Während der Iran seit Monaten weitgehend vom globalen Internet abgeschnitten ist, wächst im Verborgenen ein Netzwerk, das genau diese Isolation durchbrechen will. Aktivisten schmuggeln heimlich Starlink-Satellitenterminals ins Land – unter hohem persönlichen Risiko.
„Wenn auch nur eine Person mehr Zugang zum Internet bekommt, hat es sich gelohnt“, sagt „Sahand“, ein Iraner, der aus Sicherheitsgründen anonym bleibt. Von außerhalb des Landes organisiert er gemeinsam mit anderen den Transport der Geräte über Grenzen hinweg. Details nennt er nicht – zu groß ist die Angst vor Repressionen gegen Kontakte im Iran.
Internet-Blackout als politisches Instrument
Seit mehr als zwei Monaten herrscht im Iran eine der längsten dokumentierten Internetsperren weltweit. Auslöser waren militärische Spannungen nach Angriffen durch die USA und Israel. Offiziell begründet die Regierung die Abschaltung mit Sicherheitsinteressen, Kritiker sehen darin jedoch vor allem den Versuch, Kontrolle über Informationen zu behalten.
Bereits zuvor hatte es im Zuge von Protesten ähnliche Maßnahmen gegeben. Menschenrechtsorganisationen berichten von tausenden Toten und zehntausenden Festnahmen während der Unruhen. Ohne freien Internetzugang sind unabhängige Informationen im Land kaum verfügbar.
Starlink als digitale Lebensader
Die Satellitentechnologie von Elon Musks Unternehmen SpaceX ermöglicht es Nutzern, staatliche Netzwerke vollständig zu umgehen. Die Geräte verbinden sich direkt mit Satelliten und bieten so Zugang zum globalen Internet – unabhängig von lokalen Einschränkungen.
Schätzungen zufolge könnten inzwischen zehntausende dieser Terminals im Iran im Einsatz sein. Über geheime Kanäle, etwa verschlüsselte Messaging-Dienste, werden sie gehandelt und verteilt.
Doch der Besitz ist illegal: Seit 2025 drohen für Nutzung oder Handel Haftstrafen von bis zu zwei Jahren, bei größeren Mengen sogar bis zu zehn Jahre. Immer wieder berichten staatliche Medien von Festnahmen.
Hohe Risiken für Nutzer und Helfer
Aktivisten berichten von zunehmendem Druck durch die Behörden. Mindestens 100 Menschen sollen wegen Starlink-Geräten festgenommen worden sein. In einigen Fällen stehen sogar Spionagevorwürfe im Raum.
Auch für Unterstützer im Ausland bleibt die Lage heikel. „Wenn ich identifiziert werde, könnten andere den Preis dafür zahlen“, sagt Sahand. Finanziert wird das Netzwerk laut seinen Angaben von Exil-Iranern und privaten Unterstützern – staatliche Hilfe gebe es nicht.
Ungleicher Zugang im Inland
Während die breite Bevölkerung vom freien Internet abgeschnitten ist, haben ausgewählte Gruppen weiterhin Zugriff – etwa Regierungsvertreter oder staatsnahe Medien. Für sie existieren spezielle SIM-Karten mit uneingeschränktem Zugang.
Für Unternehmen wurde zudem ein eingeschränktes Programm eingeführt, um wirtschaftliche Schäden abzufedern. Denn der Blackout kostet das Land täglich Millionen.
Informationskontrolle im Fokus
Menschenrechtsorganisationen warnen vor den Folgen solcher Maßnahmen. Ohne unabhängige Informationen könne der Staat seine eigene Darstellung dominieren, während Berichte über Gewalt oder Repression unterdrückt würden.
Genau dagegen richtet sich der Einsatz der Aktivisten. „Menschen müssen zeigen können, was wirklich passiert“, sagt Sahand. Für viele im Iran ist der Zugang zum Internet längst mehr als nur Kommunikation – er ist ein Mittel, um Realität sichtbar zu machen.
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