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Japan entdeckt die Inflation – nach 48 Jahren

jorono (CC0), Pixabay
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Ein Land der Beständigkeit bewegt sich

In Japan geschehen Veränderungen normalerweise mit der Geschwindigkeit eines Kirschbaums im Winter.

Umso bemerkenswerter ist eine Entscheidung der Regierung in Tokio, die nun tatsächlich Bewegung in ein System bringt, das seit Jahrzehnten praktisch unverändert war.

Zum ersten Mal seit 1978 werden die Visagebühren für Ausländer erhöht.

Und zwar nicht ein bisschen.

Sondern gleich um 400 Prozent.

Willkommen in Japan – das macht dann 15.000 Yen

Ab dem 1. Juli kostet ein normales Einreisevisum nicht mehr 3.000 Yen, sondern 15.000 Yen.

Mehrfachvisa steigen von 6.000 auf 30.000 Yen.

Die Begründung der Regierung klingt nüchtern und vernünftig: Inflation und Wechselkurse hätten die Anpassung notwendig gemacht.

Anders formuliert:

Fast ein halbes Jahrhundert lang wurde nichts verändert, nun hat man beschlossen, die vergangenen Jahrzehnte in einem einzigen Schritt nachzuholen.

Die Touristen kommen trotzdem

Die japanische Regierung wirkt bemerkenswert entspannt.

Man rechne nicht damit, dass die höheren Gebühren den Tourismus spürbar beeinträchtigen würden.

Vermutlich hat sie damit recht.

Wer mehrere tausend Euro für Flüge, Hotels, Sushi, Tempelbesuche, Anime-Fanartikel und die unvermeidlichen Souvenirs ausgibt, wird sich wegen einiger zusätzlicher Euro bei der Visagebühr kaum von seiner Reise abhalten lassen.

Japan erlebt derzeit ohnehin einen Besucherboom.

Die schwache Landeswährung macht das Land für viele Reisende so attraktiv wie lange nicht mehr.

Der schwache Yen als Tourismusprogramm

Tatsächlich profitiert Japan derzeit von einem kuriosen Effekt.

Während die Regierung über steigende Kosten klagt, freuen sich Millionen Touristen über günstige Preise.

Der Yen befindet sich nahe historischer Tiefstände.

Für Besucher aus Europa oder Nordamerika wirkt Japan dadurch vielerorts plötzlich überraschend erschwinglich.

Man könnte sagen:

Der Wechselkurs subventioniert den Urlaub.

Es bleibt nicht bei den Visa

Die höheren Visagebühren sind allerdings nur der Anfang.

Auch Aufenthaltsgenehmigungen, Statusänderungen und Anträge auf Daueraufenthalt werden künftig deutlich teurer.

Teilweise steigen die Gebühren um ein Vielfaches.

Wer dauerhaft in Japan leben möchte, wird künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen.

Die Botschaft lautet offenbar:

Besucher sind willkommen.

Dauerhafte Bewohner dürfen sich etwas stärker beteiligen.

Japan schaut auf die G7

Die Regierung verweist dabei auf andere Industrienationen.

In den USA, Großbritannien oder Kanada seien vergleichbare Gebühren deutlich höher.

Japan gleiche sich lediglich internationalen Standards an.

Das klingt sachlich.

Es ist aber auch die diplomatische Version von:

„Die anderen nehmen noch mehr.“

Die große Überraschung

Die eigentliche Überraschung liegt ohnehin woanders.

Nicht darin, dass Japan die Gebühren erhöht.

Sondern darin, dass die bisherigen Preise fast fünf Jahrzehnte unverändert geblieben sind.

1978 kostete ein Visum 3.000 Yen.

Damals regierte Jimmy Carter in Washington, Helmut Schmidt in Bonn und Sony brachte den Walkman auf den Markt.

Seitdem hat sich die Welt mehrfach neu erfunden.

Die japanischen Visagebühren nicht.

Bis jetzt.

Ein seltenes Ereignis

Für Japan ist die Entscheidung deshalb mehr als eine reine Gebührenerhöhung.

Sie zeigt, dass selbst in einem Land, das Stabilität und Kontinuität nahezu perfektioniert hat, irgendwann die Realität an die Tür klopft.

Manchmal dauert das nur etwas länger.

In diesem Fall genau 48 Jahre.

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