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Goliath hat Angst

13smok (CC0), Pixabay
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Eigentlich sollte es wieder der ganz große Tag des Kreml werden: martialische Musik, rollende Panzer, salutierende Generäle und Wladimir Putin als unerschütterlicher Feldherr auf dem Roten Platz. Doch aus der einstigen Machtdemonstration wird 2026 offenbar eher eine Mischung aus Luftschutzübung und Nervenkrimi.

Denn ausgerechnet die Supermacht Russland fürchtet mittlerweile kleine ukrainische Drohnen mehr als früher ganze NATO-Manöver.

Putin wollte seine traditionelle Siegesparade zum 9. Mai eigentlich mit einer kurzfristigen Waffenruhe absichern. Die Idee dahinter war simpel: Bitte kurz nicht schießen, bis die Kameras aus sind. Doch Wolodymyr Selenskyj konterte den Plan trocken mit einer eigenen Waffenruhe – allerdings einfach an den falschen Tagen. Schachmatt aus Kiew.

Nun blickt Moskau nervöser denn je Richtung Himmel. Nachdem zuletzt sogar Drohnen in Moskau einschlugen, wirkt die Parade plötzlich weniger wie eine Demonstration russischer Stärke und mehr wie ein Hochsicherheitskongress für Flugabwehrsysteme.

Der Kreml spricht offiziell von „terroristischen Bedrohungen“. Übersetzt heißt das wohl: Man hat Angst, dass während der Live-Übertragung plötzlich etwas explodiert, das nicht im Drehbuch stand.

Besonders bitter für Putin: Ausgerechnet zum wichtigsten patriotischen Feiertag fehlen dieses Jahr die klassischen Symbole russischer Macht. Keine Panzerkolonnen. Keine schweren Raketen. Keine gigantischen Waffensysteme auf dem Roten Platz. Stattdessen wohl hauptsächlich Absperrgitter, Störsender und hektisch blickende Sicherheitskräfte.

Noch vergangenes Jahr präsentierte Russland stolz neue Panzer und Raketen vor internationalen Gästen wie Xi Jinping und Kim Jong Un. Dieses Jahr scheint schon ein funktionierendes WLAN als Sicherheitsrisiko zu gelten. Selbst ausländische Journalisten dürfen nicht mehr hin. Offenbar traut man inzwischen sogar Fernsehkameras nicht mehr über den Weg.

Der eigentliche Sieger der Parade könnte damit ausgerechnet die ukrainische Drohnentechnologie sein. Denn sie hat geschafft, was Sanktionen, NATO-Gipfel und diplomatische Appelle kaum erreichten: Sie verwandelte Putins Lieblingsinszenierung von einem Symbol der Stärke in ein internationales Zeichen der Unsicherheit.

Oder anders gesagt:
Goliath marschiert noch immer auf den Roten Platz – schaut dabei aber ständig nervös nach oben.

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