Als Hannover-96-Fan kann man bei solchen Meldungen eigentlich nur noch müde lachen. Jetzt also Jonas Boldt. Da stellt sich doch zuerst die wichtigste Frage: Muss man sich den Namen überhaupt merken — oder ist der in sechs Monaten sowieso schon wieder Geschichte?
Genau dieses ständige Stühlerücken in der Chefetage ist doch seit Jahren Teil des Problems bei 96. Kaum ist jemand da, wird schon wieder umgebaut, neu strukturiert, neu bewertet oder „langfristig neu aufgestellt“. Langfristig bedeutet in Hannover gefühlt meistens: bis zur nächsten Pressekonferenz.
Und jetzt also Boldt. Der Mann wird intern direkt als „bester Mann auf dem Markt“ gefeiert. Das klingt beeindruckend — bis man sich seine Bilanz beim HSV anschaut. Fünf Jahre dort gearbeitet, Millionen investiert, riesige Erwartungen verwaltet und am Ende? Der Aufstieg kam erst nach seinem Abgang. Das muss man auch erstmal schaffen.
Natürlich wird jetzt wieder erzählt, wie viel Erfahrung er mitbringt, wie modern er denkt und welche klare Vorstellung er von seiner Rolle hat. Das hört man bei 96 allerdings auch ungefähr jedes zweite Jahr. Am Ende steht dann meistens wieder irgendein Umbruch, neue Unruhe und eine Mannschaft, die mitten in der Saison merkt, dass über ihr schon wieder die nächste Machtverschiebung läuft.
Denn genau das vergessen viele: Diese dauernden Wechsel oben bleiben nicht ohne Folgen für die Mannschaft. Spieler merken doch sofort, wenn im Hintergrund ständig neue Leute mit neuen Ideen, neuen Philosophien und neuen Lieblingsspielern auftauchen. Ruhe entsteht so jedenfalls nicht.
Und ganz ehrlich: Wenn man wirklich Richtung Bundesliga will, braucht man endlich Kontinuität statt dauernd neue „Heilsbringer“. Hannover 96 wirkt seit Jahren wie ein Verein, der permanent seine Führungsetage austauscht und sich danach wundert, warum sportlich nie wirklich Stabilität entsteht.
Aber gut — vielleicht ist Boldt diesmal tatsächlich die große Lösung. Vielleicht wird jetzt alles besser. Vielleicht steigen wir endlich auf.
Und vielleicht baut der HSV demnächst auch noch ein Denkmal für ihn.
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