Gesundheitsbehörden rund um den Globus versuchen derzeit fieberhaft, mögliche Infektionsketten eines Hantavirus-Ausbruchs auf dem Expeditionsschiff „MV Hondius“ nachzuvollziehen. Die Situation sorgt international für Nervosität – auch weil Passagiere bereits in zahlreiche Länder weitergereist sind, bevor das Ausmaß des Ausbruchs erkannt wurde.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigte inzwischen fünf nachgewiesene Infektionen an Bord des Schiffes. Drei Menschen starben bereits.
Drei Tote nach Expedition im Südatlantik
Zu den Todesopfern gehören ein niederländisches Ehepaar sowie ein deutscher Passagier. Der erste Verdachtsfall war ein 70-jähriger Niederländer, der während der Reise plötzlich schwere Symptome entwickelte – darunter Fieber, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Durchfall. Wenig später starb er an Bord.
Das Kreuzfahrtschiff war Ende März in Argentinien gestartet und befand sich auf einer Expedition im Südatlantik und in antarktischen Gewässern.
Noch immer befinden sich 146 Menschen aus 23 Ländern an Bord – darunter 17 US-Bürger. Das Schiff soll am Wochenende die Kanaren erreichen. Anschließend sollen die Passagiere in ihre Heimatländer ausgeflogen werden.
Arzt wird plötzlich zum Schiffsmediziner
Besonders dramatisch: Der eigentliche Schiffsarzt erkrankte selbst. Daraufhin sprang der amerikanische Arzt Stephen Kornfeld ein, der eigentlich als Urlauber an Bord war.
Gegenüber CNN schilderte er, wie sich die Lage innerhalb weniger Stunden zuspitzte. Immer mehr Menschen seien erkrankt und hätten sich rapide verschlechtert.
Viele Passagiere befänden sich inzwischen seit Wochen in Isolation. Kornfeld zeigte sich dennoch vorsichtig optimistisch, dass die meisten Reisenden symptomfrei bleiben könnten.
WHO sieht keine neue Pandemie
Die WHO versucht unterdessen, die Sorgen vor einer neuen weltweiten Pandemie zu dämpfen. Zwar werde mit weiteren Fällen gerechnet, ein Szenario wie bei Covid-19 sei derzeit aber nicht zu erwarten.
Beim Erreger handelt es sich um die sogenannte Andes-Variante des Hantavirus. Sie gilt als selten, kann aber schwere Krankheitsverläufe verursachen. Anders als viele andere Hantaviren kann die Andes-Variante in bestimmten Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.
Spurensuche in Argentinien und Chile
Noch ist unklar, wo genau sich die ersten Erkrankten infizierten. Die Ermittler konzentrieren sich derzeit auf die Reisewege des niederländischen Ehepaars vor Einschiffung.
Die beiden hatten zuvor monatelang Argentinien, Chile und Uruguay bereist – darunter mehrere Regionen, in denen hantavirusinfizierte Nagetiere vorkommen.
Argentinische Behörden versuchen nun, die gesamte Route der Touristen nachzuvollziehen. Sogar Nagetiere entlang der Reiseroute sollen eingefangen und untersucht werden.
Internationale Kontaktverfolgung läuft
Mittlerweile überwachen zahlreiche Länder potenziell betroffene Personen. Besonders heikel: Einige Passagiere verließen das Schiff bereits vor Bekanntwerden des Ausbruchs und reisten weiter.
In den Niederlanden werden mehrere Kontaktpersonen getestet – darunter offenbar sogar eine Flugbegleiterin, die mit einer später verstorbenen Passagierin Kontakt hatte.
Auch in den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Singapur und der Schweiz laufen Überwachungsmaßnahmen.
Erinnerungen an die Corona-Zeit
Die Bilder von isolierten Kreuzfahrtschiffen, internationalen Kontaktketten und hektischer Nachverfolgung wecken bei vielen unangenehme Erinnerungen an die frühen Tage der Corona-Pandemie.
Doch Experten betonen bislang deutliche Unterschiede: Das Virus verbreite sich wesentlich schwerer, die Fallzahlen seien niedrig und die Übertragungswege deutlich begrenzter.
Trotzdem zeigt der Fall erneut, wie schnell sich Krankheiten in einer globalisierten Welt über Kontinente hinweg ausbreiten können – besonders dann, wenn ein Kreuzfahrtschiff zur schwimmenden Drehscheibe internationaler Reisen wird.
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