Crystal Palace wollte diese Conference League eigentlich nie spielen. Jetzt steht der Klub plötzlich 90 Minuten vor einem europäischen Titel – und ganz Selhurst Park glaubt an ein Fußballmärchen.
Nach dem 2:1 gegen Schachtar Donezk explodierte das Stadion. Fahnen, Pyrotechnik, „Glad All Over“ aus tausenden Kehlen und mittendrin ein Team, das vor einem Jahr noch kaum jemand auf europäischer Bühne ernst genommen hätte.
Ausgerechnet Oliver Glasner, der den Verein im Sommer verlassen wird, könnte Palace nun zum dritten Titel in kürzester Zeit führen.
FA Cup. Community Shield. Und jetzt vielleicht Europa.
„Vor drei Jahren hätte niemand geglaubt, dass Crystal Palace einmal ein europäisches Finale spielt“, sagte Glasner nach dem Spiel fast ungläubig selbst.
Vom Gerichtssaal ins Endspiel
Die Reise begann mit Chaos.
Eigentlich hatte sich Palace durch den FA-Cup-Sieg für die Europa League qualifiziert. Doch wegen der UEFA-Regeln zu Mehrfachbesitz wurde der Klub in die Conference League zurückgestuft. Präsident Steve Parish kämpfte stundenlang vor dem Sportgerichtshof in der Schweiz – vergeblich.
Heute wirkt diese Strafe fast wie der Startschuss für etwas Größeres.
Norwegen, Polen, Bosnien, Zypern, Italien – Palace zog durch Europa und spielte sich immer tiefer in die Herzen seiner Fans.
Jetzt wartet im Finale in Leipzig Rayo Vallecano.
Selhurst Park bebte
Die Atmosphäre gegen Schachtar war elektrisierend.
Schon nach wenigen Minuten war klar: Dieses Stadion glaubt an Geschichte. Jeder Ballgewinn wurde gefeiert wie ein Tor. Jeder Zweikampf wie ein Endspiel.
Ismaila Sarr traf erneut und ist mittlerweile Top-Torschütze des Wettbewerbs. Kapitän Dean Henderson schnappte sich nach Abpfiff ein Megafon und brüllte gemeinsam mit den Fans in die Nacht.
„Das ist unglaublich für diesen Verein“, sagte der Keeper. „Crystal Palace in einem Europapokal-Finale – das klingt immer noch verrückt.“
Chaos, Krisen – und trotzdem Erfolg
Dabei hätte diese Saison auch komplett implodieren können.
Nach dem FA-Cup-Triumph wechselte Eberechi Eze zu Arsenal. Marc Guehi stand kurz vor Liverpool, später dann vor Manchester City. Die Mannschaft spielte über 50 Pflichtspiele, Verletzungen häuften sich, dazu kam eine peinliche Pokalpleite gegen Sechstligist Macclesfield.
Im Januar erklärte Glasner sogar öffentlich seinen Abschied. Zwischenzeitlich wirkte es, als würde alles auseinanderfallen.
Doch genau daraus entstand offenbar die besondere Energie dieser Mannschaft.
„Sie wollen wieder Honig“
Glasner selbst fand dafür nach dem Halbfinale einen fast poetischen Satz.
„Die Spieler haben den Geschmack von Titeln erlebt“, sagte der Österreicher. „Jetzt wollen sie wieder Honig. Avocado reicht ihnen nicht mehr.“
Für Crystal Palace könnte der 27. Mai deshalb mehr werden als nur ein Finale.
Es wäre der größte Abend in 121 Jahren Vereinsgeschichte.
Kommentar hinterlassen