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Hansa Rostock Fan:Danke Hansa – Wochenende schon wieder versaut

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Es ist wirklich erstaunlich, wie effizient Hansa Rostock einem das Wochenende ruinieren kann.

Andere brauchen dafür schlechtes Wetter, Stau auf der Autobahn oder eine kaputte Waschmaschine.

Bei uns reicht inzwischen offenbar ein Freitagabend und 90 Minuten Fußball.

0:4 bei Viktoria Köln.

Null zu vier!

Und nein, das war nicht Bayern München, Real Madrid oder Manchester City.

Das war Viktoria Köln.

Mit allem Respekt.

Aber wenn man als selbst ernannter Aufstiegsfavorit dort so auftritt, dann muss man sich als Fan schon fragen, ob vor dem Spiel vielleicht jemand vergessen hat, der Mannschaft mitzuteilen, dass die Saison bereits läuft.

Fremdschämen ab Minute zwölf

Eigentlich hätte man schon nach zwölf Minuten abschalten können.

Florian Bohnert serviert Niklas Castelle den Ball praktisch auf dem Silbertablett.

1:0.

Drei Minuten später darf David Otto völlig frei das 2:0 machen.

Da waren gerade einmal 15 Minuten gespielt.

Und ich saß vor dem Fernseher und dachte:

Das kann doch jetzt nicht ernsthaft euer Plan gewesen sein.

Aber doch.

Es wurde sogar noch schlimmer.

Köln spielte Fußball.

Hansa schaute dabei zu.

Die einen liefen.

Die anderen liefen hinterher.

Die einen kombinierten.

Die anderen waren offenbar damit beschäftigt herauszufinden, wo der Ball gerade wieder verschwunden war.

Andreas Voglsammer brachte es nach dem Spiel wenigstens auf den Punkt: Von vorne bis hinten habe nichts funktioniert, Hansa sei „nach allen Regeln der Kunst“ ausgespielt worden.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Außer vielleicht:

Danke für die ehrliche Zusammenfassung meines Freitagabends.

Ein Torschuss – wir wollen ja nicht undankbar sein

Das Offensivfeuerwerk der ersten Halbzeit bestand im Wesentlichen aus einem Abschluss von Bohnert in der 29. Minute.

Einem.

Da bekommt der Begriff „Torchance“ plötzlich etwas Exklusives.

Fast so, als müsste man dafür vorher einen Termin vereinbaren.

Köln spielte schnell, mutig und zielstrebig. Rostock brachte offensiv dagegen kaum etwas zustande.

Und genau das ist es, was mich als Fan so ärgert.

Verlieren kann man.

Passiert.

Auch 0:4 kann passieren.

Aber man darf doch wenigstens den Eindruck vermitteln, dass man sich dagegen wehrt.

Dass man den Gegner nervt.

Dass man Zweikämpfe gewinnt.

Dass man irgendeine Idee hat.

An diesem Abend hatte ich eher das Gefühl, Viktoria Köln würde ein Trainingsspiel absolvieren und Hansa freundlicherweise die Leibchen tragen.

Dreifachwechsel – und trotzdem ging es weiter bergab

Trainer Daniel Brinkmann versuchte zur Halbzeit immerhin zu reagieren.

Drei Wechsel auf einmal.

Dietze, Karada und Kiedl rein.

Bohnert, Dirkner und Kopacz durften duschen gehen.

Man hätte hoffen können:

Jetzt kommt eine Reaktion.

Jetzt wird es wenigstens unangenehm für Köln.

Jetzt sehen wir endlich Hansa.

Und was passiert?

  1. Minute: 3:0.
  2. Minute: 4:0.

Natürlich.

Warum sollte man uns Fans auch fünf Minuten Hoffnung gönnen?

Hansas Hintermannschaft war erneut offen, David Otto bekam Platz und machte seinen Doppelpack perfekt.

Da konnte man eigentlich nur noch überlegen, ob man den Fernseher ausschaltet oder aus pädagogischen Gründen bis zum Ende leiden sollte.

Ich habe gelitten.

War ein Fehler.

Zwölf Gegentore – Gratulation!

Besonders beruhigend sind auch die Saisonwerte.

Zwölf Gegentore.

Noch kein Spiel zu null.

In jeder Partie mindestens ein Gegentor.

Und inzwischen ein negatives Torverhältnis.

Für eine Mannschaft, die oben angreifen will, ist das ungefähr so überzeugend wie ein Rauchmelder, der erst piept, wenn das Haus bereits abgebrannt ist.

Man kann vorne über Spielideen diskutieren.

Über Laufwege.

Über Chancenverwertung.

Aber wenn die Abwehr bei jedem schnelleren Angriff aussieht, als hätte jemand plötzlich die Bedienungsanleitung weggenommen, haben wir ein ziemlich grundlegendes Problem.

Aufstiegsfavorit?

Dieses Wort können wir nach diesem Abend erst einmal ganz tief in die Schublade legen.

Aufstiegsfavorit.

Das klingt momentan ungefähr so passend wie „Defensivbollwerk“.

Natürlich ist die Saison noch lang.

Natürlich kann sich eine Mannschaft fangen.

Natürlich ist nach einer Niederlage nicht alles kaputt.

Aber genau diese Sätze hört man als Fußballfan immer dann, wenn man eigentlich gerne etwas anderes hören würde:

Warum war die Mannschaft so schlecht vorbereitet?

Warum fehlt die Konsequenz?

Warum ist die Defensive so anfällig?

Warum entsteht nach einem Rückstand nicht wenigstens Wut?

Und warum schafft es dieser Verein immer wieder, Erwartungen aufzubauen, nur um sie anschließend mit Anlauf gegen die Wand zu fahren?

Mein Wochenende? Danke der Nachfrage

Fußball ist ja angeblich nur Fußball.

Sagen meistens Menschen, die keinen Verein haben.

Für uns Fans ist das etwas anders.

Man freut sich die ganze Woche aufs Spiel.

Plant den Abend.

Vielleicht ein Bier dazu.

Vielleicht Freunde.

Vielleicht denkt man sogar:

Heute gewinnen wir und dann schaut die Tabelle richtig gut aus.

Und dann bekommt man nach 15 Minuten schon das Gefühl, dass man besser einen Film eingeschaltet hätte.

Nach 64 Minuten steht es 0:4.

Und plötzlich ist Wochenende.

Aber die Laune ist schon weg.

Danke Hansa. Wirklich.

Samstag kann jetzt gerne kommen.

Sonntag auch.

Fußball schaue ich trotzdem.

Machen wir uns nichts vor.

Beim nächsten Spiel sitze ich natürlich wieder da.

Mit Hoffnung.

Mit Schal.

Mit völlig irrationalem Optimismus.

Genau das ist schließlich das Problem.

Wir Fans lernen es einfach nicht.

Aber liebe Mannschaft:

Wenn wir schon jedes Wochenende wiederkommen, wäre es vielleicht ganz nett, wenn ihr irgendwann auch mal wieder auftaucht.

Denn dieses 0:4 war nicht einfach nur eine Niederlage.

Das war zum Fremdschämen.

Und mein Wochenende?

Das ist nach diesem Auftritt jedenfalls erst einmal gründlich versaut.

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