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„Freundschaftsleasing“: Wenn Freundschaft plötzlich 8 Millionen Euro kostet

geralt (CC0), Pixabay
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Manche Geschäftsideen sind so genial, dass man sich fragt, warum sie nicht schon früher erfunden wurden. Das sogenannte „Freundschaftsleasing“ gehörte offenbar in genau diese Kategorie.

Das Versprechen war ebenso einfach wie verlockend: Jeder kann ein Auto kostenlos fahren. Man müsse lediglich zwei teure Fahrzeuge kaufen, zwei Kredite aufnehmen und darauf vertrauen, dass eine Firma künftig sämtliche Raten übernimmt.

Was sollte da schon schiefgehen?

Wie die Staatsanwaltschaft Leipzig nun meint: ziemlich viel.

Das Wunder der kostenlosen Autos

Das Geschäftsmodell funktionierte nach einem verblüffend simplen Prinzip:

Kunden wurden überzeugt, gleich zwei hochpreisige Fahrzeuge zu finanzieren. Als Belohnung durften sie eines davon angeblich kostenlos nutzen. Das zweite Fahrzeug sollte als Werbeträger dienen und wundersame wirtschaftliche Vorteile erzeugen.

Kritische Nachfragen waren dabei offenbar ebenso überflüssig wie kaufmännische Grundkenntnisse.

Denn wenn jemand verspricht, fremde Kreditraten dauerhaft zu bezahlen, ist das schließlich ein völlig normales Geschäftsmodell und keineswegs ein Anlass für Misstrauen.

Aus Schrott wird Premiumware

Besonders beeindruckend war offenbar die Kreativität bei der Fahrzeugbewertung.

Nach Darstellung der Ermittler wurden teilweise Fahrzeuge mit Totalschäden als nahezu neuwertige Automobile verkauft. Kilometerstände und Fahrzeugzustände sollen dabei eine bemerkenswerte Flexibilität entwickelt haben.

Man könnte auch sagen:

Einige Autos hatten eine bessere Lebensgeschichte als ihre Besitzer.

Während andere Menschen Oldtimer restaurieren, gelang es hier offenbar, aus Unfallwagen kurzfristig Luxusgüter zu machen – zumindest auf dem Papier.

Die Banken als unfreiwillige Sponsoren

Auch die finanzierenden Banken spielten in diesem Konstrukt eine wichtige Rolle.

Sie gewährten Kredite auf Grundlage von Fahrzeugwerten, die sich später offenbar als ausgesprochen optimistisch herausstellten.

Im Gegenzug erhielten sie Sicherheiten, die nach Ansicht der Ermittler teilweise eher symbolischen Charakter hatten.

Mit anderen Worten:

Die Banken finanzierten Premiumfahrzeuge und bekamen dafür gelegentlich Schrottplatzromantik.

Solange Geld nachkommt, funktioniert alles

Wie bei vielen Konstruktionen dieser Art lief zunächst alles wunderbar.

Die Kreditraten wurden erstattet.

Die Teilnehmer erzählten Freunden davon.

Neue Kunden kamen hinzu.

Die Stimmung war hervorragend.

Das Problem solcher Modelle besteht allerdings darin, dass sie oft nur so lange funktionieren, wie ständig neues Geld nachfließt.

Irgendwann endet jede Wunderwirtschaft. Dann stellt sich heraus, dass Mathematik und Realität unangenehme Angewohnheiten haben.

Jetzt beschäftigt sich das Gericht damit

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat ihre Ermittlungen abgeschlossen und Anklage gegen sieben Beschuldigte erhoben. Im Raum stehen unter anderem Vorwürfe des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in 87 Fällen.

Der mutmaßliche Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen Euro.

Das Landgericht Leipzig muss nun entscheiden, ob es zur Hauptverhandlung kommt.

Bis dahin gilt selbstverständlich für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

Fest steht allerdings schon jetzt:

Wer bei dem Begriff „Freundschaftsleasing“ an gegenseitige Hilfe, Vertrauen und langfristige Beziehungen gedacht hat, dürfte eine der teuersten Lektionen seines Lebens gelernt haben.

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