Ein Kreuzfahrtschiff mit mehreren bestätigten und mutmaßlichen Hantavirus-Fällen ist auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln. Während die „MV Hondius“ von Kap Verde nach Teneriffa fährt, versuchen Gesundheitsbehörden hektisch nachzuvollziehen, wer möglicherweise mit Infizierten Kontakt hatte.
Die Lage sorgt international für Nervosität – auch wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont, dass derzeit kein Risiko für die breite Bevölkerung bestehe.
An Bord des Expeditionsschiffes kam es zu mindestens acht bekannten Krankheitsfällen, drei Menschen starben bereits. Besonders beunruhigend: Bei einigen Infizierten wurde die sogenannte Andes-Variante des Hantavirus nachgewiesen – eine seltene Form, bei der begrenzte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen möglich sind.
Normalerweise infizieren sich Menschen über Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere.
Die „MV Hondius“ war zuvor vor Kap Verde unter Quarantäne gestellt worden. Nun soll das Schiff nach Teneriffa gebracht werden, wo die Passagiere unter strengen Sicherheitsmaßnahmen an Land gehen sollen.
An Bord befinden sich noch rund 150 Menschen, darunter 17 US-Bürger.
Drei erkrankte Passagiere wurden inzwischen ausgeflogen. Zwei Patienten erreichten Amsterdam und werden dort von Spezialteams behandelt. Ein weiterer Krankentransport musste auf Gran Canaria zwischenlanden, nachdem Marokko die Betankung verweigert hatte. Technische Probleme mit medizinischer Ausrüstung verzögerten den Weiterflug zusätzlich.
Während Spaniens Gesundheitsministerium versucht, die Lage zu beruhigen, wächst auf den Kanaren der politische Widerstand. Regionalpräsident Fernando Clavijo kritisierte die Entscheidung, das Schiff nach Teneriffa fahren zu lassen, scharf und forderte Aufklärung von Ministerpräsident Pedro Sánchez.
Die WHO arbeitet derzeit weltweit an der Nachverfolgung möglicher Kontakte. Unter anderem werden:
- Passagiere eines Fluges nach Johannesburg,
- Reisende in den Niederlanden,
- Kontakte in der Schweiz,
- sowie weitere Kreuzfahrtgäste überwacht.
Besonders tragisch ist das Schicksal eines niederländischen Ehepaares, das vermutlich bereits vor der Kreuzfahrt in Argentinien infiziert wurde. Beide starben später an den Folgen der Erkrankung.
Die Spur führt Ermittler derzeit unter anderem zu einer Vogelbeobachtungstour in Ushuaia im Süden Argentiniens. Dort könnten die Reisenden möglicherweise mit infizierten Nagetieren in Kontakt gekommen sein.
Das Hantavirus gilt als selten, aber äußerst gefährlich. Laut US-Gesundheitsbehörde CDC sterben rund 38 Prozent der Patienten, bei denen schwere Atemwegssymptome auftreten.
Die Krankheit beginnt oft grippeähnlich – mit Fieber, Gliederschmerzen und Erschöpfung. Später kann es jedoch zu schwerem Lungenversagen und Organversagen kommen.
Eine spezifische Therapie existiert bislang nicht.
Die WHO versucht dennoch zu beruhigen. Das Virus verbreite sich nicht wie Covid-19 oder Influenza, betonte die Organisation. Mögliche Übertragungen zwischen Menschen seien bislang nur bei sehr engem Kontakt bekannt – etwa zwischen Ehepartnern oder Personen in gemeinsamen Kabinen.
Dennoch zeigt der Fall, wie schnell internationale Reisen selbst seltene Krankheiten global relevant machen können. Ein Expeditionsurlaub zu den entlegensten Regionen der Welt endet nun für zahlreiche Passagiere in Isolation, Quarantäne und medizinischer Überwachung.
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