Bei einem Angriff auf eine Patrouille der UN-Friedenstruppe UNIFIL im Süden des Libanon ist ein französischer Soldat getötet worden. Drei weitere Blauhelme wurden verletzt, zwei davon schwer. Nach Angaben der Mission geriet das Team während eines Einsatzes unter Beschuss mit Handfeuerwaffen. Offizielle Stellen werten den Vorfall als vorsätzliche Attacke auf UN-Personal – in einer Region, in der die Sicherheitslage seit Wochen wieder deutlich angespannt ist.
Der französische Präsident Emmanuel Macron machte die libanesische Hisbollah für den Angriff verantwortlich. „Alles deutet darauf hin, dass die Verantwortung bei der Hisbollah liegt“, ließ Macron erklären und forderte die libanesischen Behörden auf, die Täter umgehend festzunehmen und ihre Pflichten gemeinsam mit UNIFIL wahrzunehmen. Die schiitische Miliz, die vom Iran unterstützt wird, wies die Vorwürfe zurück. In einer Stellungnahme sprach sie von „voreiligen“ und „unbegründeten“ Anschuldigungen und verlangte, zunächst die Ergebnisse der Untersuchung der libanesischen Armee abzuwarten.
Auch aus New York kam scharfe Kritik: Ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Attacke und verwies auf eine erste Einschätzung, wonach „nichtstaatliche Akteure“ auf die Patrouille gefeuert hätten – die Vereinten Nationen vermuten demnach Hisbollah-Kräfte. Zugleich rief die UN alle Seiten dazu auf, die Feindseligkeiten einzustellen und die geltende Waffenruhe zu respektieren.
Nach Darstellung der französischen Verteidigungsministerin Catherine Vautrin war der getötete Soldat Teil einer Mission, die den Zugang zu einer UNIFIL-Position wiederherstellen sollte, die durch jüngste Kampfhandlungen abgeschnitten worden war. Die Patrouille sei aus nächster Nähe in einen Hinterhalt geraten; der Blauhelm habe einen direkten Treffer erlitten. Kameraden hätten ihn zwar bergen können, eine Wiederbelebung sei jedoch gescheitert.
UNIFIL erklärte, die Einheit habe in der Ortschaft Ghanduriyah eine Straße von explosiven Kampfmitteln geräumt, um isolierte Stellungen wieder anzubinden. Die libanesischen Streitkräfte berichteten von Schusswechseln mit bewaffneten Personen und betonten die enge Koordination mit UNIFIL in dieser „sensiblen Phase“. Libanons Präsident Joseph Aoun verurteilte den Angriff und sagte Macron in einem Telefonat zu, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Premierminister Nawaf Salam ordnete ebenfalls Ermittlungen an.
Der Vorfall fällt in eine Zeit erhöhter Spannungen entlang der sogenannten Blauen Linie, der faktischen Grenze zwischen Libanon und Israel. Zwar trat am 16. April eine zehntägige Waffenruhe in Kraft, doch bleibt die Lage fragil. Erst Ende März waren zudem drei indonesische Blauhelme in separaten Zwischenfällen ums Leben gekommen. UNIFIL warnte, Angriffe auf Friedenstruppen seien schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und könnten als Kriegsverbrechen gewertet werden.
Kommentar hinterlassen