Manchmal stolpert man im Internet über Videos, bei denen man sich schon nach wenigen Minuten fragt, ob dort eigentlich jemand selbst mitgerechnet hat. Genau diesen Eindruck hinterlässt ein aktuelles Werbevideo zur TGI AG, in dem ein Herr Michael ausführlich seine angeblich „fast fünfjährigen Erfahrungen“ mit dem Unternehmen schildert.
Das Problem dabei: Die heutige TGI AG existiert in ihrer jetzigen Form noch gar keine fünf Jahre.
Doch davon lässt sich der Sprecher offenbar nicht bremsen. Mit großer Überzeugung erklärt er, er begleite Menschen „seit bald fünf Jahren“ beim Goldaufbau mit der „heutigen TGI AG“. Gleichzeitig erzählt er von den Vorgängerkonstruktionen rund um Aulicio, Vertragsverlängerungen, Hochwasser, Pandemien, Sondervereinbarungen und Sanierungskonzepten. Kurz gesagt: eine Unternehmensgeschichte mit mehr Wendungen als manche Netflix-Serie.
Besonders faszinierend wird es bei den versprochenen „Rabattgutschriften“ von zwei bis vier Prozent – pro Monat. Nicht pro Jahr. Pro Monat. Wer kurz den Taschenrechner bemüht, landet schnell bei Renditen, bei denen selbst Banken, Fondsmanager und seriöse Edelmetallhändler vermutlich spontan Schnappatmung bekommen würden. Natürlich wird das Ganze nicht als Rendite bezeichnet, sondern als „Rabatt“. Das klingt gleich viel harmloser.
Der Mechanismus dahinter soll angeblich denkbar simpel sein: Man kauft Gold, verzichtet auf die Auslieferung und wird dafür Monat für Monat belohnt. Dass gleichzeitig erklärt wird, das Modell sei „nicht spekulativ“, obwohl mit Handelszyklen, Minenbeteiligungen und laufenden Gewinnströmen argumentiert wird, gehört wohl zur kreativen Definition moderner Finanzsprache.
Auch die mathematischen Wunderwerke im Video sorgen für Unterhaltung. Aus 10.000 Euro werden plötzlich innerhalb weniger Jahre gewaltige Zusatzbeträge, dazu physisches Gold, Bonuszahlungen, flexible Kündigungen und natürlich steigende Goldpreise obendrauf. Im Grunde fehlt nur noch die Aussage, dass der Goldbarren morgens selbstständig Kaffee kocht.
Besonders bemerkenswert ist außerdem die emotionale Dramaturgie. Da wird von Großmüttern erzählt, die Goldketten verschenken, von Überschwemmungen in Guyana, von Pandemieproblemen und davon, wie privilegiert und dankbar man sich trotz aller Schwierigkeiten fühle. Kritische Fragen zu den ursprünglichen Problemen? Werden elegant als „Force Majeure“ verpackt – also höhere Gewalt. Praktisch.
Am Ende bleibt vor allem eine Frage offen: Wenn die heutige TGI AG angeblich seit „fast fünf Jahren“ so erfolgreich läuft – wie kann das eigentlich sein, wenn das Unternehmen in dieser Form zeitlich noch gar nicht auf fünf Jahre Geschichte kommt?
Vielleicht sollte man bei all den Goldmodellen und Prozentrechnungen zuerst einmal die Jahreszahlen sauber sortieren. Das wäre zumindest ein wirklich transparenter Anfang.

Die (nach wie vor existente) GGMT in Wien hat ja mit der TGI AG (früherer Name laut liechtensteinischem Handelsregister: GGMT Revolution AG) nichts zu tun.
Wurde in diversen Schreiben betont. Obwohl die Verträge der österr. GGMT laut Anhang zur österr. Bilanz auf die TGI Vaduz übergingen. Sehr ominös. (Anders als Videos sind die eingebrachten Bilanzen nicht so leicht im Internet zu löschen, jedenfalls nicht für das Unternehmen).
Daher muss ein Teil der 5 Jahre in einem komplett anderen Geschäftsmodell verbracht worden sein.