Leipzig hat es geschafft: In der Ritterstraße 42 wurde endlich das R42 eröffnet – ein Gebäude, das beweisen soll, dass Gaming heutzutage nicht mehr nur aus Cola, Augenringen und „noch eine Runde“ besteht, sondern offenbar auch aus Coworking, veganen Burgern, Sony-Showroom und Ministerpräsidenten-Besuch.
Kurz gesagt: Leipzig hat jetzt ein Zocker-Schloss.
Wo früher vermutlich ehrwürdiger Handel stattfand, steht nun auf sieben Etagen die digitale Zukunft bereit: Gaming Area, Studios, Event-Arena, Start-up-Büros, Apartments und eine Sportsbar. Oder wie man in Leipzig sagt: ein ganz normales Dienstagabend-Konzept.
Gecko-Group-Chef Christopher Siebenhüner erklärte bei der Eröffnung sinngemäß, man wolle endlich mit dem Klischee aufräumen, Gamer seien „unsportliche Jungs, die Chips essen in einem Zimmer ohne Sonne“.
Ein mutiger Satz – gesprochen in einem Gebäude mit 70 Monitoren, E-Sports-Bereich und Burgerkarte.
Im Erdgeschoss wartet die Bar42, wo man mittags noch halbwegs vernünftig unter zehn Euro essen kann. Abends wird’s dann ernster: Sportsbar-Modus, Bundesliga, Champions League, vielleicht bald auch jemand, der beim FIFA-Zocken emotional zusammenbricht.
Dazu gibt es eine Event-Arena mit riesiger Holztreppe, auf der man entweder E-Sport feiern oder sehr stilvoll auf sein Leben zurückblicken kann, nachdem man in Runde eins von einem 17-Jährigen zerlegt wurde.
Besonders stolz ist man darauf, jetzt der dritte Sony-Showroom Europas zu sein – nach Berlin und Paris.
Leipzig also endgültig in einer Liga mit den Metropolen dieser Welt. Fehlt eigentlich nur noch ein Croissant-Stand mit RGB-Beleuchtung.
Oben wird dann richtig seriös: 70 Coworking-Plätze, Start-up-Förderung, Medienproduktion, Podcasts, Filmaufzeichnungen. Also alles, was man braucht, um aus einem Indie-Game in drei Jahren ein Pitchdeck mit Burnout zu machen.
Auch Michael Kretschmer kam vorbei und erklärte, Spielefirmen seien an der Börse teilweise mehr wert als Siemens. Eine Erkenntnis, die vermutlich bei vielen CDU-Mitgliedern ungefähr so eingeschlagen ist wie ein Headshot im Ranked Match.
Dass das Ganze drei Jahre später eröffnet wurde, lag natürlich an Corona, Lieferengpässen, Energiekrise – und, ganz Deutschland, an einem Behördenstreit über Maschendraht für einen historischen Fahrstuhl.
Fazit: Leipzig hat jetzt kein Gaminghaus. Leipzig hat ein Denkmal dafür, dass man in Deutschland sogar die digitale Zukunft bauen kann – wenn vorher geklärt ist, welches Gitter ans alte Fahrstuhlfenster darf.
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