Die Gespräche über eine friedliche Lösung des Iran-Kriegs zwischen den USA und dem Iran in Pakistan verlaufen offenbar ungefähr so harmonisch wie ein Scheidungstermin mit Raketenbegleitung.
Mehrere Medien berichteten am Samstagabend von „großen Differenzen“ – was in der Sprache internationaler Diplomatie meist bedeutet:
Alle sitzen am Tisch, aber mindestens eine Seite hätte lieber gerade einen Flugzeugträger.
Islamabad: Friedensverhandlungen mit Beipackzettel
Nach getrennten Vorgesprächen mit Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif begannen Vertreter Washingtons und Teherans in Islamabad ihre Gespräche.
Also ganz klassisch:
Erst zwei Einzelgespräche, damit sich niemand direkt anschreit,
dann ein trilaterales Treffen,
und parallel offenbar schon wieder Meldungen, dass alles in einer „Sackgasse“ steckt.
Die Financial Times sprach von einer Blockade bei der Straße von Hormus.
Iranische Agenturen warfen den USA „überzogene Forderungen“ vor.
Was erstaunlich klingt, wenn man bedenkt, dass auf der anderen Seite gerade ein Staat sitzt, der anscheinend überlegt, Durchfahrtsgebühren für die globale Energieversorgung zu verlangen.
Das hochrangigste Treffen seit 1979 – und natürlich ist Jared Kushner dabei
Laut Weißem Haus sprechen die USA und der Iran direkt miteinander – unter Aufsicht Pakistans, vermutlich in der Hoffnung, dass wenigstens irgendjemand im Raum gelegentlich „Bitte der Reihe nach“ sagt.
Auf US-Seite:
- JD Vance
- Steve Witkoff
- Jared Kushner, Schwiegersohn, Nahost-Allzweckwerkzeug und lebender Beweis, dass Familienbande in Washington als außenpolitische Qualifikation gelten können.
Auf iranischer Seite:
- Mohammad-Bagher Ghalibaf
- Abbas Araktschi
- vermutlich mehrere Menschen, die sich fragen, wie sie in einer Verhandlung gelandet sind, in der gleichzeitig von Uran, Raketen und Hafengebühren die Rede ist.
Es ist das höchstrangige direkte Treffen seit der Islamischen Revolution 1979.
Was historisch beeindruckend ist.
Und gleichzeitig ungefähr so beruhigend wie der Satz:
„Das ist die ernsteste Kernschmelze seit Jahrzehnten.“
Trump: Egal wie’s ausgeht, wir gewinnen
US-Präsident Donald Trump erklärte vor der Presse, man befinde sich in „tiefgehenden Verhandlungen“ mit Teheran.
Der Iran könnte einem Deal zustimmen.
Oder auch nicht.
Aber ganz egal, was passiert:
Die USA würden auf jeden Fall gewinnen.
Das ist ungefähr dieselbe Logik, mit der man beim Roulette alles auf Rot setzt und danach sagt:
„Unabhängig vom Ergebnis war das strategisch brillant.“
Nebenbei drohte Trump noch China mit „großen Problemen“, sollte Peking Waffen an den Iran liefern.
Denn nichts unterstützt sensible Friedensgespräche so sehr wie das spontane Eröffnen eines zusätzlichen geopolitischen Nebenschauplatzs mit einer Atommacht.
Auftakt mit dem üblichen internationalen Kommunikationssport: Widerspruch in Echtzeit
Schon zum Start der Gespräche widersprachen sich beide Seiten erwartungsgemäß in atemberaubendem Tempo.
Ein iranischer Insider sagte Reuters, die USA hätten der Freigabe eingefrorener iranischer Vermögen zugestimmt.
Ein US-Regierungsvertreter sagte: Nein.
Willkommen zur beliebten globalen Gameshow:
„Wer hat gerade gelogen – und war es absichtlich?“
Laut iranischer Darstellung sollte das Geld freigegeben werden, wenn die sichere Passage durch die Straße von Hormus garantiert wird.
Also in etwa:
„Gebt uns das Geld zurück, dann schauen wir mal, ob die Weltwirtschaft weiter durchkommt.“
Während verhandelt wird, werden parallel offenbar Minen geräumt
US-Präsident Trump schrieb auf Social Media, die USA hätten bereits mit der Räumung der vom Iran blockierten Straße von Hormus begonnen und dabei alle 28 iranischen Minenlegeschiffe versenkt.
Eine bemerkenswerte Begleitmusik zu Friedensgesprächen.
Stellen Sie sich vor, jemand sagt am Konferenztisch:
„Wir müssen dringend deeskalieren.“
Und draußen ruft jemand durchs Fenster:
„Übrigens, wir haben gerade 28 eurer Schiffe versenkt!“
Das ist nicht Diplomatie.
