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Handelskrieg zwischen den USA und Kanada verschärft sich – fünf Entwicklungen im Überblick

PublicDomainPictures (CC0), Pixabay
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Der Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada bleibt ungelöst. Seit Donald Trump vor rund eineinhalb Jahren ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, haben sich die wirtschaftlichen Spannungen zwischen den beiden Nachbarländern deutlich verschärft. Washington belegte zahlreiche kanadische Waren mit neuen Zöllen, Ottawa reagierte seinerseits mit Gegenmaßnahmen.

Besonders betroffen sind zentrale kanadische Industriezweige wie Stahl, Aluminium, Holz und die Automobilbranche. Zuletzt führten die USA zusätzliche Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 28 Milliarden kanadischen Dollar ein. Kanada kündigte daraufhin Vergeltungszölle auf US-Produkte in vergleichbarer Größenordnung an.

Die wirtschaftlichen Folgen sind inzwischen auf beiden Seiten der Grenze spürbar.

Ontario trägt einen großen Teil der Belastung

Innerhalb Kanadas trifft der Handelsstreit nicht alle Provinzen gleichermaßen. Besonders stark betroffen ist Ontario, das industrielle Zentrum des Landes und ein wichtiger Standort der nordamerikanischen Automobilproduktion.

Die US-Zölle auf Fahrzeuge, Autoteile und Stahl setzen dort zahlreiche Unternehmen unter Druck. Mehrere Auto- und Zulieferbetriebe haben bereits Stellen gestrichen oder ihre Produktion reduziert. Seit Anfang 2025 gingen Schätzungen zufolge Zehntausende Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verloren.

Auch Quebec bekommt die Auswirkungen zu spüren. Die Provinz ist ein bedeutender Produzent von Stahl, Kupfer und Aluminium. Zwischen Februar 2025 und Februar 2026 gingen die Metallexporte der Provinz um rund 36 Prozent zurück. Gleichzeitig sank die Beschäftigung in diesem Wirtschaftsbereich.

Nach Einschätzung der Royal Bank of Canada gehören Ontario und Quebec zu den Regionen, die besonders stark von den US-Branchenzöllen betroffen sind. Weniger anfällig sind unter anderem Alberta, Saskatchewan und Teile der Atlantikprovinzen.

Die jüngste Runde zusätzlicher US-Zölle dürfte allerdings nahezu alle kanadischen Provinzen treffen. Besonders groß dürfte die Belastung erneut in Ontario, Quebec und British Columbia ausfallen.

Kanada zielt mit Gegenzöllen auf politisch wichtige US-Staaten

Wegen der deutlich größeren amerikanischen Volkswirtschaft fallen die direkten Folgen der kanadischen Gegenmaßnahmen für die USA insgesamt geringer aus. Einzelne Bundesstaaten könnten jedoch empfindlich getroffen werden.

Kanada plant beziehungsweise erhebt Zölle auf US-Waren im Umfang von rund 28 Milliarden kanadischen Dollar. Betroffen sind unter anderem Stahl, Möbel, Kosmetik, Haushaltswaren sowie landwirtschaftliche und industrielle Maschinen.

Besonders stark trifft es Berechnungen zufolge Ohio. Rund 3,2 Milliarden kanadische Dollar beziehungsweise etwa zwölf Prozent der Exporte des Bundesstaates könnten von kanadischen Zöllen erfasst werden. Dahinter folgen Illinois und Pennsylvania.

In Ohio dürften vor allem Stahlhersteller und Produzenten von Haushaltsgeräten betroffen sein. Illinois wiederum ist Heimat großer Maschinenbauer wie John Deere und könnte unter den neuen Abgaben auf Landwirtschafts- und Baumaschinen leiden.

Ökonomen sehen darin auch eine politische Komponente. Einige der besonders stark betroffenen Staaten gelten bei US-Wahlen als entscheidende Wechselstaaten. Die kanadischen Gegenmaßnahmen könnten damit bewusst so gestaltet worden sein, dass sie den politischen Druck auf Washington erhöhen.

Kanadas Zollvorteil schrumpft

Lange Zeit gehörte Kanada zu den Handelspartnern, deren Waren in den USA vergleichsweise niedrig belastet wurden. Dieser Vorteil schwindet zunehmend.

Nach Berechnungen der Royal Bank of Canada lag der durchschnittlich tatsächlich gezahlte US-Zoll auf kanadische Importe im Juni noch bei rund 2,9 Prozent. Inzwischen hat sich dieser Wert nahezu verdoppelt und liegt bei etwa 5,7 Prozent.

Damit ist Kanada mittlerweile stärker belastet als Mexiko und nähert sich Ländern wie Großbritannien an, für das ein durchschnittlicher effektiver Zollsatz von rund 6,2 Prozent gilt.

Noch wesentlich höher bleiben allerdings die Abgaben auf chinesische Waren. Dort liegt die durchschnittliche Belastung bei rund 20,5 Prozent.

