Die US-Seeblockade würgt Irans wichtigste Wirtschaftsadern ab, das Regime kämpft mit steigenden Preisen, wachsender Arbeitslosigkeit und der Aussicht auf ein Öllagerproblem. Und doch setzt Teheran offenbar auf eine alte, zynische Hoffnung: dass Donald Trump zuerst die Nerven verliert.
Washington hat seine Blockade in den vergangenen Tagen massiv ausgeweitet. Was als Abriegelung iranischer Häfen begann, ist inzwischen ein globales Kontrollregime für Schiffe mit Iran-Bezug. Pentagon-Chef Pete Hegseth formulierte es mit der ihm eigenen Diskretion so: „Nichts rein. Nichts raus.“ Das Ziel ist klar: Iran soll sein wichtigstes Exportgut nicht mehr loswerden – Öl.
Für Teheran ist das existenziell. Der Großteil der Devisen stammt aus Rohöl- und Produktverkäufen. Vor allem der Süden des Landes mit Terminals wie Kharg Island, über das rund 90 Prozent der Rohölexporte laufen, ist das wirtschaftliche Rückgrat der Republik. Fällt dieser Korridor aus, droht dem Regime nicht nur Einnahmeverlust – sondern irgendwann ein handfestes Lagerproblem. Analysten gehen davon aus, dass Iran bei gleichbleibender Förderung noch einige Wochen bis wenige Monate durchhalten kann, bevor der Stauraum knapp wird.
Ganz schutzlos ist das Regime allerdings nicht. Iran hat gelernt, unter Sanktionen zu überleben. Das Land verfügt noch über Reserven an Land, könnte alte Tanker als schwimmende Lager nutzen und notfalls Teile des Handels über Landrouten oder das Kaspische Meer umleiten. Elegant ist das nicht. Billig schon gar nicht. Aber möglich.
Die Folgen spüren vor allem die Menschen. Laut iranischen Stellen sollen bereits eine Million Jobs verloren gegangen sein, weitere Millionen Beschäftigungsverhältnisse seien beeinträchtigt. Fabriken wurden getroffen, Lieferketten stehen unter Druck. In Teheran berichten Bewohner zwar weiterhin von gefüllten Regalen – aber auch davon, dass Grundnahrungsmittel und Medikamente sich teils verdreifacht oder vervierfacht haben. Das Regime versichert, es gebe keine Versorgungskrise. Wer autoritäre Systeme kennt, weiß: Wenn sie anfangen, „göttliche Gnade“ als wirtschaftspolitische Kategorie zu verkaufen, ist meist etwas im Argen.
Politisch ist die Lage paradoxer. Noch vor wenigen Monaten stand die Regierung wegen der miserablen Wirtschaft unter massivem Druck. Dann kamen Krieg und Angriffe – und plötzlich hat das Regime wieder einen äußeren Feind, auf den sich alles schieben lässt. Der Krieg wurde so zur innenpolitischen Lebensversicherung.
Doch auch Trump steht unter Druck. Höhere Energiepreise, wachsender Unmut im eigenen Land, Zwischenwahlen am Horizont. Genau darauf könnte Teheran spekulieren: dass Washington eine lange Blockade politisch nicht durchhält. Irans Kalkül ist simpel – lieber noch Monate der Entbehrung, als unter Zwang einzuknicken.
Mit anderen Worten: Die Bevölkerung zahlt. Das Regime hält aus. Und beide Seiten hoffen, dass der andere zuerst blinzelt.
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