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Indiens Wachstumswirtschaft gerät durch Öl-Schock aus dem Nahen Osten unter Druck

1716750 (CC0), Pixabay
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Indiens bislang robuste Wachstumsstory gerät durch den Krieg im Nahen Osten und die Turbulenzen auf den Energiemärkten zunehmend ins Wanken. Noch vor Kurzem sprach die Reserve Bank of India (RBI) von einem wirtschaftlichen „Goldlöckchen-Moment“ – also starkem Wachstum bei gleichzeitig niedriger Inflation. Doch dieser Optimismus ist inzwischen verflogen.

Besonders deutlich zeigt sich die Belastung an der indischen Rupie, die gegenüber dem US-Dollar auf ein Rekordtief gefallen ist und innerhalb eines Jahres fast zehn Prozent an Wert verloren hat. Zwar griff die Zentralbank ein, um Spekulationen zu bremsen, doch Experten warnen vor weiteren Rückgängen. Im schlimmsten Fall könnte die Rupie laut Analysten sogar auf über 110 Rupien je Dollar abstürzen.

Für Indien hätte das weitreichende Folgen: Eine schwächere Währung verteuert Importe, erhöht den Inflationsdruck, schmälert Unternehmensgewinne, belastet den Staatshaushalt und schreckt ausländische Investoren ab. Bereits jetzt haben die wichtigsten Aktienindizes seit Jahresbeginn rund zwölf Prozent verloren.

Hinzu kommt die enorme Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Nahen Osten. Indien bezieht rund 60 Prozent seines Erdgases und mehr als 90 Prozent seines Flüssiggases (LPG) aus der Region. Auch ein Viertel der Düngemittelimporte stammt von dort. Die Folge sind bereits spürbare Versorgungsengpässe: Restaurants und Hotels mussten teilweise schließen, auch Lebensmittelverarbeiter, Keramikbetriebe und sogar Bestattungsdienste sind betroffen.

Das indische Finanzministerium warnt inzwischen vor „Lieferengpässen und sektorübergreifendem Druck“. Ursprünglich war für das Finanzjahr 2026/27 ein Wirtschaftswachstum von rund sieben Prozent erwartet worden. Durch die Krise im Golf könnten jedoch bis zu ein Prozentpunkt Wachstum verloren gehen. Damit dürfte sich auch Indiens Ziel, Japan als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt zu überholen, weiter verzögern.

Zwar hat die Regierung die Preise an den Zapfsäulen bisher stabil gehalten, indem sie Steuern senkte und Preisschocks abfederte. Doch die Belastung verlagert sich auf andere Bereiche – etwa steigende Lebensmittelpreise und wachsende Subventionskosten.

Als Reaktion plant die Regierung einen Stabilisierungsfonds in Höhe von 6,2 Milliarden Dollar sowie zusätzliche Ausgaben für Lebensmittel- und Düngemittelsubventionen. Allerdings warnen Analysten, dass diese Mittel angesichts des Ausmaßes der Krise zu gering ausfallen.

Fazit: Der Konflikt im Nahen Osten trifft Indien an einem empfindlichen Punkt. Aus einem kurzfristigen Energieschock könnte sich ein gefährlicher Mix aus Inflation, Wachstumsschwäche und Versorgungsproblemen entwickeln.

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