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Huthi-Vormarsch bedroht eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt

Amirabdallatif (CC0), Pixabay
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Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen haben ihren Vormarsch entlang der jemenitischen Küste fortgesetzt. Nach Angaben zweier Vertreter der jemenitischen Regierung erreichte die Miliz am Freitag den strategisch wichtigen Küstenort Dhubab. Damit rücken die Huthis der Meerenge Bab al-Mandab näher, durch die ein erheblicher Teil des internationalen Waren- und Energieverkehrs führt.

Dhubab und die nahe gelegene Insel Perim gelten als Schlüsselpositionen für die Kontrolle der Meerenge. Den vorliegenden Berichten zufolge zog sich die jemenitische Armee von der Insel zurück. Unabhängig bestätigen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.

Die Huthis hatten bereits am Donnerstag die Hafenstadt Mokka eingenommen. Saudi-Arabien reagierte nach Angaben der Rebellen mit Luftangriffen auf die Stadt. Der rasche Vormarsch verschärft die Sorge, dass die Miliz künftig einen noch größeren Einfluss auf den Schiffsverkehr zwischen dem Roten Meer und dem Arabischen Meer ausüben könnte.

Nadelöhr des Welthandels

Bab al-Mandab zählt zu den wichtigsten maritimen Nadelöhren der Welt. Die an ihrer schmalsten Stelle etwa 27 Kilometer breite Meerenge verbindet den Golf von Aden mit dem Roten Meer. Schiffe, die zwischen dem Indischen Ozean und dem Sueskanal verkehren, müssen diese Passage durchqueren.

Anrainerstaaten sind der Jemen, Eritrea und Dschibuti. Für Saudi-Arabien besitzt die Route eine besondere Bedeutung, weil über das Rote Meer große Mengen Rohöl und andere Güter exportiert werden können. Sie dient außerdem als Ausweichstrecke, wenn der Verkehr durch die Straße von Hormus behindert oder unterbrochen ist.

Sollten die Huthis die Meerenge tatsächlich weitgehend kontrollieren, könnten sie den internationalen Schiffsverkehr bedrohen, Frachtrouten verteuern und erhebliche Auswirkungen auf die Energieversorgung auslösen. Reedereien müssten möglicherweise längere Strecken um das Kap der Guten Hoffnung einplanen. Dadurch würden Transportzeiten, Treibstoffverbrauch und Versicherungskosten steigen.

Schwere Niederlage für Saudi-Arabien

Der Vormarsch ist für Saudi-Arabien auch militärisch ein schwerer Rückschlag. Riad unterstützt im jemenitischen Bürgerkrieg seit Jahren die international anerkannte Regierung. Deren Streitkräfte mussten innerhalb weniger Tage jedoch erhebliche Gebietsverluste hinnehmen und leisteten den Berichten zufolge nur begrenzten Widerstand.

Gleichzeitig greifen die Huthis immer wieder Ziele auf saudischem Staatsgebiet an. In der südwestlichen Stadt Chamis Muschait wurde wegen möglicher Angriffe mehrfach Luftalarm ausgelöst.

Die humanitären Folgen der neuen Kämpfe sind erheblich. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration wurden Zehntausende Menschen aus ihren Wohnorten vertrieben. Damit verschärft sich die ohnehin katastrophale Lage im Jemen, dessen Bevölkerung seit Jahren unter Krieg, Armut, Hunger und einer weitgehend zerstörten Infrastruktur leidet.

Berichte über abgelehnte Bitte an Trump

Nach einem Bericht des Nachrichtenportals Axios soll der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman US-Präsident Donald Trump um direkte Militärschläge gegen die Huthi-Rebellen gebeten haben. Unter Berufung auf zwei nicht namentlich genannte US-Regierungsvertreter hieß es, der Kronprinz habe Trump am Donnerstag zweimal angerufen.

Trump soll die Bitte abgelehnt haben. Die US-Regierung wolle demnach eine weitere direkte militärische Front vermeiden und sich auf den Konflikt mit dem Iran sowie die Sicherung der Straße von Hormus konzentrieren. Offizielle Stellungnahmen der amerikanischen und der saudischen Regierung lagen zunächst nicht vor.

Nach Darstellung von Axios haben die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung für Saudi-Arabien zwar ausgeweitet. Eine unmittelbare Beteiligung an den Kämpfen gegen die Huthis sei derzeit jedoch nicht vorgesehen.

Neues Druckmittel für den Iran

Eine mögliche Kontrolle über Bab al-Mandab könnte auch die Position des Iran stärken. Teheran unterhält enge Beziehungen zu den Huthis und unterstützt die Miliz nach westlichen Angaben politisch, finanziell und militärisch.

Ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarde erklärte, eine mögliche Verhandlungslösung zwischen dem Iran und den USA müsse auch die Lage im Jemen berücksichtigen. Der iranische Vizepräsident Mohammed Resa Aref gratulierte den Huthis zu ihrem Vormarsch.

Damit könnte Teheran über seine Verbündeten Einfluss auf zwei der bedeutendsten Schifffahrtswege für den internationalen Ölhandel gewinnen: die Straße von Hormus und die Meerenge Bab al-Mandab. Eine vollständige militärische Kontrolle dieser Routen ist damit allerdings nicht automatisch verbunden. Entscheidend bleibt, ob die Huthis vorbeifahrende Schiffe dauerhaft überwachen, bedrohen oder an der Durchfahrt hindern können.

Ölpreis steigt zeitweise auf fast 110 Dollar

Die Entwicklung führte zu deutlichen Reaktionen an den Rohstoffmärkten. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg zeitweise auf nahezu 110 US-Dollar. Händler befürchten, dass sich eine Blockade oder erhebliche Behinderung der beiden Schifffahrtsrouten unmittelbar auf die weltweite Ölversorgung auswirken könnte.

Zusätzliche Unsicherheit entstand durch neue Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus. Die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt teilte mit, der Kapitän eines weiteren Schiffes habe beobachtet, wie mehrere unbekannte Geschosse zwei Schiffe getroffen hätten. Wer für die Angriffe verantwortlich war, blieb zunächst unklar.

Auch Verbraucher bekommen die Folgen der angespannten Lage zu spüren. In den USA stieg der durchschnittliche Dieselpreis nach Angaben des Analyseportals GasBuddy erstmals auf sechs US-Dollar je Gallone.

Der Vormarsch der Huthis ist damit längst nicht mehr nur eine weitere Wendung im jemenitischen Bürgerkrieg. Er berührt zentrale Interessen der Golfstaaten, der USA, des Iran und der internationalen Handelsschifffahrt. Sollte sich die Miliz dauerhaft an Bab al-Mandab festsetzen, könnten steigende Ölpreise, höhere Transportkosten und eine weitere militärische Eskalation die Folge sein.

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