Recherchen zu Gold Crest Refinery und Golden Empire Legacy werfen massive Fragen zur Lieferkette der TGI AG auf
Die TGI AG aus Vaduz präsentiert sich gegenüber Anlegern als internationales Goldhandelsunternehmen mit direkten Verbindungen zu Minen, Raffinerien und Goldlieferanten in Afrika. Herzstück der Erzählung sind dabei zwei Unternehmen aus Ghana: die Gold Crest Refinery Limited und die Golden Empire Legacy Limited.
Doch eine umfassende Recherche zeichnet ein deutlich komplizierteres Bild. Denn obwohl beide Unternehmen tatsächlich existieren, fehlen ausgerechnet jene objektiven Nachweise, die bei einer angeblich milliardenschweren Goldlieferkette zu erwarten wären.
Im Mittelpunkt der Kritik stehen vor allem fehlende Zertifizierungen, nicht überprüfbare Produktionszahlen, widersprüchliche Angaben sowie eskalierende aufsichtsrechtliche Warnungen gegen die TGI AG selbst.
Kein einziger Ghana-Refiner auf der LBMA-Liste
Besonders brisant:
Weder Gold Crest Refinery noch Golden Empire Legacy sind auf der international maßgeblichen „Good Delivery List“ der London Bullion Market Association (LBMA) vertreten.
Dabei gilt genau diese Liste weltweit als entscheidender Branchenstandard für seriöse Goldraffinerien.
Die TGI-nahe Kommunikation suggeriert jedoch eine professionelle Wertschöpfungskette aus Mine, Raffinerie und physischer Goldlagerung. Die Realität sieht offenbar anders aus:
Aktuell befindet sich kein einziger Goldraffineriebetrieb aus Ghana auf der LBMA-Liste.
Gold Crest wirbt zwar damit, „Ghanas erste LBMA-zertifizierte Raffinerie“ werden zu wollen. Doch zwischen einem Werbeversprechen und einer tatsächlichen Zertifizierung liegen umfangreiche Prüfverfahren, Audits und internationale Compliance-Anforderungen.
Gold Crest Refinery: Raffinerie oder Streitfall?
Besonders kritisch erscheint die Situation rund um die Gold Crest Refinery Limited.
Das Unternehmen wurde 2019 gegründet und wird von einem indisch-ghanaischen Gesellschafterkreis kontrolliert. Öffentlich auffindbare Handelsdaten deuten zwar darauf hin, dass tatsächlich Gold exportiert wurde – allerdings in vergleichsweise kleinem Umfang.
Genau hier beginnt das Problem:
Die öffentlich dokumentierten Exportvolumina stehen in auffälligem Missverhältnis zu den Größenordnungen, die sich aus den Aussagen der TGI AG ergeben würden.
Während die TGI AG von erheblichen Goldbeständen und zehntausenden Kunden spricht, zeigen verfügbare Handelsdaten von Gold Crest lediglich Exporte im Bereich einiger Millionen US-Dollar. Für eine tragende Säule einer internationalen Goldlieferkette wäre das erstaunlich wenig.
Hinzu kommt:
Seit Ende 2024 befindet sich Gold Crest offenbar in einem massiven Gesellschafterkrieg.
Ghanaische Medien berichten über Strafanzeigen, Vorwürfe des Gold-Diebstahls, Geldwäsche, Urkundenfälschung sowie Streitigkeiten über Eigentumsverhältnisse. Mehrere Verfahren beschäftigen Gerichte und Ermittlungsbehörden in Ghana.
Besonders pikant:
Im Zuge dieses Konflikts taucht auch eine „Gold Crest Trading GmbH“ in Wien auf. Laut Aussagen aus dem Gesellschafterstreit soll diese Gesellschaft ohne Zustimmung gegründet worden sein. Der Bezug nach Österreich sorgt zusätzlich für Aufmerksamkeit, weil sich dort bereits die Vorgängergesellschaft der heutigen TGI-Strukturen bewegte.
Golden Empire Legacy: Politische Präsenz statt industrielle Nachweise
Das zweite Unternehmen der TGI-Lieferkette ist die Golden Empire Legacy Limited rund um die ghanaische Unternehmerin und Politikerin Joana Gyan Cudjoe.
Anders als Gold Crest verfügt Golden Empire zumindest über sichtbare öffentliche Aktivitäten, eine Unternehmenswebseite sowie Lizenzen im Bereich Goldhandel und Goldexport.
Allerdings zeigt auch hier die Recherche erhebliche Lücken.
Denn obwohl das Unternehmen mit ambitionierten Aussagen über hunderte Konzessionen, milliardenschwere Goldvorkommen und internationale Expansion wirbt, fehlen unabhängige technische Berichte, internationale Branchenzertifizierungen oder nachvollziehbare Produktionsnachweise.
Auffällig ist zudem:
Golden Empire tritt öffentlich kaum bis gar nicht in Verbindung mit der TGI AG auf. Während TGI das Unternehmen aktiv als Partner benennt, findet sich umgekehrt praktisch keine öffentliche Bezugnahme auf TGI oder deren Geschäftsmodell.
