Jahrelang galt in Griechenland offenbar das Motto:
„Noch ein Hotel geht immer.“
Jetzt stellt man überrascht fest, dass eine Insel mit 10.000 Einwohnern und gefühlt 480.000 Touristen im August vielleicht doch irgendwann an ihre Grenzen kommt. Wer hätte das ahnen können?
Eine neue Studie der Universität der Ägäis zeigt nun völlig unerwartet:
Wenn jedes freie Stück Beton mit Ferienwohnungen, Pools, Boutiquehotels und Instagram-Sonnenuntergängen zugebaut wird, entstehen irgendwann kleine Probleme. Zum Beispiel:
- Wassermangel,
- Stromprobleme,
- Verkehrschaos,
- Müllberge
- und Einheimische, die sich ihre eigenen Wohnungen nicht mehr leisten können.
Aber hey — Hauptsache der Cappuccino mit Meerblick kostet inzwischen 14 Euro.
Besonders beeindruckend sind die Zahlen auf Inseln wie Santorin oder Mykonos. Dort gibt es mittlerweile teilweise mehr Gästebetten als Einheimische. Teilweise gleich vier bis acht Touristenbetten pro Bewohner. Die Inseln verwandeln sich im Sommer also praktisch in riesige Open-Air-Hotelanlagen mit gelegentlichem Griechenland-Anteil.
In der Hochsaison sei die Bevölkerungsdichte inzwischen höher als im Großraum Athen. Das muss man erstmal schaffen:
Eine Vulkaninsel voller Selfiesticks ist dichter besiedelt als die Hauptstadt eines ganzen Landes.
Natürlich hat der Tourismus Griechenland wirtschaftlich geholfen. Ohne Tourismus wäre die griechische Wirtschaft vermutlich längst im Dauerurlaub. Aber inzwischen merkt man offenbar:
Wenn man jeden Strand zur Luxuskulisse macht, bleibt irgendwann kaum noch Platz für Menschen, die dort tatsächlich leben.
Die Einheimischen sehen das zunehmend kritisch. Viele klagen:
- über steigende Mieten,
- fehlenden Wohnraum,
- überlastete Infrastruktur
- und darüber, dass das Geld oft gar nicht bei lokalen Unternehmen landet.
Denn ein großer Teil der Gewinne verschwindet inzwischen direkt in internationale Hotelketten, Luxusinvestoren und Ferienplattformen. Übrig bleiben für viele Bewohner vor allem:
Verkehr, Müll und überfüllte Supermärkte.
Jetzt will die griechische Regierung plötzlich gegensteuern. Neue Hotels sollen kleiner werden. Bauauflagen sollen strenger werden. Weniger Massentourismus, mehr Nachhaltigkeit.
Oder anders gesagt:
Man versucht jetzt vorsichtig die Party zu bremsen, nachdem das Haus bereits halb eingestürzt ist.
Besonders ironisch:
Jahrzehntelang wurde jede neue Hotelanlage gefeiert wie ein wirtschaftliches Wunder. Nun entdeckt man langsam, dass Inseln vielleicht doch keine unbegrenzt belastbaren Betonplattformen mitten im Meer sind.
Die eigentliche Pointe:
Millionen Touristen reisen jedes Jahr nach Griechenland, um dort „das authentische Griechenland“ zu erleben.
Und zerstören dabei genau das, was sie eigentlich suchen.
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