die eine Ausweitung der Sterbehilfe ablehnen.
Premierminister Mark Carney hatte bereits angekündigt, die Empfehlungen des Ausschusses abzuwarten. Die Regierung muss nun bis zum 11. Juli offiziell Stellung nehmen.
Eigentlich sollte die Ausweitung von MAID auf psychisch Erkrankte bereits mehrfach in Kraft treten. Wegen erheblicher Bedenken wurde sie zunächst verschoben und gilt aktuell frühestens ab dem 17. März 2027.
Kritiker einer Ausweitung warnen davor, Menschen in akuten psychischen Krisen den Zugang zur Sterbehilfe zu ermöglichen.
Der Psychiater Sonu Gaind von der Universität Toronto argumentiert, niemand könne zuverlässig vorhersagen, ob eine psychische Erkrankung tatsächlich unheilbar sei. Viele Betroffene könnten sich mit entsprechender Behandlung wieder erholen.
Auf der anderen Seite stehen Menschen wie die 49-jährige Claire Brousseau aus Toronto. Die an bipolarer Störung und PTBS leidende Frau kämpft vor Gericht für den Zugang zu MAID und sieht den Ausschluss psychisch Erkrankter als verfassungswidrige Diskriminierung.
Grundsätzlich genießt die Sterbehilfe in Kanada breite Zustimmung. Laut einer aktuellen Umfrage befürworten 77 Prozent der Kanadier das bestehende System.
Geht es jedoch um Menschen, deren einzige Erkrankung psychischer Natur ist, sinkt die Zustimmung deutlich: Nur noch 42 Prozent unterstützen eine solche Ausweitung.
Damit steht Kanada erneut vor einer schwierigen Grundsatzfrage: Wo endet das Recht auf Selbstbestimmung – und wo beginnt die Pflicht des Staates, Menschen vor einer möglicherweise endgültigen Entscheidung in einer vorübergehenden Krise zu schützen?
Die gute Nachricht zuerst: Die Deutschen werden immer älter. Die schlechte Nachricht:...
BeiDie RedaktionSamstag, 20.06.2026Es gibt Nachrichten, bei denen man sich fragt, ob die Beteiligten dieselben...
BeiDie RedaktionSamstag, 20.06.2026Als Bayern-Fan muss ich bei solchen Meldungen immer schmunzeln. 220 Millionen Euro...
BeiDie RedaktionSamstag, 20.06.2026Ach Albert. Kaum bist du weg, vermissen wir dich schon. Also zumindest...
BeiDie RedaktionSamstag, 20.06.2026
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