Das ist Multitasking im Pentagon-Stil.
Ein US-Vertreter sagte Axios, mehrere Schiffe der US-Marine hätten die Meerenge passiert.
Teheran dementierte das wiederum später.
Also alles wie immer:
- Die USA sagen: Wir sind durch.
- Der Iran sagt: Nein, seid ihr nicht.
- Der Rest der Welt schaut auf Tanker-Tracking-Websites und hofft, dass niemand aus Versehen den Ölpreis verdoppelt.
Erste Supertanker fahren wieder – vorsichtig an der Apokalypse vorbei
Trotz allem passierten erstmals seit Beginn der Feuerpause wieder drei Supertanker die Straße von Hormus.
Drei gigantische Schiffe fuhren also wieder durch eine Meerenge, über die gleichzeitig:
- gestritten,
- gedroht,
- dementiert,
- militärisch operiert
und vermutlich bereits auf Truth Social triumphiert wurde.
Das nennt man in der Schifffahrt vermutlich:
„eingeschränkter Normalbetrieb bei maximalem Wahnsinn.“
Die Verhandlungspläne: 15 Punkte gegen 10 Punkte und null gemeinsame Realität
Washington legte einen 15-Punkte-Plan vor.
Darin geht es unter anderem um:
- massive Einschränkungen des iranischen Atomprogramms
- Beschneidung des Raketenprogramms
- Herausgabe von mehr als 400 Kilogramm hoch angereichertem Uran
Teheran kontert mit einem Zehnpunkteplan.
Darin steht sinngemäß:
- Die Kontrolle über die Straße von Hormus bleibt bei uns
- Wir wollen Mautgebühren für die Durchfahrt
- Alle Sanktionen sollen weg
- Alle Militäreinsätze in der Region sollen aufhören
Kurz übersetzt:
USA:
„Gebt Uran, Raketen und strategische Hebel ab.“
Iran:
„Wir behalten den Hebel, kassieren dafür Maut und ihr hört auf, uns zu bombardieren.“
Man erkennt sofort:
Die Basis für einen raschen Durchbruch ist praktisch überwältigend.
Netanjahu meldet währenddessen schon den totalen Sieg
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte unterdessen, das israelische Militär habe das iranische Atom- und Raketenprogramm zerstört.
Es sei gelungen, beides zu „zerschlagen“.
Das ist bemerkenswert, weil zeitgleich:
- über das iranische Atomprogramm verhandelt wird,
- über iranische Raketen verhandelt wird,
- und die iranische Delegation offenbar auf militärischen „Errungenschaften“ besteht.
Mit anderen Worten:
Entweder ist alles zerstört,
oder man verhandelt gerade sehr engagiert über Dinge, die laut TV-Ansprache gar nicht mehr existieren.
Bilanz des zivilisierten 21. Jahrhunderts
Israels Armee meldet:
- über 1.000 Angriffswellen
- rund 18.000 Bomben
- etwa 60 Prozent der iranischen Raketenabschussrampen zerstört oder außer Gefecht gesetzt
Offizielle iranische Angaben:
- 3.000 Tote
In Israel:
- 20 getötete Zivilistinnen und Zivilisten
Und während all das noch kaum verarbeitet ist, sitzen Diplomaten in Islamabad und diskutieren über:
- Schifffahrtsrouten
- Uranmengen
- Minen
- Raketen
- Sanktionen
- Mautsysteme
Wenn Kafka Außenpolitik geschrieben hätte, wäre es vermutlich genau das.
Fazit:
Die Friedensverhandlungen zum Iran-Krieg laufen offenbar zäh.
Oder anders gesagt:
- Die USA wollen Frieden, räumen aber nebenbei Minen.
- Der Iran will Verhandlungen, aber bitte mit militärischen Errungenschaften und Gebührenmodell.
- Trump erklärt sich vorsorglich zum Sieger, bevor überhaupt klar ist, worin.
- Netanjahu sagt, alles sei längst zerstört.
- Und irgendwo zwischen Islamabad, Hormus und Truth Social versucht Pakistan, den Satz „Könnten bitte alle kurz aufhören?“ diplomatisch zu formulieren.
Die gute Nachricht: Man redet miteinander.
Die schlechte Nachricht: Offenbar gleichzeitig über Frieden, Öl, Uran, Kriegsschiffe, Maut und 28 versenkte Schiffe.
Oder, wie man in der internationalen Diplomatie vermutlich sagt:
„Die Gespräche verlaufen konstruktiv, aber herausfordernd.“
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