Jude Bellingham erlebt bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 sein bislang größtes Turnier. Mit sechs Treffern, darunter ein Doppelpack beim 2:1-Erfolg nach Verlängerung gegen Norwegen, sowie einer Torvorlage gegen Panama hat sich der Mittelfeldspieler von Real Madrid endgültig zum Schlüsselspieler der englischen Nationalmannschaft entwickelt. Nach dem Einzug ins Halbfinale gilt der 23-Jährige als einer der herausragenden Akteure des Turniers.
Der kometenhafte Aufstieg
Dass Bellingham einmal zu den größten Talenten des Weltfußballs zählen würde, deutete sich bereits früh an. Im August 2019 debütierte er im Alter von nur 16 Jahren für seinen Heimatverein Birmingham City und wurde damit zum jüngsten Spieler der Vereinsgeschichte.
Scouts waren schon nach seinem ersten Profispiel beeindruckt. Besonders seine Athletik, seine Dynamik und seine außergewöhnliche Spielintelligenz sorgten dafür, dass mehrere Spitzenvereine auf ihn aufmerksam wurden. Statt in die Premier League wechselte Bellingham 2020 für rund 20 Millionen Pfund zu Borussia Dortmund. Birmingham City zog damals sogar seine Rückennummer 22 aus Respekt vor seinem außergewöhnlichen Talent zurück.
Auch in Deutschland setzte er seinen Höhenflug nahtlos fort und traf bereits bei seinem Debüt für Dortmund.
Früh in Englands Nationalteam
Seine starken Leistungen blieben auch dem damaligen englischen Nationaltrainer Gareth Southgate nicht verborgen. Bereits mit 17 Jahren feierte Bellingham im November 2020 sein Debüt für die A-Nationalmannschaft.
Während Southgate ihn zunächst behutsam aufbaute und bei der Europameisterschaft 2021 nur als Joker einsetzte, entwickelte sich Bellingham spätestens bei der WM 2022 in Katar zu einer festen Größe. Dort erzielte er gegen den Iran sein erstes Länderspieltor.
Mit seinem Wechsel zu Real Madrid stieg sein internationales Ansehen weiter. In seiner ersten Saison gewann er sowohl die spanische Meisterschaft als auch die Champions League und etablierte sich als einer der sogenannten „Galácticos“.
Zwischen Kritik und Comeback
Vor der Weltmeisterschaft 2026 verlief jedoch nicht alles reibungslos. Verletzungen warfen Bellingham zurück, zudem sorgten Aussagen von Englands neuem Nationaltrainer Thomas Tuchel für Schlagzeilen. Der Deutsche hatte öffentlich angedeutet, das Auftreten des Mittelfeldspielers werde mitunter als schwierig wahrgenommen. Später entschuldigte sich Tuchel für seine Wortwahl.
Zwischenzeitlich wurde sogar darüber diskutiert, ob Bellingham überhaupt einen Stammplatz für die WM erhalten würde. Konkurrenz erhielt er insbesondere durch Morgan Rogers. Doch bereits in den Testspielen vor dem Turnier zeigte der Mittelfeldstar wieder seine Klasse.
Überragende Weltmeisterschaft
Seit Beginn der WM präsentiert sich Bellingham in absoluter Topform. Gegen Kroatien erzielte er ein spektakuläres Solo-Tor, gegen Panama brach er mit seinem Treffer den Widerstand des Gegners. Im Achtelfinale überzeugte er über die komplette Spielzeit gegen die Demokratische Republik Kongo.
Sein endgültiger Durchbruch gelang jedoch in der K.-o.-Phase. Gegen Mexiko führte er England mit zwei Treffern zum Sieg, ehe ihm im Viertelfinale gegen Norwegen erneut ein Doppelpack gelang. Besonders sein entscheidendes Tor in der Verlängerung brachte England ins Halbfinale.
In sechs Spielen wurde Bellingham bereits viermal zum Spieler des Spiels gewählt.
Gereift auf und neben dem Platz
Neben seinen sportlichen Leistungen fällt vor allem seine Entwicklung als Persönlichkeit auf. Während Bellingham bei der Europameisterschaft 2024 noch mit provokanten Jubelgesten und einem bisweilen egozentrischen Auftreten polarisierte, präsentiert er sich nun deutlich reifer.
In Interviews hebt er regelmäßig die Leistungen seiner Mitspieler hervor, lobt den Teamgeist und stellt den Erfolg der Mannschaft über persönliche Auszeichnungen. Auch auf dem Platz überzeugt er durch enorme Laufbereitschaft und taktische Flexibilität, indem er sowohl offensiv als auch defensiv wichtige Aufgaben übernimmt.
Gemeinsam mit Kapitän Harry Kane zählt Bellingham inzwischen zur Führungsgruppe der englischen Nationalmannschaft.
Hoffnungsträger vor dem Halbfinale
Mit dem Einzug ins Halbfinale gegen Argentinien oder die Schweiz lebt in England der Traum vom ersten WM-Titel seit 1966 weiter. Im Mittelpunkt steht dabei erneut Jude Bellingham.
Der einstige Teenager aus Birmingham ist längst zum Gesicht einer englischen Generation geworden, die endlich den großen Titel gewinnen will. Sollte Bellingham seine überragende Form beibehalten, könnte seine außergewöhnliche Karriere bei dieser Weltmeisterschaft ein weiteres historisches Kapitel schreiben.
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