Na also, eine Frage ist schon mal beantwortet: Der HSV Hamburg hat einen neuen Kapitän. Elias Kofler führt die Mannschaft künftig aufs Feld, unterstützt von Moritz Sauter und Robin Haug. Schön. Ordnung muss sein. Gerade beim HSV, wo man nach einem Sommer mit neuen Bossen, neuen Spielern und neuen Erwartungen ohnehin froh ist, wenn wenigstens irgendetwas schon vor dem ersten Testspiel sortiert ist.
Kofler als Kapitän klingt vernünftig. Der Mann bringt Einsatz mit, hat schon in Potsdam gezeigt, dass er Verantwortung tragen kann, und wirkt nicht so, als müsste man ihn erst daran erinnern, dass Handball ein Kontaktsport ist. Vertrag bis 2030, klare Rolle, gute Körpersprache – das passt.
Auch das neue Führungs-Trio ergibt Sinn. Sauter ist jung, ehrgeizig und inzwischen sogar im Blickfeld der Nationalmannschaft. Haug steht im Tor, und Torhüter haben ohnehin einen besonderen Blick auf das Chaos vor ihnen. Manchmal ist genau das hilfreich, gerade wenn eine Abwehr wieder meint, sie müsse den Gegner freundlich bis zum Kreis begleiten.
Aber bei aller Freude über geklärte Hierarchien: Die Kapitänsbinde gewinnt keine Spiele. Sie macht keine Rückraumtore, stopft keine Lücken in der Deckung und holt auch keine zwei Punkte in Melsungen, Flensburg oder Eisenach. Schön, dass klar ist, wer vorangeht. Noch wichtiger ist, dass die ganze Mannschaft vom ersten Spieltag an mitgeht.
Denn der HSV startet wieder einmal als Wundertüte in die Saison. Neue Führung oben, neue Führung auf dem Feld, sechs neue Spieler, dazu ein Trainingslager auf Fuerteventura. Klingt nach Neustart mit Meeresblick. Nur wissen HSV-Fans: Sonne im Trainingslager ist nett, aber die Wahrheit liegt nicht am Pool, sondern auf der Platte.
Wir brauchen keine schönen Ankündigungen, keine wohlklingenden Rollenbeschreibungen und keine Sommerromantik. Wir brauchen eine Mannschaft, die von Beginn an kämpft. Die in der Abwehr zupackt. Die Rückstände nicht nur verwaltet, sondern beantwortet. Die Heimspiele nicht verschläft und auswärts nicht nach zehn Minuten aussieht, als hätte sie den Bus noch in den Beinen.
Der Abschied von alten Führungsspielern ist groß. Niklas Weller hat den Verein geprägt, Andreas Magaard ist weg. Solche Lücken füllt man nicht mit einer Pressemitteilung. Die füllt man mit Leistung, Lautstärke, Verantwortung und notfalls mit blauen Flecken.
Dass es schon wieder kleinere Verletzungssorgen gibt, passt natürlich wunderbar zum HSV-Gefühl. Rücken, Wade, Adduktoren – kaum ist Vorbereitung, meldet sich der Körper mit eigener Tagesordnung. Hoffentlich bleibt es bei Kleinigkeiten. Der Kader muss in dieser Saison nicht nur Talent haben, sondern vor allem verfügbar sein. Denn mit guten Vorsätzen allein hat noch niemand eine rechte Seite verteidigt.
Also: Glückwunsch an Elias Kofler. Gute Entscheidung. Viel Erfolg an Sauter und Haug als Mit-Anführer. Das darf man ruhig positiv sehen.
Aber bitte keine Euphorie wegen einer geklärten Kapitänsfrage. Entscheidend ist nicht, wer die Binde trägt, sondern wer sich reinhaut, wenn es eng wird. Der HSV braucht vom ersten Anwurf an eine Mannschaft, die brennt – nicht erst ab November, nicht erst nach drei Niederlagen, nicht erst wenn die Tabelle unangenehm wird.
Die Rollen sind verteilt. Jetzt müssen nur noch die Punkte her.
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