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Interview mit Daniel Blazek zur Neufestsetzung von Positionslimits für THE Gas-Futures an der EEX

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Frage: Herr Blazek, die BaFin hat neue Positionslimits für sogenannte „THE natural gas Futures“ veröffentlicht. Was bedeutet das konkret?

Daniel Blazek: Diese Limits legen fest, wie viele Terminkontrakte auf Erdgas ein einzelner Marktteilnehmer maximal halten darf – also eine Obergrenze für Handelspositionen. Die Maßnahme richtet sich an professionelle Marktteilnehmer wie Energiehändler, Industrieunternehmen oder Finanzinvestoren, die an der European Energy Exchange (EEX) Futures auf Gas im Marktgebiet „Trading Hub Europe“ handeln.

Frage: Wie hoch sind diese Positionslimits?

Daniel Blazek:

  • Für den jeweils nächsten Liefermonat (den sogenannten Spot-Monat) liegt das Limit bei 17.938.800 Megawattstunden (MWh).

  • Für alle anderen Monate zusammen – also zukünftige Quartals-, Jahres- oder Saisonkontrakte – liegt das Limit bei 53.054.650 MWh.

Diese Zahlen ergeben sich aus einer gesetzlich vorgegebenen Berechnungsformel, die auf Marktvolumen, Handelsaktivität und Risiken basiert.

Frage: Warum braucht man solche Grenzen überhaupt?

Daniel Blazek: Um Marktmanipulationen und extreme Preisausschläge zu verhindern. Wenn ein einzelner Akteur eine zu große Position hält, kann er theoretisch Preise verzerren oder das System destabilisieren – besonders in volatilen Märkten wie dem Gasmarkt. Positionslimits schützen also die Integrität des Marktes und das Vertrauen in faire Preisbildung.

Frage: Wieso hat die BaFin gerade jetzt gehandelt?

Daniel Blazek: In den letzten Jahren – vor allem nach Beginn des Ukraine-Krieges – ist das Handelsvolumen mit THE-Futures stark gestiegen. Damit wurde ein Schwellenwert überschritten, der laut Gesetz automatisch die Wiedereinführung von Positionslimits erfordert. Früher lagen diese Handelsaktivitäten darunter, deshalb wurden 2021 alle Limits aufgehoben. Jetzt ist die Lage wieder anders.

Frage: Hat die Energiekrise diese Entscheidung beeinflusst?

Daniel Blazek: Auf jeden Fall. Die Gasversorgung in Deutschland hat sich seit 2022 stark verändert – weg von russischem Pipelinegas hin zu mehr LNG-Importen. Das hat zu teils extremen Preisschwankungen geführt. Die BaFin berücksichtigt bei der Festlegung des Limits ausdrücklich die aktuelle Marktstruktur, Volatilität und Versorgungslage – auch dass die sogenannte „Alarmstufe“ für Gas weiter besteht.

Frage: Was bedeutet das für Händler und Marktteilnehmer?

Daniel Blazek:

  1. Sie müssen ihre Positionen regelmäßig überprüfen. Die Limits gelten aggregiert – auch für OTC-Geschäfte.

  2. Bei Überschreitung drohen Bußgelder und aufsichtsrechtliche Konsequenzen.

  3. Compliance und Risikoabteilungen sollten diese neuen Vorgaben unbedingt berücksichtigen.

  4. Wer nahe an den Limits operiert, sollte seine Strategie und das Liquiditätsrisiko gut absichern.

Frage: Wie bewerten Sie die Entscheidung der BaFin?

Daniel Blazek: Die Verfügung ist juristisch fundiert und ökonomisch sinnvoll. Sie basiert auf den europäischen Vorgaben, berücksichtigt die Marktentwicklung und sorgt für mehr Marktstabilität – ohne seriöse Marktteilnehmer unnötig zu behindern. In einem sensiblen Markt wie dem für Erdgas ist das aus meiner Sicht eine notwendige Maßnahme.

Frage: Vielen Dank, Herr Blazek, für Ihre Einschätzung.

Daniel Blazek: Sehr gern. Regulierung soll nicht hemmen, sondern den fairen Wettbewerb sichern – gerade in einem so kritischen Markt wie dem für Energie.

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