Für kanadische Unternehmen bedeutet die Entwicklung dennoch einen deutlichen Einschnitt. Jahrzehntelang konnten sie sich auf einen weitgehend freien Zugang zum wichtigsten Absatzmarkt verlassen.

Kanada sucht verstärkt neue Absatzmärkte

Mehr als 70 Prozent der kanadischen Exporte gehen traditionell in die Vereinigten Staaten. Die geografische Nähe und mehrere Freihandelsabkommen haben beide Volkswirtschaften über Jahrzehnte eng miteinander verflochten.

Der aktuelle Zollstreit zwingt Kanada nun dazu, diese Abhängigkeit zu überdenken.

Die Regierung von Premierminister Mark Carney hat angekündigt, die Exporte in Länder außerhalb der USA innerhalb der kommenden zehn Jahre verdoppeln zu wollen. Daten der kanadischen Notenbank deuten bereits darauf hin, dass Unternehmen seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus verstärkt nach anderen Märkten suchen.

Einige Firmen orientieren sich zunehmend nach Europa. Für kleinere Unternehmen kann der Handelsstreit sogar neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen, weil kanadische Produkte im Ausland derzeit teilweise auf zusätzliche Sympathie stoßen.

Für große Industrieunternehmen ist eine solche Neuausrichtung allerdings wesentlich schwieriger. Vor allem die Automobil- und Zulieferindustrie in Ontario ist tief in grenzüberschreitende Lieferketten eingebunden. Produktionsstandorte in Städten wie Oshawa, London und der Region Kitchener-Cambridge-Waterloo bleiben deshalb besonders stark vom US-Markt abhängig.

Trotz des Zollkonflikts zeigt sich die kanadische Wirtschaft bislang widerstandsfähiger als teilweise befürchtet. Die ausländischen Direktinvestitionen erreichten 2025 rund 96,8 Milliarden kanadische Dollar und damit den höchsten Stand seit 2007.

Auch das Wirtschaftswachstum zog zuletzt wieder kräftig an. Im zweiten Quartal 2026 wuchs das kanadische Bruttoinlandsprodukt um 3,3 Prozent. Verantwortlich waren vor allem steigende Exporte und höhere Investitionen im Inland. Damit haben sich die Sorgen vor einer unmittelbar bevorstehenden Rezession zunächst abgeschwächt.

Die Regierung will diesen Trend nutzen und zusätzliche Investoren ins Land holen. Im September soll deshalb erstmals ein großer Canada Investment Summit in Toronto stattfinden.

Arbeitsplätze und Kaufkraft geraten unter Druck

Eine der sichtbarsten Folgen des Handelskriegs ist der Verlust von Arbeitsplätzen. Besonders stark betroffen ist erneut das produzierende Gewerbe.

Zwischen Januar 2025 und Januar 2026 gingen in Kanada nach Daten der Bank of Canada rund 55.000 Stellen in der Industrie verloren. Sollten die jüngsten US-Zölle von 50 Prozent dauerhaft bestehen bleiben, könnte die Zahl noch deutlich steigen.

Der Ökonom Trevor Tombe aus Calgary schätzt, dass insgesamt bis zu 90.000 Arbeitsplätze in Kanada gefährdet sein könnten.

Allerdings entwickelt sich der Arbeitsmarkt nicht überall negativ. In Wirtschaftsbereichen, die kaum von US-Zöllen betroffen sind, ist die Beschäftigung weiter gestiegen. Der Handelskonflikt führt damit zunehmend zu einer Verschiebung zwischen einzelnen Branchen.

Auch in den USA bleiben die Folgen nicht aus. Analysen sehen Arbeitsplatzverluste insbesondere in der Industrie, im Transportwesen und in der Lagerwirtschaft als Folge der umfassenden Zollpolitik Washingtons.

Für Verbraucher auf beiden Seiten der Grenze kommt ein weiteres Problem hinzu: Viele importierte Produkte werden teurer. Unternehmen geben einen Teil der zusätzlichen Kosten über höhere Preise an ihre Kunden weiter. Damit belastet der Handelskrieg zunehmend auch die verfügbaren Einkommen der Haushalte.

Keine schnelle Lösung in Sicht

Der Konflikt zwischen Kanada und den USA ist damit längst mehr als eine diplomatische Auseinandersetzung. Er verändert Lieferketten, Investitionsentscheidungen und Handelsströme und greift zunehmend auf den Arbeitsmarkt und die Verbraucherpreise über.

Kanada versucht, seine starke wirtschaftliche Abhängigkeit vom US-Markt zu reduzieren und neue Handelspartner zu gewinnen. Gleichzeitig setzt Ottawa mit gezielten Gegenzöllen Washington wirtschaftlich und möglicherweise auch politisch unter Druck.

Für beide Länder steht viel auf dem Spiel. Ihre Volkswirtschaften gehören zu den am engsten miteinander verflochtenen der Welt. Je länger der Zollstreit dauert, desto größer wird das Risiko, dass aus kurzfristigen Handelsbarrieren dauerhafte Veränderungen in der nordamerikanischen Wirtschaftsstruktur entstehen.

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