Aufsichtsbehörden schlagen Alarm
Parallel zur Diskussion um die ghanaischen Partner verschärft sich der regulatorische Druck auf die TGI AG massiv.
Die deutsche BaFin untersagte im April 2026 bestimmte Angebote der TGI AG wegen Verstößen gegen das Vermögensanlagengesetz. Die Finanzmarktaufsichten in Österreich und Liechtenstein veröffentlichten Warnmeldungen. Stiftung Warentest führt das Unternehmen bereits seit 2025 auf einer Warnliste für Geldanlagen.
Kritiker bemängeln vor allem die mangelnde Transparenz der tatsächlichen Goldlieferkette sowie die langen Lieferzeiten von teilweise bis zu 36 Monaten.
Fehlende Transparenz wird selbst zum Problem
Besonders bemerkenswert ist nicht nur das, was recherchiert werden konnte – sondern auch das, was fehlt.
Für beide Unternehmen existieren öffentlich keine nachvollziehbaren geprüften Jahresabschlüsse, keine transparent dokumentierten Produktionszahlen, keine international anerkannten Ressourcenberichte und keine überprüfbaren Nachweise über die behaupteten Größenordnungen.
Genau das wird zunehmend zum zentralen Kritikpunkt.
Denn wer Anlegergelder in erheblichem Umfang einsammelt und gleichzeitig mit Goldminen, Raffinerien und internationalen Lieferketten wirbt, muss sich an objektiven Branchenstandards messen lassen.
Und genau diese Nachweise fehlen bislang weitgehend.
Viel Marketing, viele Fragen
Die Recherche ergibt kein endgültiges Urteil über die tatsächlichen Aktivitäten der beteiligten Unternehmen. Gold Crest und Golden Empire existieren als Gesellschaften real. Ebenso gibt es Hinweise auf operative Tätigkeiten im Goldhandel.
Doch zwischen real existierenden Firmen und einer belastbaren, international überprüfbaren Lieferkette liegt ein erheblicher Unterschied.
Genau dieser Unterschied scheint bislang nicht überzeugend dokumentiert zu sein.
Für Anleger bleibt deshalb vor allem eine entscheidende Frage offen:
Wie belastbar ist ein Geschäftsmodell, dessen zentrale Goldpartner zwar werbewirksam präsentiert werden, jedoch kaum in internationalen Branchenstandards, offiziellen Statistiken oder unabhängigen Fachberichten auftauchen?
Solange darauf keine klaren und objektiv überprüfbaren Antworten vorliegen, dürfte die Skepsis gegenüber der TGI-Lieferkette weiter wachse
Nicht nur, dass sich die Gold Crest Wien im selben Staat bewegt wie die GGMT, sondern sie teilt sich auch einen Geschäftsführer mit der TGI.
Der Artikel in NEWS hatte die Causa Goldcrest / Handa / Hari / Müllner schon mal recherchiert.
„Streit bei Partner in Ghana
Accra, rund 6.800 Kilometer von Vaduz entfernt, im Viertel Adabraka der ghanaischen Hauptstadt, soll eines dieser Partnerunternehmen seinen Sitz haben: die „Gold Crest Refinery Limited“. Dabei soll es sich um eine sogenannte Scheideanstalt handeln, die minderwertiges Gold zu Feingold veredelt. An der angegebenen Adresse findet sich jedoch lediglich ein schmuckloses Bürogebäude des IT-Unternehmens IPMC.
Ein YouTube-Video der TGI soll zeigen, wie bei Gold Crest gearbeitet wird. Da darin Außenaufnahmen fehlen, lässt sich der tatsächliche Drehort nicht verifizieren. Auf der Website von Gold Crest werden unter der Rubrik „Partners we trust worldwide“ renommierte Unternehmen angeführt, darunter die Fluglinie KLM. Recherchen von News im Umfeld der niederländischen Airline ergaben jedoch, dass zumindest KLM kein Partner der ghanaischen Goldraffinerie ist.
Laut vorliegenden Dokumenten wurde Gold Crest von zwei indischen Staatsangehörigen gegründet: der heute 60- oder 64-jährigen – dazu später mehr – Niharika Handa, die zusätzlich einen ghanaischen Pass besitzt, sowie dem 59-jährigen Amar Deep Singh Hari. Er ist auch Gründer von IPMC – jenem bereits erwähnten IT-Unternehmen, das sich das Gebäude mit Gold Crest teilen soll.“
„Was bekannt ist: Geschäftsführer der angeblichen Österreich-Zweigstelle der ghanaischen Goldraffinerie, deren Alleineigentümerin laut Unterlagen Niharika Handa sein soll, ist Herbert Müllner – jener Mann, der bereits als CFO der TGI AG in Erscheinung trat. “
https://www.news.at/wirtschaft/die-kalteneggers-tgi-gold-rp1#streit-bei-partner-in-ghana
Ich meine in einem Video hätte Kaltenegger erwähnt, dass Herr Alexander S. einen Schlaganfall erlitten hätte.